abgemessen und abgesteckt

Projekt Erdkeller startet

Der Nachtfrost ist tatsächlich unserer Bitte nachgekommen und über Ostern abgereist. Zeit, unser Projekt „Erdkeller“ anzugehen bzw. anzugraben.

Hier soll er hin, unser Erdkeller. Vorher-Blick auf den zukünftigen Nordeingang.
Vorher-Blick auf den noch unberührten Nordhang: Hier soll er hin, unser Erdkeller.

Wo wir graben wollen, steht schon lange fest. An einem Ende unseres Gartens gibt es einen steileren Nordhang, an dem ohnehin kaum etwas wächst. Dank des Ratgebers „Naturkeller“* vom ökobuch-Verlag wissen wir: Die beste Ausrichtung für einen Erdkeller ist Nord-Süd mit Kellereingang im Norden – also die perfekte Lage!

Doch bevor wir den Spaten schwingen können, müssen erstmal ein paar Bezugspunkte gesetzt und klare Linien gezogen werden. Die erste Frage stellt sich: Ja, wie tief müssen sie denn? Wir rechnen also rückwärts: Den Erdkeller sollte eine etwa 1 m dicke Erdschicht bedecken. Dazu kommen Deckenstärke, Deckenwölbung, Wandhöhe und Fundament … macht insgesamt tipp… tipp… tipp: 3,50 m Tiefe.

Von der oberen Bezugsebene ziehen wir also unsere rote Messschnur zu den Zwetschgenbäumen, die unten am Hang stehen [gut, dass niemand von der Bauaufsicht sieht, wie wackelig die Leiter steht, die wir dafür erklimmen], und bestimmen mit einer Schnurwasserwaage die gedachte oberste Ebene des fertigen Erdkellers. Von dort aus messen wir dann die 3,50 m in die Tiefe…wow, unglaublich, wie man sich bei diesen Höhendifferenzen immer verschätzt!

Der erste Eckpfosten ist schnell gesetzt: Nicht zu nah am Nachbarszaun, die unteren halbstarken Zwetschgenbäume sollen stehen bleiben, der alte Spechtbaum ebenfalls – und Zack! Fast hätten wir verpasst, den ersten Spatenstich fotografisch festzuhalten! Was für ein Beinah-Fauxpas.

So, nun 2,40 m nach rechts – Eckpfosten Nr. 2.

Und 3,20 m nach hinten… aber halt! Nicht die Hanglinie entlang messen, sonst wird die Baugrube zu kurz. Also erst die 2m-Wasserwaage vom Eckpfosten Nr. 1 aus senkrecht in die Höhe halten, und dann parallel zur gedachten Ebene des zukünftigen Fundaments 3,20 m abmessen… eieiei, euklidische Geometrie in dreidimensionalen und krummen Zwetschgenhängen ist eine echte Herausforderung. Wir graben also nicht nur in der Erde, sondern auch in unserem Gedächtnis nach Formeln und Rechenwegen.

Damit wir kein Parallelogramm, sondern auch wirklich ein Rechteck erhalten, messen wir auch die Diagonalen. Die müssen gleich lang sein – aber wie lang?
Also Pythagoras heraus gekramt: a² + b² = c².
Angewendet auf unsere Messung: 2,40 m ins Quadrat plus 3,20 m ins Quadrat…???
Wo ist der Taschenrechner? Natürlich im Haus – nee, oder? – Faulheit siegt, Lösungsweg wird angepasst.
Wir überschlagen grob, messen und verschieben dann den 4. Eckpfosten so lange hin und her bis es passt.

Damit wir sehen, wo´s lang geht, haben wir die Lage der Baugrube leuchtend markiert.

So. Der Keller, der hat vier Ecken, vier Ecken hat er jetzt 🙂 dumdium.

Irgendwo in den Tiefen des Gartenschuppens finden wir eine Baum-Markierungsdose. Und Signalorange erleuchten die Linien unseres Meisterwerks den grauen Himmel und konkurrieren mit den Ostereiern der Nachbarn.

Voila. Ab morgen wird gegraben!

 


* unser Buchtipp an dieser Stelle:
Claudia Lorenz-Ladener (2014): Naturkeller. Neubau und Umbau von Räumen zur Frischlagerung von Obst und Gemüse. ökobuch Verlag, Staufen bei Freiburg, 14. Aufl.

Die Idee dahinter? Hier: GRUNDidee Erdkeller.
alle Beiträge zum Erdkeller: voila.

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2 Kommentare

    • Stimmt :-)! Wenn man so ein Gerät zur Verfügung hat, ist das sehr hilfreich. Da die Maße unseres Erdkellers nur 2 x 2,60 m betragen, reicht für die Bestimmung der Ebene grad noch die 2m-lange Wasserwaage und das 20m-Maßband. Wir hätten auch nicht gedacht, dass es so schwierig ist, ein Rechteck mit rechten Winkeln zu bestimmen. Da sieht man mal wieder: Theorie und Praxis 😉 zwei Paar Stiefel!

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