Erwischt! Der flitzende Wollschweber

Von wegen Schweber! „Wollflitzer“ wäre der viel passendere Name. Tagelang rannte, ober besser: schlich ich mit der Kamera hinter diesem kleinen Wollschweber her. In Zeitlupentempo, möglichst ohne einen Luftzug zu verursachen, den eigenen Schatten beachtend… Ein sehr misstrauisches Kerlchen! Aber kein Wunder, hüpfen doch den ganzen Tag über ein Trupp Spatzen und mehrere Amseln durch unseren Garten, die jede Unachtsamkeit sofort ausnutzen würden, um zuzuschnappen. Und zack! ist man weg. Diesen Fehler kann wollschweber nur einmal machen.

Also lieber Obacht! Und ich mit der Kamera hinterher…

Mit der Zeit verstand ich aber sein Hin und Her immer besser und zack! jetzt hatte ich ihn erwischt! klickklickklick! Fünf Bilder konnte ich machen, dann machte er so einen weiten Abflug, dass ich aus meiner schräg liegenden halb verrenkten Position nicht schnell genug rauskam, um ihn weiter zu verfolgen.

Hab ich dich endlich! Nun muss nur noch eins der Bilder halbwegs scharf sein… Jihuu! Zwei Bilder sind brauchbar!

Während meiner Verfolgungsjagd hab ich den Wollschweber von Vergissmeinnicht zu Wiesenschaumkraut zu Löwenzahn und zum Gundermann begleitet, also so ziemlich allem, was momentan bei uns auf der Wiese blüht. Er scheint wirklich überall seinen langen Rüssel hineinzustecken. Da wundert es mich nicht mehr, dass die Wollschweber als wichtige Bestäuber gelten.

Wenn ich so einen kleinen Wollschweber sehe, freue ich mich immer sehr. Ich finde, diese Kerlchen sehen einfach total witzig aus! Wie Miniaturwollknäuelkolibris mit sehr langem Rüssel! Wobei es unter den Wollschwebern auch einige Arten gibt, die ganz anders aussehen und unverwechselbar die Verwandtschaft des Wollschwebers erkennen lassen:
Familie der Fliegen (Brachycera).

Wildbienenliebhaber und Wildbienenhotelbesitzer werden ihn vermutlich weniger lieben. Die Larven der Wollschweber leben als Parasitoide. Das heißt sie leben parasitisch, und viele von ihnen parastieren bei solitären Wildbienen, unter anderem bei der Mauerbiene. Aber auch Schmetterlingsraupen, Eigelege von und die Larven der Grabwespen, deren Larven sich ebenfalls von anderen Insekten oder Spinnen ernähren, dienen als Nahrung.

Hier bringen nicht nur solitär lebende Wildbienen ihre Nachkommen unter, auch der ein oder andere Wollschweber könnte hier aufwachsen…

Und welchen Wollschweber habe ich da nun erwischt? Zuerst schien die Bestimmung ganz einfach. Klar, der Große Wollschweber, Bombylius major! Aber dann erkannte ich, dass „meinem“ Wollschweber dafür die schwarzen Flügelränder fehlen. Also weitersuchen…

Auf der Seite des Büro für Freilandökologie von Dr. Jürgen Esser lese ich, dass es in Deutschland 40 Arten Wollschweber gibt. Ok, einige kann man optisch sofort ausschließen. Aber ob der kleine, den ich da mit meiner Kamera verfolgt habe, nun der Schwarzborsten-Wollschweber oder Bombylius vulpinus oder doch der Kleine Wollschweber (Systoechus ctenopterus) ist, das kann ich auf meinen Fotos nicht erkennen. Schade eigentlich, dass ich ihn nicht wenigstens auf die Gattung Bombylius festlegen kann.

Aber letzten Endes ist es dem kleinen Wollschweber sicher ziemlich egal, wie ich ihn benenne. Für ihn ist entscheidend, dass er den lieben langen Tag lang mit seinem langen Strohhalmrüssel Nektar aus den verschiedensten Blüten trinken kann. Dass ihn dabei kein Spatz erwischt, dass er nicht in einer Pestizidwolke landet, die ihm den Garaus macht. Und vermutlich hat er oder sie (?) irgendwann den Drang, für Nachkommen zu sorgen. Leben eben.

Lassen wir ihn also leben. Geben wir ihm Lebensraum.

 


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8 Kommentare

  1. Wollschweber zu sichten, ob im Garten oder anderswo, interpretiere ich immer positiv, als Anzeiger dafür, dass genug der Wirtsinsekten für seine parasitische Lebensform vorhanden sein müssen, ob ich sie persönlich schon entdeckt habe, oder nicht – der Kleine weiss Bescheid und das ist das Wichtigste. Seine Anzahl ist immer geringer, also sind die anderen in der Überzahl und werden in ihrer Gesamtheit die Vorteilsnahme der niedlichen kleinen Schmarotzer besser verkraften, als beide Arten miteinander den Verlust an Lebensraum.

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    • ein herzliches Hallo 🙂 und danke, gerne!
      Oh wie schön! Die Blaue Holzbiene! Die ist auch großartig. Auf die warte ich hier noch. Im Urlaub jetzt haben wir sie überraschend häufig gesehen.

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      • Wow, du hast deine Gartentüre geöffnet? Das ist ja toll! Ja, stimmt, dieses Sehnen nehme ich auch wahr. Hoffentlich gibt das die wende auch im Handeln, die wir dringend brauchen… Liebe Grüße zurück! 🙂

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