Ein Umzug, ein Geschenk und seine Folgen

Alles fing damit an, dass wir bei einem Umzug halfen und ein paar tolle alte Balken geschenkt bekamen. „Was wollt ihr denn damit machen?“ „Keine Ahnung, uns fällt schon was ein!“ Begeistert wuppten wir sie auf´s Landy-Dach und daheim unter´s Carport. Dort lagen sie dann eine Weile, beeindruckend und altersweise wirkten sie. Was sie wohl erzählen könnten? Sie stammten von einem alten Bauernhaus, das abgerissen wurde, und sind mindestens 200 Jahre alt. Die Bäume, aus deren Holz sie gemacht wurden, müssen sehr mächtig gewesen sein. Solche Bäume stehen heute kaum noch in unseren Wäldern.

Es dauerte nicht lang, da kamen die Ideen. Und nachdem alle Balken im Haus ihren Platz gefunden hatten und verbaut waren, war klar: Wir wollen noch mehr alte Balken! „Und was wollt ihr mit denen dann machen?“ „Keine Ahnung! Uns fällt schon was ein!“

So, ihr Balken. Ihr seid zwar alt, aber noch nicht vom alten Eisen. Bisher habt ihr ein Dach gehalten, nun bekommt ihr eine neue Aufgabe, an der frischen Luft.

Bei Kleinanzeigen eines namhaften Anbieters wurden wir schnell fündig: In der Stadt wurde ein altes Haus saniert und der Dachstuhl erneuert. Die Balken des alten Dachstuhls, an die 100 Jahre alt und noch top in Ordnung, konnten kostenlos abgeholt werden. Nichts wie hin! Und einen wahren Schatz bergen!

An dieser Stelle möchte ich allen Freizeitholzwerklern empfehlen: Sucht euch solches Material! Ökologischer und nachhaltiger geht´s nicht, Wald- und Klimaschutz pur. Upcycling von Holz mit Top Qualität, das ohnehin schon da ist, das entsorgt werden würde. Das nicht erst noch gefällt werden muss, um in Regalen von Baumärkten zu landen. Holz mit Geschichte und Patina, Holz mit Charakter.

Wir wurden über die erwähnten Kleinanzeigen fündig, haben aber auch schon direkt bei Leuten nachgefragt, die einen alten Dachstuhl oder einen alten Holzschuppen abgerissen haben. Bei uns im Ort gibt es auch eine Zimmerei  – Wahnsinn, was da an „Abfallholz“ anfällt! Holz von Abrissen, top in Ordnung, und neues Holz, Verschnittstücke, die aber noch so riesig sind, dass man daraus locker ganze Gartenhütten oder auch Sandkästen, Hasenställe, Gartentore, Bänke und was weiß ich alles noch bauen kann. Was dort als unbrauchbar entsorgt wird, würde ganze Baumärkte füllen! Wir leben in einer so unfassbaren Wegwerfgesellschaft, dass es schmerzt.

Die 100-jährigen Balken des alten Stadthauses jedenfalls schützen jetzt zartes, junges Gemüse vor Schneckenarmeen. Aber seht selbst!

Quasi wie beim Blockhüttenbau werden die Balkenenden mit Beitel und Hammer bearbeitet und anschließend zusammengesteckt. Eckblatt nennt sich diese Holz-Holz-Verbindung im Fachjargon.
… und schon ist´s stabil! Das sitzt, wackelt und hat Luft.

 

Unter die Balken legen wir eine Reihe Ziegel, damit die Balken nicht direkt in der Lehmerde liegen. Mal sehen, ob das alles so funktioniert und klappt, wie wir uns das vorstellen. Wir haben ja wiedermal einfach drauf los gebaut, ohne vorher groß zu recherchieren. Wer nicht probiert, der nicht gewinnt!

Dann begann die eigentliche Arbeit: die Wiese urbar machen. Was für ein altertümlicher Begriff! Während ich mit der Grabgabel im wahrsten Wortsinne ackerte, dachte ich an Vorfahren, die ich nie kennengelernt habe, die auf diese Weise ganze Landstriche in Ackerland umgewandelt haben. Nur durch ihren Fleiss und ihre körperliche Arbeit konnten sie überleben, und nur deswegen gibt es mich heute überhaupt. Mit jedem Grabgabelstich wuchsen nicht nur meine Muskelschmerzen, sondern auch mein Respekt vor ihnen.

