Wildpflanzen für Vögel

Die kleinen Blaumeisen wuseln so schnell die Nachtkerze hoch und runter, dass es schwer ist, sie zu fotografieren.

Fragen anderer Menschen finde ich gut. Denn sie bringen mich oft auf neue Ideen und Gedanken. Ein Perspektivenwechsel, der mich manches plötzlich unter einem anderen Gesichtswinkel betrachten lässt.

Vor kurzem wurde ich gefragt:
„Welche Pflanzen kann ich für Vögel pflanzen?“
Eine sehr gute Frage, der sofort zwei weitere folgten: Warum ist mir diese Frage noch nicht selbst gekommen, und warum hab ich darüber noch keinen Blockbeitrag geschrieben?

Vermutlich, weil es mir als Biologin klar ist. Jede heimische Wildpflanze ist Teil des heimischen Artengefüges und hilft damit der heimischen Artenvielfalt und damit natürlich auch direkt oder über Umwege den Vögeln. Wenn man aber als Nicht-Biolog*in in seinem Garten steht und gezielt etwas für die Vögel pflanzen möchte, gehen die Gedanken und Überlegungen natürlich andere Wege. Perspektivenwechsel.
Raus aus den eigenen Gedankengängen, neue Wege denken!

Der Inspiration bin ich gleich gefolgt, und schon hatte ich eine Artenliste unter anderen Gesichtspunkten mit anderen Überschriften. Großartig! Arten, die man bisher vor allem unter dem Aspekt „Bienen und andere Bestäuber“ betrachtet hat, stehen nun in einem anderen Kontext.

wie das Mädesüß zum Beispiel. Hier hängen vier Distelfinken und eine Kohlmeise an den Blütenständen, so dass sich die Stängel nach unten biegen.

Natürlich hat diese Liste keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit! Ergänzen ließe sich einiges. Diese Auswahl konzentriert sich außerdem auf Pflanzenarten für kleine Singvogelarten, die sich auch in unseren Gärten aufhalten (können), und die aus eigener Beobachtung heraus gut genutzt werden.
Andere Vogelarten haben natürlich ganz andere Ansprüche. Und andere Naturgartenbesitzer*innen haben sicher andere Beobachtungen gemacht als ich.

Aber es geht ja nicht um Vollständigkeit, sondern um Perspektivenwechsel 🙂 um eine andere Betrachtungsweise, die einen wieder auf neue Ideen bringt.
Ohnehin kann man nicht alles in den Garten pflanzen, was eigentlich draußen in Wald, Feld und Flur ganz selbstverständlich wachsen sollte. Man kommt um eine Auswahl nicht herum.

Und wie schon gesagt, ganz allgemein gilt:
Jede heimische Wildpflanze hilft den heimischen Arten, und damit auch den Vögeln!

Aber nun zur Artenliste!

(Über einige Arten hab ich schon mal geschrieben, sie sind dann verlinkt.)
Viel Spaß beim Stöbern! 🙂

Das Drosseljunge macht seine Sache wirklich gut: Es rührt sich kein bißchen. Hoffen wir mal, dass es, im hohen Grase gut versteckt, vor Nachbarskatzen unentdeckt bleibt…

gute Futtergehölze für Vögel

Die Beeren dieser Sträucher sind bei den Vögeln sehr beliebt.

Felsenbirne – die heimische Art heißt Amelanchior rotundifolia/ovalis.
Im Handel werden viele Zuchtformen angeboten. Oft erhält man nur die amerikanische Kupfer-Felsenbirne (Amelanchior lamarckii). Auch diese wird von Insekten und Vögeln sehr gut besucht. Die Früchte der Felsenbirne sind v. a. bei Amseln und Drosseln sehr beliebt.
Beeren essbar (Marmelade, Kompott)

Vogelbeere Sorbus aucuparia – Auch hier gibt es im Handel viele Zuchtformen. Man erkennt sie an Beinamen, die in Anführungsstrichen gesetzt sind, wie ´Autumn Spire`. Beeren auch für uns essbar.

Schwarzer Holunder Sambucus nigra – Blüten und reife Beeren auch für uns essbar.

Im Morgenlicht: Mönchsgrasmücke im Schwarzen Holunder. Schon nach wneigen Tagen war der Strauch leergepickt. Mit den Beeren verschwanden dann auch die Mönchsgrasmücken.

 

Stachelige Gehölze als gutes Versteck / Schutz

Sehr gute Nektar- und Pollenquelle im Frühjahr für Insekten, Früchte bei Vögeln sehr beliebt. Und: Dichte Hecken aus diesen Gehölzen sind gute Verstecke für Nester und Jungvögel vor Katzen, Elstern und Sperber.

Die Astgabel dieses Hasels war kein gutes Versteck für das Amselnest. Zu leicht zugänglich, zu offen. Nach dem Besuch einer Elster war es leer. Ein, vielleicht auch zwei Junge konnten sich aber retten.

Schlehe/Schwarzdorn Prunus spinosa –  ein Feld- und Waldrandgehölz, braucht sehr viel Sonne. Blüht hammermäßig! Bildet Ausläufer, nicht für kleine Gärten geeignet. Früchte essbar.

Weißdorn Crataegus laevigata oder monogyna; beide heimisch. Die getrockneten Beeren hat man früher zu Mehl zermahlen und damit Getreidemehl gestreckt. Sehr mineralstoffhaltig! Wird heute wieder neu entdeckt – wegen zunehmender Glutenunverträglichkeit und dem niedrigen Mineralgehalt von heutigem Weizenmehl.

