Plintslicho, der beinlose Schneckenschreck

Reptil des Jahres 2017

Wie jedes Jahr um diese Zeit geben verschiedene Organisationen die Tiere und Pflanzen des nächsten Jahres bekannt. So auch die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), die seit 2006 im Wechsel ein Amphib oder Reptil des Jahres ernennt. Nach dem Feuersalamander in diesem Jahr, ist für das Jahr 2017 also wieder ein Reptil an der Reihe.

Darf ich vorstellen?

Plintslicho , der beinlose Schneckenschreck

Klingt schön, oder ;-)? Wie der Name eines kleinen Monsters aus einem Kinderbuch.

 

Plintslicho

Blindschleiche, Anguis fragilis fotografiert und freundlicherweise zur Verfügung gestellt von © Dr. Axel Kwet, Vizepräsident der DGHT.
Blindschleiche, Anguis fragilis fotografiert und freundlicherweise zur Verfügung gestellt von © Dr. Axel Kwet, Vizepräsident der DGHT.

…heißt soviel wie „blendender Schleicher“. Der Name aus dem Mittelalter beschreibt das Aussehen (glänzende bleifarbene Schuppen) und die schleichende Bewegung des Tieres. Und im Laufe der Zeit wurde daraus der heutige Name:
Blindschleiche.

 

Beinlos

… ist sie, und das stiftet Verwirrung. Denn sie wird oft für eine Schlange gehalten. Sogar in ihrem lateinischen Namen (Anguis = Schlange) versteckt sich dieser Fehler. Doch die Blindschleiche ist eine beinlose Eidechse: Wie diese hat sie bewegliche Augenlider (haben Schlangen nicht) und wie diese kann sie bei Gefahr ihren Schwanz abwerfen. Das rettet ihr zumindest einmal das Leben. Feinde hat sie genug: Störche, Krähen und Greifvögel, Igel, Marder und Dachs, Erdkröten, Schlingnattern und Hauskatzen.

Und noch ein Irrtum: Die Blindschleiche ist nicht blind, auch wenn sie ihre Umgebung nur in Graustufen wahrnimmt.

Ihr Schlängeln ist nicht ganz so elegant wie das der Schlangen. Der Grund hierfür sind kleine starre Knochenplättchen unter ihrem Schuppenkleid. Dadurch fühlt sich eine Blindschleiche auch „hart“ an, weswegen sie vor wenigen hundert Jahren auch „Hartwurm“ genannt wurde. Schon wieder ein Irrtum, denn Würmer haben weder Schuppen noch Knochen.

Wer eine Blindschleiche entdeckt, hat Glück. Denn die Tiere führen ein Leben im Verborgenen. Meistens sieht man sie eher in einer traurigen Situation: überfahren auf kleinen Straßen oder Feldwegen, die sie aufgesucht haben, um sich zu wärmen..

 

Und warum Schneckenschreck?

Weil Blindschleichen (neben Regenwürmern, Insekten, Spinnen und Asseln) besonders gerne Nacktschnecken fressen. Also ein sehr nützlicher „Gartenhelfer“!

Blindschleichen können in jedem Garten wohnen, auch in Wohnsiedlungen oder Städten – vorausgesetzt, es gibt Sonnenplätze und Versteckmöglichkeiten. Und genau letzteres ist meist der springende oder besser gesagt fehlende Punkt. Da gilt es nämlich, mal ein bisschen „Nichts tun“ auszuhalten: Ecken schaffen, in denen nicht ständig herum gekruschtelt und „Ordnung gemacht“ wird. Also „wilde Ecken“.

Unter dem Stein haben wir schon zweimal eine kleine Blindschleiche entdeckt, inmitten von wuselnden Ameisen.
Unter dem Stein haben wir schon zweimal eine kleine Blindschleiche entdeckt, inmitten von wuselnden Ameisen.

Es gibt unterschiedliche Elemente und Strukturen, die bei Blindschleichen gut ankommen:

* Totholz, Rindenstücke, Baumstubben
* größere Steine
* Laub unter den Büschen liegen lassen
* Altgrasbestände schaffen, also Gras wachsen und bis in den Winter hinein stehen lassen
* Haufen verschiedener Arten: Steinhaufen, Asthaufen, Grashaufen, Komposthaufen
* und: Kein Einsatz von Tier- und Pflanzengiften.

