Luftballon mit Absender

Liebes Plana Küchenland Ravensburg,

Irgendwann im Spätsommer oder Herbst haben Sie ein Fest gefeiert. Ihr Luftballon hing bei uns im Wald in einem Baum. Er hat mehr als 300 km Luftlinie, Richtung Nord-Nord-Ost, zurückgelegt und sank in der Fränkischen Schweiz.

Wenn ich ihn nicht mitgenommen hätte, würde er immer noch dort hängen, für die nächsten Jahre. Bis irgendwann, nach vielen Jahren, die Schnur so spröde wird, dass sie – vielleicht bei stärkeren Windböen – reißt und Schnur und Ballon auf den Waldboden fallen. Wo sie weitere Jahrzehnte liegen bleiben. Vielleicht verheddert sich ein Igel in der Schnur. Sie wickelt sich um die Stacheln, und wenn ihn niemand findet und befreit, läuft er den Rest seines Lebens mit ihr herum.

Der Ballon zerbröselt. Eine vorbeihüpfende Amsel verwechselt ein aufgerolltes Stück mit einem Wurm und verfüttert es an eines ihrer Jungen. Wenn das Junge Pech hat, ist es nicht das erste Plastikstück, das in seinen Schnabel gestopft wird.

Der Regen spült Teile des Ballons und der Schnur in den nahen Bach, der sie mit sich fortnimmt in den nächsten kleinen See. Ein Fisch verschluckt ein Stück Ballon, ein anderer verheddert sich mit seinen Kiemen in der Schnur.

Noch in 100 oder 200 Jahren liegen kleine Teile des Ballons irgendwo im Wald, im Bach, auf dem Grund des kleinen Sees. Mikroplastik wird daraus. Ob es das Plana Küchenland da noch geben wird? Der Luftballon wird es definitiv überleben.

Zum Glück wird das alles (mit diesem Luftballon) nicht passieren, weil ich den Ballon gefunden und mitgenommen habe, und Sie ihn nun hoffentlich entsorgen werden.

Dass ich mir diese Geschichten aber nicht einfach nur ausdenke, sondern sie leider Realität sind, zeigt das jüngste Beispiel: In einem Hirsch, der in der Schweiz erschossen wurde, fand man  sechs Kilogramm Plastik im Magen

Auf ein plastikfreies 2020? #Zerowaste
Mit besten Grüßen,
dagehtwas

 

 

30 Kommentare

  1. Über diese Gewohnheiten, bei grossen Festen aller Art, auch Hochzeiten, alles mögliche in die Luft fliegen zu zu lassen, ob Luftballons, die den Plastikmüll vermehren oder die tierwohlverachtenden Versionen, bei denen man bedauernswerte weisse Pfauentauben, die keinen den Brieftauben vergleichbaren Orientierungssinn haben und nur verzweifelt versuchen, ihren Partner „irgendwo“ wieder zu finden, den man natürlich nicht mitgeschickt hat, fliegen lässt, oder eigens dafür gezüchtete und per Post versandte Schmetterlinge, darüber wird einfach zuwenig nachgedacht.

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  2. Das ist eine gute Idee, Plana anzuschreiben. Vielleicht verzichten sie dann auf solche Aktionen und werden sensibilisiert. Bei uns gibt es zum Weinfest auch immer eine Luftballon-Aktion. Ich glaub, ich werde das auch mal zum Thema machen. Vielleicht gibt es ja Alternativen für solche Aktionen. Auch wenn ich glaube, dass der Gemeinderat auf dem Ohr eher taub ist.

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    • Ja, das hoffe ich damit zu erreichen! Oh, gute Idee!! Vielleicht findest du Mitstreiter*innen! Als Kind mochte ich ja auch Luftballons, bis mir mal klar wurde, was diese Dinger anrichten, wenn sie in Wald, Feld und Flur landen und dort herumliegen… Und ich denke, das geht vielen so 🙂 Viel Erfolg!!!

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      • Danke, wir haben dieses Jahr hier ja eine kleine Naturschutzgruppe gegründet und ich werde mich auch als ehrenamtlicher Umweltbeauftragter der Gemeinde bewerben. – Die Stelle wird neu geschaffen und vielleicht kann man ja auf diesem Weg etwas bewegen.