Krümel krümel krümel und gefühlt hunderttausend Regenwürmer. Man hätte die Grasnarben auch einfach raus und neue Erde reinkippen können. Aber was hätten wir dann mit all diesen dicken erdschweren Grasnarben tun sollen? Diese Erde ist gut, warum sie also nicht nutzen?
Wenn das nicht erdet, weiß ich auch nicht! Gartenarbeit soll ja gut für´s seelische Gleichgewicht sein. Erdyoga sozusagen. Wer nachts nicht schlafen kann, dem empfehle ich hiermit: Gemüsebeete umgraben! Das ist Ganzkörpertraining an frischer Luft, da braucht man kein Fitnessstudio mehr!

So, das war der Stand von Ende September 2017. Wie die Zeit verfliegt… Schon längst hätte ich davon berichten wollen, aber gut, es klappt halt nicht immer alles so wie man will. Leider funktioniert auch das Zeitrezept nicht, das man Napoleon und vermutlich auch noch anderen großen Leuten der Geschichte zuschreibt:

Der Tag hat 24 Stunden.
Wenn Ihnen das nicht reicht, dann nehmen Sie noch die Nacht dazu.

Aber ich arbeite mich vor 🙂 Fortsetzung folgt!

 

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11 Kommentare

  1. Das finde ich klasse!!! Bei uns wird grad die Scheune renoviert, da dachten wir auch gleich an solche Sachen aber das Holz stinkt leider nach Kuhstall, nicht mal verbrennen konnten wirs. Danke für den Tip mit der Zimmerei, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen!

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  2. Das Baugerüst von unserem Haus liegt seit über 70 Jahren unbehandelt im Schuppen. Das ist dreimal so schwer wie normales Holz, und wenn man mit dem Hobel drüber fährt, ist es wieder wie neu. Aus einem Teil davon habe ich neulich eine Treppe gebastelt. Diese Freude an altem Holz kommt mir irgendwie bekannt vor.

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  3. Altes Holz ist was tolles und euer Kasten ist superschön geworden! Ja, da kriegt man Lust was draus zu machen und möchte am liebsten sofort zum Tischler „mutieren“, hihi. Das mit den Eckblättern habt ihr toll hinbekommen. Einfach ist das nicht, oder? Aber ihr seid ja begabt!! Du hast absolut Recht, daß solche Materialien zu schade sind, um weggeworfen zu werden. Hier in der Stadt gibts eine Bauteilbörse, wo solche Sachen gehandelt oder auch vermietet werden. Ich wäre jedenfalls auch ganz begeistert von solchen Balken 🙂

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    • Eine Bauteilbörse! Das ist ja großartig! Sowas müßte man hier auch ins Leben rufen. Ach ja, und da stoße ich wieder an die Grenze „Zeit“… wie man sich nur langweilen kann, versteh ich überhaupt nicht. Es gibt so viel coole Sachen, die man tun könnte!
      Jedenfalls: Das mit den Eckblättern hat mein Mann gemacht, er ist der Holzwerkler unter uns. Mit ein bißchen Übung und Geschick bekommt man das aber wohl ganz gut hin! Das sah dann gar nicht mehr so schwer aus… aber wie gesagt, ich hab´s nicht selber ausprobiert.

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      • Das ist schon eine tolle Sache und ich denke man braucht Geschick, um das passend zu machen. Toll sowas! Schöne Grüße an den Mann 🙂 – Ich hatte nicht mehr weiter geschaut, aber es soll solche Börsen inzwischen Deutschlandweit geben. Keine Ahnung, ob es sowas in deiner Reichweite gibt?!

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      • Danke, ich werd´s weitergeben!
        Nach diesem Börsentyp muß ich unbedingt mal schauen! In Nürnberg gibt´s verschiedene Repair Cafés udn alles mögliche im Kontext mit Kleidung. Aber Bauteilbörse hab ich noch nie gehört. Total genial!

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      • Danke für den Link! Über ein paar Umwegen hab ich einige dieser Bauteilbörsen auch schon entdeckt. In München gibt´s wohl auch eine. Total spannend! Vielen Dank für den Hinweis! Das muß ich mal im Blick behalten. Sowas hier zu gründen (nennt man das so?) wäre ja echt genial! eieieiei… die Zeit, die Zeit…

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      • Lach. Teil dich doch. Zellteilung 😉 10 Sabines schaffen mehr als eine, haha! – Ich finde es auch spannend. Die hier hat sich wohl noch ausgedehnt auf Vermietung und Verleihung von Gegenständen und man bekommt Kleinteile. Ach ja, ich denke, es gibt schon immer mehr Menschen, die Sachen nicht mehr nur entsorgen wollen. Diese Repaircafés finde ich auch toll. Ich glaube, es gibt hier eins, aber ich habs noch nicht ausprobiert.

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