Das tolle ist: Blindschleichen sind nicht territorial; das heißt, auch in einem kleinen Garten können mehrere Individuen friedlich nebeneinander leben und fleißig Nacktschnecken jagen 🙂 Und wenn eine Blindschleiche einmal in deinem Garten angekommen ist, dann bleibt sie auch. Sie sind nämlich recht wanderungsunlustig. Man hat beobachtet, dass ihre Aktionsräume, also der Bereich, in dem sich einzelne Tiere über längere Zeiträume bewegen und aufhalten, nur selten größer sind als 400 bis 500 m². Wahrscheinlich sind nur die Jungtier über größere Strecken unterwegs auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Es war einfach viel zu umständlich, diese beiden Baumstubben zu "entsorgen", und so wurde daraus kurzerhand unser "Wurzelgarten". Wohl perfekt für Blindschleichen.
Es war einfach viel zu umständlich, diese beiden Baumstubben zu „entsorgen“, und so wurde daraus kurzerhand unser „Wurzelgarten“. Wohl perfekt für Blindschleichen.

Zurzeit halten Blindschleichen Winterruhe, gut verborgen in den frostfreien Tiefen von Erdlöchern, Wurzelhöhlen oder verlassenen Bauten von Kleinsäugern. Erst ab Ende März, zusammen mit milder Frühlingswitterung, tauchen die ersten Tiere wieder an der Oberfläche auf.

Garten im Novembermorgenlicht. Das Altgras ist Versteck, Jagd-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiet für alle möglichen Tiere.
Garten im Novembermorgenlicht. Das Altgras ist Versteck, Jagd-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiet für alle möglichen Tiere.

Also genügend Zeit, ihnen ein paar Plätze einzurichten. Vielleicht kommen ja ein paar wanderfreudige Jungtiere bei dir vorbei, lassen sich nieder und jagen demnächst auch in deinem Garten Nachtschnecken 🙂

 

So schön kann Altgras sein - im Morgenreif eines Novembermorgens. Und auch im Winter lebendiger als jeder kurzgeschorene Rasen...
So schön kann Altgras sein – im Morgenreif eines Novembermorgens. Und auch im Winter lebendiger als jeder kurzgeschorene Rasen…

 

P.S.: Blindschleichen legen übrigens keine Eier, sie sind lebendgebärend!

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6 Kommentare

  1. Das sieht ja wunderschön aus bei dir. Die „Komposition“ mit den Baumstubben gefällt mir besonders gut. In meiner Kindheit gab es in einem Wald eine Stelle, die mein absoluter Lieblingsort war: ein umgefallener Baum, auf dem Fingerhüte wuchsen. soo schön 🙂 Dein Bild erinnert mich daran !! – Hast du denn Blindschleichen im Garten ? Ich kann mich kaum erinnern, wann ich letztes Mal eine gesehen habe. Und das sie gar keine Schlangen sind, wußte ich auch nicht. Vielen Dank für den schönen und informativen Beitrag 🙂 Und ein schönes WE ! Liebe Grüße, Almuth

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    • Hallo Almuth!
      Danke 🙂
      wow, ein umgefallener Baum mit Fingerhüten darauf, das stell ich mir toll vor. Versteh ich sofort, dass das zu einem Lieblingsort werden kann!
      Ja, wir haben schon drei Mal unter einem Stein eine Blindschleiche entdeckt. Also mindestens eine, wenn nicht sogar zwei wohnen bei uns.
      Dir auch ein schönes WE! Oder vielleicht besser einen schönen Sonntag noch 🙂
      Liebe Grüße zurück, auf den Marienkäferbalkon
      🙂

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      • Super, dann seid ihr ja reich an Blindschleichen 🙂 Toll, wenn die sich in eurem Naturgarten so wohl fühlen !! Dann machst du ja offensichtlich einiges richtig. Dir auch noch einen schönen Restsonntag 🙂 Es ist übrigens Almuth – mit H 🙂

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      • Oh! Entschuldige! Almuth mit h – das war der Eile geschuldet, denn ich hatte mir das eigentlich schon so gemerkt. 🙂 ich bessere das gleich aus!

        Dass wir gleich so viele Elemente im Garten haben, die Blindschleichen gut finden, wurde mir auch erst klar, als ich das Infomaterial der DGHT durchgelesen habe. Das ist alles eher zufällig und ohne großen Plan entstanden. Abe rumso mehr freut es mich 🙂
        Liebe Grüße auf den Balkon!

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      • Das ist doch toll, daß es sich so entwickelt hat und der unordentliche Garten zum Wohlfühlen von Blindschleiche und Piepmätzen beiträgt 🙂 Das freut mich für dich !! Liebe Grüße in den frostigen Garten – und was sagt das Thermometer im Erdkeller ???

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  2. 🙂 das Thermometer im Erdkeller stand bei den milden Tagen auf 7 Grad. Jetzt ist es wieder gefallen auf um die 6 Grad. Ein Erdkellerupdate ist überfällig 😉 kam die letzten Tage nicht dazu, hole ich aber noch diese Woche nach 🙂
    Liebe Grüße aus dem Frost!

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