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      • WOW! Sehr cool! Da drück ich fest die Daumen und VIEL ERFOLG! Und Durchhaltevermögen und eine gute Frusttoleranz 😉 das brauchst du sicher auch beides. Aber ich wünsch dir und hoffe, dass du v.a. Erfolge verbuchen kannst in deinem Tun 🙂 Manchmal muß nur jemand anfangen, und dann steigen andere mit auf den Zug auf oder mal was laut an-/aussprechen, und plötzlich merkt man, dass man nicht der/die einzige ist, die/der so denkt.

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      • Danke 🙂 Ja, momentan sind wir leider nur zu Dritt, aber bei Facebook gibts schon ne Gruppe für die Naturschutzgruppe hier im Ort und da sind wir über zwanzig. Vielleicht kommt der eine oder andere noch mit dazu. Und mit dem Nabu haben wir uns auch schon mal unterhalten. Die stehen uns mit Rat zur Seite.

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      • Na, das ist doch ein ganz guter Anfang! 🙂 Wir waren am Anfang zu viert, und mittlerweile haben wir an die 30 Aktive und viele, die dann dazu kommen, wenn wir was organisiert haben. Das Ausschlaggebende ist auch nicht unbedingt, wie viele man ist, sondern wie aktiv sich die einzelnen einbringen und Aufgaben und Verantwortungen übernehmen. Es nutzt nichts, wenn man viele Menschen im Verteiler hat, und wenn´s darauf ankommt, sind alle mucksmäuschenstill ;-). Seid ihr zufällig auch auf twitter unterwegs?

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      • Ja, ich denke auch, wir können erst mal im kleinen Kreis was bewegen. 🙂 Und wenn wir mal ein erstes Projekt erfolgreich abgeschlossen haben, werden die Leute das sehen und vielleicht dann auch sagen, da mach ich mit. Mit dem Verteiler habe ich auch die Erfahrung gemacht: Erst hieß es bei einigen auf Facebook aus der Gemeinde, die der Naturschutzgruppe beigetreten waren, sie machen mit. Aber dann als es ums erste Treffen ging, waren sie auch mucksmäuschenstill… Nein, bei Twitter sind wir bisher noch nicht, wäre aber eine gute Idee. 🙂

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      • Twitter ist ganz gut, weil da viele Gruppen, Organisationen, die aktuelle Klimabewegung, außerdem die Medien, Entscheidungsträger*innen, Parteien usw. unterwegs sind. Twitter funktioniert teilweise wie ein Nachrichtenkanal. Meld dich, wenn ihr auf twitter seid! Da kann ich euch dann unterstützen 🙂
        Viel Erfolg!!

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      • Hallo, ich weiß es hat etwas länger gedauert, aber wir haben uns auf Twitter nun registiert. 🙂 @MehrNatur
        Wenn Du mal Zeit hast – wir sind für jeden Tipp und jede Unterstützung sehr dankbar. Schönes Wochenende und LG Torsten

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      • Hey grünschreiber! Ah, cool! Schau ich nachher gleich mal rein 🙂 und ich meld mich! Finde ich irgendwo eine Email-Adresse von eurer Gruppe? Das ist vielleicht besser als hier. 🙂 Liebe Grüße
        Sabine

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  3. Bei uns flog im Frühjahr, so ein verirrtes Exemplar aus grellbunter Metallic-Folie, nur noch mit einem Rest Helium gefüllt, etwa in Knie- bis Bauchhöhe tanzend, über die Felder. Eine Rehmutter mit ihrem Kitz bekam den Schreck ihres Lebens. Laut bellend (das ist der Schreckruf der Rehe) lief es vollkommen kopflos hin und her. Ich hätte dem Absender gern meine Meinung zu diesem blöden Brauch erzählt.
    Eine andere abgeschlaffte Luftballonhülle fand ich im Rundballen Heu, als ich die Pferde füttern wollte. Ja, da kommt Freude auf…
    Darüber denken die Städter nicht nach, die sich auf Festen usw. amüsieren.
    LG Susanne

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    • Das hat nichts mit Städtern zu tun. Du glaubst gar nicht, was ich bei uns im Wald alles einsammle – pausenlos. Seit vier Jahren spazieree ich mit unserem Hund hier durch die Wälder und sammle fast täglich Müll ein; oft nehm ich einen Müllsack mit und suche gezielt Stellen auf, wo ich letztens was entdeckt habe – so gut wie alles ist von Einheimischen (wir leben auf dem Land), von Landwirten und Waldbesitzern… 🙂 und Luftballons gibt es auch bei Möbelhäusern und Kerrwas in ländlichen Regionen.
      Liebe Grüße zurück! 🙂