Wilde Heckenrosen wie die Hundsrose Rosa canina oder Weinrose Rosa rubiginosa.
Nur Rosen mit ungefüllten Blüten wie die Wildrosen bieten auch Pollen und Nektar für Insekten. Die Blüten sind auch bei den tollen grünschillernden Rosenkäfern beliebt. Stehen eigentlich an allen Waldrändern und sind eigentlich Bestandteil aller Wildhecken. Sie wachsen einfach zwischen den Sträuchern und suchen sich ihren Weg ans Licht. Durch ihre Dornen bieten sie guten Schutz. Blüten und Früchte essbar.

 

Stauden für Vögel

Generell gilt: Alle heimischen Wildstauden sind gut für die Artenvielfalt und dmait auch für die Vogelwelt! Vögel finden immer dort Nahrung, wo Insekten nach Nahrung suchen oder sich verstecken. Im Winter ist es wichtig, dass die Stauden stehen bleiben und erst im Frühjahr, ggf. auch erst, wenn sie von alleine umkippen, entfernt werden. Denn dann können dort Insekten u.a. andere Kleintiere (u.a. auch Spinnen) überwintern, entweder als Ei, als Larve oder auch als erwachsene Tiere. Vögel finden an diesen Stauden also nicht nur Samen, sondern auch überwinternde Kleintiere.
Die folgende Pflanzliste ist aus eigenen Beobachtungen heraus entstanden.

Halbsonnige Standorte mit Waldcharakter (z. B. laubhumoser Boden):

Roter FingerhutDigitalis purpurea

Sonnige Standorte:

KönigskerzenVerbascum spec.; z. B. Schwarze Königskerze Verbascum nigrum

Mädesüß Filipendula ulmaria, liebt nasse/feuchte und sonnige Standorte; wächst eigentlich in Entwässerungsgräben, Feuchtwiesen, entlang von Bachläufen (wenn´s sonnig genug ist), darf aber nur selten den Winter über stehen bleiben. Vermehrt sich stark, nicht für kleine Gärten geeignet. Die Finken holen sich im Herbst die Samen.

Mädesüß

NachtkerzeOenothera spec.; verschiedene Arten. Für Nachtfalter und damit auch für Fledermäuse interessant. Die Meisen picken Samen und Kleintiere aus den „Samentütchen“. Blüten und Samen essbar.

NatternkopfEchium vulgare

Dezember 2019:
Stehen lassen lohnt sich. Dieser kleine Trupp Distelfinken sucht an den verblühten Stauden Natternkopf, Nachtkerze und Wilde Möhre nach Nahrung. Sie finden dort sicher nicht nur Samen, sondern auch kleine Insekten und Spinnen. In den „Samentütchen“ der Nachtkerze hab ich auch schon so manches kleine Käferchen oder Mini-Spinnchen entdeckt.

Nickende Distel und Eselsdistel – Carduus nutans und Onopordum acanthium; u.a. Disteln. Wie beim Wiesenbocksbart und beim Löwenzahn knipsen auch hier u. a. die Finken die Samen von den Schirmchen ab.

Wegwarte Cichorium intybus

Wilde Karde – Dipsacus follum oder sylvestris. DIE Pflanze des Distelfinks!

Purpur-SonnenhutEchinacea purpurea. An den alten Blütenköpfchen holen sich Meisen den Winter über Samen.

RainfarnTanacetum vulgare; heimisch, typische Ruderalpflanze; evtl. für Rinder sehr giftig, bitte ggf. nochmal informieren, wird aber vom Weidevieh eh verschmäht. Verbreitet sich mit Ausläufern, also nicht für kleine Beete geeignet.

Februar 2020. Die Stauden von letztem Sommer stehen bei uns immer noch, und immer noch finden Distelfinken hier Nahrung. Der Distelfink hat den Schnabel voller Rainfarnsamen.
Dieser Distelfink pickt akribisch jedes Blütenköpfchen leer.
Distelfinken ziehen den Winter über zwar als Trupp umher, aber wehe, der andere kommt zu nah!
„He! Such dir einen anderen Platz!“

 

Wiesenpflanzen

Wiesenbocksbart – Tragopogon pratensis, ein Korbblütler, bildet Samen mit Schirmchen wie der Löwenzahn, wird aber nie wie dieser eine dominante Rolle auf einer Wiese einnehmen. Die Finken knipsen die Samen von den Schirmchen ab. Was sie übrigens auch bei den Löwenzahnschirmchen machen.

Wilde MöhreDaucus carota; auch bei Insekten sehr beliebt! Nicht vor der Blüte / Samenwurf mähen. Wächst nur einmal hoch.

 

Na? Soll ich euch noch ein bißchen Sommerlust auf diese tollen Stauden machen ;-)? Sehen doch toll aus! Eine echte Win-Win-Situation – tolle Optik im Sommer wie übrigens auch im Winter – sieht gleich nicht mehr so kahl aus, wenn man sie stehen läßt – und kostenfreie VoGelfütterung inklusive!

6 Kommentare

  1. Ein einfacher Grundsatz: was Insekten anlockt, nützt auch den Vögeln. Dazu kommen die Obstbäume und Beerensträucher, die von den Vögeln oft schneller geplündert werden, als mir lieb ist. Die weit oben hängenden Früchte gehören bei mir sowieso den Vögeln, weil die Ernte zu mühsam ist. Und Hagebutten bleiben auch den Winter über am Strauch. Was man auch tun kann: sich in der eigenen Gemeinde dafür einsetzen, dass Streuobst-Wiesen erhalten und gepflegt bzw. neu gepflanzt werden, denn sie bieten wertvolle Lebensräume auch für Vögel und Insekten.

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    • Ohja, Obstbäume sind auch der reinste Lebensquell! Alles, was wir nicht ernten, verputzen Vögel, Insekten und Säugetiere. Zumindest bei uns im Garten bleibt da kaum was übrig. Vielen Dank für die wichtige Ergänzung, Annamarie! 🙂

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