Vögel füttern – ja oder nein?

Buntspecht als Stammgast am Vogelhaus.
Buntspecht als Stammgast am Vogelhaus.

Über das Füttern von Vögeln im Winter scheiden sich die Fachweltgeister.
Viele Naturschützer und deren Verbände lehnen die Vogelfütterung ab. Sie sehen in ihr einen künstlichen Eingriff in die Natur statt einen Mehrwert für den Naturschutz. Denn es profitierten vor allem „Allerweltsarten“ wie Kohlmeise, Amsel und Grünfink, ja oft sogar ungewollt Stadttauben, Ratten oder Eichhörnchen. Nicht aber seltene Arten oder Zugvögel, die es dringend bräuchten. Nur aus pädagogischen Gründen unterstützen sie die Fütterung zähne- bzw. schnabelknirschend.

Ein künstlicher Eingriff? Hat der Mensch nicht längst in die Natur und die evolutive Auslese eingegriffen und die wichtigste Nahrungsquelle im Winter, samentragende Wildkräuter, weitestgehend aus der Landschaft entfernt?

Reges Treiben bei der Fütterung im Herbst.
Reges Treiben bei der Fütterung im Herbst.

So sieht es jedenfalls der Ornithologe Peter Berthold, ehemaliger Leiter der Vogelwarte Radolfzell. Für ihn ist das Füttern von Vögeln ein fairer Ausgleich dafür, dass die Vögel in ausgeräumten Landschaften zu wenig finden. Selbst ein 500 qm großer Wildkräutergarten bringe nur 5 kg Sämereien im Jahr und das mache gerade mal drei Grünfinkenpaare satt. Er empfiehlt, auch bei milder Witterung, ja sogar das ganze Jahr über zu füttern!
Denn dadurch, so Herr Berthold, wird die Futterstelle unter den Piepmätzen erst so richtig bekannt – das wird sie nämlich nicht, wenn sie nur bei Schnee oder Minusgraden gefüllt ist. Und so finden sich neben den „Allerweltsarten“ auch viele andere ein. Ist das Vogelrestaurant über die Wintermonate hinaus geöffnet, bekommen auch Zugvögel ihre Portionen ab.
(aus einem Interview mit Peter Berthold in DIE WELT, Januar 2010; entdeckt 2015)

Und tatsächlich: Meine Erfahrungen bestätigen das. Denn ohne es gewusst zu haben, folge ich seit ein paar Jahren Peter Bertholds Vorstellungen der Vogelfütterung – und mache damit aus Sicht mancher Naturschützer vieles falsch:

Goldammern - gelbe Farbtupfer im Winter.
Goldammern – gelbe Farbtupfer im Winter.

Mein Vogelhäuschen ist riesig (25 x 40 cm), mit großen Öffnungen nach allen Seiten. Dadurch gehören auch Bunt- und Grünspechte zu den Gästen. Oft drängeln sich an die 20 Vögelchen darin, und dennoch war es noch nie im Inneren verschmutzt. Das Futterangebot steht von Anfang Herbst bis ins Frühjahr hinein.
Die Artenliste der Besucher ist lang: Goldammern, Wacholderdrosseln, Kleiber, Kernbeißer, Berg-, Buch- und Distelfinken, Stare, Mönchsgrasmücken, Hauben-, Sumpf- und Schwanzmeisen, um nur einige zu nennen.

Seltener Besuch am Vogelhaus: ein Kernbeißer.
Seltener Besuch am Vogelhaus: ein Kernbeißer.

Die „Stammgäste“ verraten den anderen: Hier ist was zu holen! Sonst würden die Durchreisenden das Vogelhäuschen vielleicht gar nicht erst entdecken. Das ist wie in der Fußgängerzone: Dort, wo sich viele Leute aufhalten, muss es ja was Interessantes geben – also geht man auch mal kucken!

Klar, erscheinen die besonderen Vogelgäste nicht täglich, aber sie kommen immer wieder 🙂 was mich jedes Mal sehr freut.
Probier es aus!

P.S.:
Mein Buchtipp zum Thema:
„Das 1×1 der Vogelfütterung“ von Michael Lohmann, BLV Buchverlag GmbH & Co., 2. neubearbeitete Aufl, 2012.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen informativen und ermutigenden Beitrag und den Buchtipp! Obwohl ich innenstadtnah füttere, kann ich nicht erkennen, das wir hier auf einmal eine Überpopulation an Tauben oder Elstern haben. (Was müssen das für schlimme Wesen sein, dass die Menschen sich so vor ihnen fürchten!) Ich bin durchaus bereit, das Risiko zukünftiger Stieglitzplagen einzugehen. 😉

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  2. Gerne, freue mich, wenn ich dich zum Vögelfüttern ermutigen kann 🙂 hab bei dir schon gelesen, dass du dich streng an die Empfehlungen des NABU hältst, die sicher auch ihre Berechtigung haben. (wollte dir da ja eigentlich meinen Beitrag verlinken, hab dann aber bei dem Beitrag keine Kommentarfunktion gefunden…?)
    Es kommt halt einfach darauf an, wo und was und wie man füttert. Und was in meinem Garten funktioniert, kann zum Beispiel bei dir im Stadtgebiet ganz anders laufen (Stichwort Tauben: Uns besucht nur im Sommer ab und zu ein Ringeltaubenpärchen aus dem nahen Wald.).
    Wenn man seinen Futterort gut beobachtet, dann kann man ja auch situativ schnell eingreifen und seine Fütterung den Umständen entsprechend anpassen und verändern. Es ist eben nie alles nur schwarz oder weiß 🙂 auch beim Füttern der Vögel nicht. Probier ruhig ein bißchen aus! Die Anzahl und Arten der Vögel, die kommen, sagt dir dann schon, ob´s paßt :-). Man bekommt da dann ein ganz gutes Gefühl.
    Schon jeder Tag ist nicht gleich. Bei milden Temperaturen zum Beispiel läßt sich kaum einer bei uns im Garten blicken.

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