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      • Oh je, das ist ja übel. Wir leben in einem ganz kleinen Ort. Bei uns liegt nie Müll herum. Außer es gibt eine Umleitung. Dann fahren viele fremde Menschen hier durch, die allen möglichen Scheiß aus dem Autofenster schmeißen. Fast-Food Verpackungen, Flaschen, leere Zigarettenpackungen und weiß der Geier was noch alles. Man merkt es immer sofort, wenn Fremde da waren.

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      • Ohja, Straßengräben sind die reinste Müllkippe!
        In einer Kurve hier liegt regelmäßig an der gleichen Stelle die gleiche Kaffee-to-Go-Becher-Marke im Wald – das muß immer derselbe Menschen sein, der das genau in der Kurve aus dem Fenster wirft. Ich hab shcon überlegt, ob ich die alle sammle auf einer Schnur aufziehe und dort an einen Baum hänge… aber bisher war mir das dann doch zu viel Arbeit.

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  4. So ein Mist, wirklich. Man kann ja nicht immer an alles denken, aber wenn man sieht, was das dann für Konsequenzen haben kann, sollte man nächstes Mal doch zweimal überlegen, was man wo wie auf die Natur losläßt. Ich sah mal eine Wildgans, die ein Stück eines Angelhakens mit Angelschnur im Gefieder stecken hatte. Sie versuchte, es herauszuziehen. Ich hoffe nur, daß sie es geschafft hat! Oder in einem Sommer mit starken Regenfällen sind mancherorts Jungstörche in ihren Nestern ertrunken, weil die Eltern es mit Plastik ausgepolstert hatten. Das Wasser konnte nicht ablaufen. Wirklich lieber zweimal nachdenken, was man tut und keine Ballons mehr fliegen lassen. Bin gespannt, ob du was hören wirst! Und schön, daß du ihn mitgenommen hast! Viele haben ihn vielleicht nicht mal registriert. – Nachträglich wünsche ich noch Frohe Weihnachten ♥ LG, Almuth

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    • Das mit dem Storchennest hab ich auch schon mal gehört. Ich fand mal ne Schildkröte, aus deren Maul eine Angelschnur schaute. Ein sehr freundliche Tierarzt nahm sich ihrer dann an und röngte sie – so einfach ist es nicht, eine Schildkröte aufzuschneiden, ist ja der Panzer rundherum. Fünf Angelhaken hatte die Schildkröte im Magen! Nichts zu machen…
      In irgendeinem Naturkundemuseum (weiß nicht mehr in welchem) steht ein Storch, um seinen Schnabel einen Plastikring einer Getränkeflasche – er hat seinen Schnabel nicht mehr öffnen können und ist verhungert. Nun steht er als Mahnmal im Museum…
      Ja, ich bin auch gespannt, ob sie sich melden! Aber deswegen hab ich den Ballon ja nicht zurückgeschickt. Ich hoffe einfach, dass zumindest in diesem Laden beim nächsten Fest anders geplant wird.
      Danke! Guten Rutsch! (Frohe Weihnachten nachträglich, wenn das noch gilt?) 🙂

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      • Das mit dem Ballon ist klar, aber vielleicht gibt es trotzdem eine Reaktion in der Hinsicht, wie sie das handhaben wollen zukünftig. – Ach ja, das sind schlimme Geschichten! Nur so ein kleines Teil, was jemand gedankenlos weggeworfen hat, und dann hat es solche dramatischen Folgen. Wenn die Leute nur zweimal nachdenken und ihren Müll mitnehmen würden! – Einen Guten Rutsch wünsche ich dir auch und schöne Weihnachten gehabt zu haben 🙂

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      • Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt was mit Nachdenken zu tun hat. Ich glaube, es ist einfach Wurstigkeit, Bequemlichkeit und damit auch Egoismus, Unachtsamkeit dem Leben gegenüber, Ignoranz gegenüber den Folgen.
        Wenn es nur Nachdenken wäre, dann gäbe es dieses Problem nicht, denn es ist ja alles bekannt. Es ist nur einfach egal. Und dagegen kommt man nicht an, auch nicht mit Argumenten.

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