Entdeckt! Die Wespenspinne

Wow! In unserer Wiese leben Wespenspinnen!

Eine weibliche Wespenspinne, Argiope bruennichi, in ihrem Netz, das gleich verrät, zu welcher Spinnenverwandtschaft sie gehört: Familie der Radnetzspinnen.

Das ist mal eine Auszeichnung der besonderen Art, denn das heißt, sie finden hier genug zu fressen und unsere ehemals fette Wiese ist mittlerweile etwas lückiger geworden. Denn genau dort spannen Wespenspinnen ihr Netz auf: „stets in Bodennähe, gern zwischen Gräser oder lückig stehenden krautigen Pflanzen“, heißt es im Spinnen-Kosmos*. Wobei sie sich wohl auch im dichteren Gras zu helfen wissen. Mit ein paar Fäden ziehen sie Grashalme zu Büscheln zusammen und schaffen sich so Platz. Auf jeden Fall brauchen sie den Sommer über stetig hohes Gras.

Vor wenigen Jahren entdeckte ich schon mal eine Wespenspinne bei uns im Garten. Aber dann sah ich keine mehr, und dachte, die Art wäre wieder verschwunden. Vielleicht habe ich sie aber auch einfach übersehen? Wer weiß! Wir stapfen ja möglichst nicht durch´s hohe Gras… Irgendwie ist es schon ungewöhnlich, sie überhaupt bei uns im Garten zu finden. Wie kommt sie hierher? Rundherum wird gemäht und gemäht und gemäht….

Als wärmeliebende Art kommt sie normalerweise im Mittelmeerraum vor. Entsprechend lebte sie bisher bei uns auch nur in besonderen, etwas wärmeren Regionen, wie beim Kaiserstuhl zum Beispiel. Aber sie scheint sich wohl auszubreiten – eine Folge der steigenden Temperaturen?

Die Bauchseite ist nicht weniger bunt gefärbt.

Man merkt, dass der Spinnen-Kosmos von echten Spinnenliebhabern geschrieben wurde. Hier ist von „dieser schönen Art“ die Rede, dessen „Weibchen ausgesprochen prächtig gefärbt“ sind. So ganz unrecht hat er ja nicht, das ist schon eine außergewöhnliche Zeichnung für eine Spinne! Ihr Name erklärt sich da wie von selbst.
Die Wespenspinnen erfüllen übrigens jedes Spinnenklischee: Die Weibchen (Fotos) sind nicht nur größer (14-20 mm) und auffälliger gefärbt als die kleineren Männchen (nur 4-6 mm), sie fressen die Männchen auch nach der Paarung auf, wenn sie ihnen nicht entwischen…

Hui! Und jetzt mache ich noch eine spannende Entdeckung! Anfang des Jahres fand ich neben unserer Terrasse einen ballonförmigen Kokon (ca. 2 cm im Durchmesser), den ich niemandem zuordnen konnte. Er hing mitten in einem dicken Grasbuschel drin, der so dicht war, dass der Kokon sehr gut vor Regen geschützt war. Und jetzt sehe ich: Das war ein Wespenspinnenkokon! Also müssen die Spinnen auch mindestens im letzten Jahr (von uns völlig unbemerkt) bei uns im Garten gelebt haben. Sonst hätte es diesen Kokon nicht gegeben.

Gut versteckt und gut getarnt im dichten Grasbuschel kann man auf diesem Foto den Wespenspinnenkokon nur erahnen.

Spinnen bauen einen Kokon, um ihre Eier darin zu schützen. Die Wespenspinne beginnt damit ab Ende August/Anfang September und baut mehrere Kokons. Für jeden braucht sie laut Spinnen-Kosmos etwa fünf Stunden, bis er fertig ist.

In diesen Kokons überwintert der Nachwuchs der Wespenspinnen, während die erwachsenen Spinnen durch die ersten Fröste im Spätherbst sterben.

Übrigens: Spinnen fressen zwar Insekten, aber es gibt auch Insekten, die Spinnen fressen. Schlupfwespen picken die Kokons an und legen ihr Ei rein. Die Larve der Schlupfwespe ernährt sich dann von dem Eipaket. Aus diesen angepickten Kokons schlüpfen dann im darauffolgenden Jahr keine Fressfeinde der Insekten, sondern neue Fressfeinde der Spinnen…


* Heiko Bellmann: Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. 2001, Stuttgart.

6 Kommentare

    • Ach, du kennst die Spinne aus deiner Kindheit? Mmh, da muß ich mal nachdenken, ob ich sie auch schon als Kind kannte…ich glaube, ich hab sie tatsächlich erst auf einer Studienexkursion an den Kaiserstuhl kennengelernt…
      ist ja toll! 🙂

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      • Ich kann mich an diese ganz besonderen Netze erinnern und an diese herrlichen gelb-schwarzen Spinnen, wenn man über die Wiesen streifte. Aber – leider lange nicht mehr gesehen, das Gras lässt man leider nicht mehr so hoch und lange stehen.

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  1. Hallo, bei mir im Garten wohnen zwei Wespenspinnen. Eine, die schon nach der Größe zu beurteilen, ausgewachsene, weibliche Spinne, beobachte ich schon seid ein paar Wochen. Sie lebt im Katzengras und fühlt sich dort anscheinend sehr wohl. Die andere, etwas kleinere, weibliche Spinne, habe ich heute im Lavendel entdeckt. Für mich als nicht Spinnenfreund ein etwas befremdlicher Anblick. Mal abwarten ob sie nächstes Jahr auch wieder da sind.

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    • Oho! Bei dir auch? Ja, stimmt, gewöhnungsbedürftig sind sie auf jeden Fall, wenn sie so auffallend schwarz-gelb-gestreift zwischen den Grashalmen in ihren Netzen hängen, auch für mich als Biologin ;-).
      Aber wenn man sie ein bißchen beobachtet, dann steigt die Faszination und es wird besser! Eine unserer Wespenspinnen hat zum Beispiel heute morgen ein total frisches nigelnagelneues Netz gebaut. Irre, wie gleichmäßig gewoben das ist! Mit kleinen Tautropfen drauf, und in der Mitte saß sie. Wie aus einem Lehrbuch. Oder wie die dicke Thekla bei Biene Maja 😉
      Die Tiere, die du jetzt im Garten hast, sterben ja in den ersten Frostnächten. Du darfst also sehr gespannt sein, ob nächstes Jahr neue Tiere bei dir wieder auftauchen!
      Viel Spaß beim Beobachten!

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