Hausmutter, Admiral & Messingeule: Die Schönen und das Biest

zum Tag des Artenschutzes am 3. März

Einer der Schönen ist der Admiral. Er frisst als Raupe am "Biest", der Brennessel.
Einer der Schönen ist der Admiral. Er frisst als Raupe am „Biest“, der Brennessel.

Die Brennessel taucht vermutlich nur sehr selten in Listen von Lieblingspflanzen auf. Sie ist eine, mit der kaum jemand gern Kontakt hat. Vor allem die jungen Pflänzchen brennen hartnäckig. Noch Tage, nachdem man sie bei der Gartenarbeit aus Versehen zwischen die Finger bekam, wird man an sie erinnert.

Warum also sollte ich der Brennessel hier einen Beitrag widmen? Denn:
JA! Sie macht ihrem Namen alle Ehre und BRENNT!
JA! Ihre Ausläufer nerven.
Und JA! Sie ist noch nicht mal hübsch und alles andere als ein Gartenzierde.

Doch anlässlich des nahenden Tag des Artenschutzes setze ich auf Eure Toleranz,
liebe Leserinnen und Leser, und schreibe…

Ein Plädoyer für die Brennessel

C-Falters Raupen sind nicht ganz so wählerisch, fressen aber auch Brennesselblätter.
C-Falters Raupen sind nicht ganz so wählerisch, fressen aber auch Brennesselblätter.

Denn sie bringt wunderbares hervor: Landkärtchen, Achateule, C-Falter, Schönbär und Flohkrauteule – Namen ausgedacht wie für ein Märchen. Doch es sind Namen von Schmetterlingen, die eins gemeinsam haben: Ihre Raupen fressen Brennessel, und zwar bis zum Umfallen – oder besser gesagt bis zur Verpuppung.

Die Bären und Eulen unter ihnen sind unscheinbare Nachtfalter, die gut getarnt und irgendwo versteckt den Tag verschlafen. Die Liste der Brennesselfresser ist lang:
Messingeule, Purpurglanzeule und Hausmutter,
Rotrandbär, Brauner Bär und Russischer Bär, Weiße Tigermotte und Schwarzes Ordensband – um nur einige zu nennen.

Ihnen gleich tun es auch einige Tagfalter, die sicher bekannter sind als ihre Kollegen der Nacht: Tagpfauenauge, Distelfalter, Kleiner Fuchs und Admiral
sowie C-Falter und Landkärtchen
– alle aus der Schmetterlingsfamilie der farbenfrohen Edelfalter.

 

Eine Frage der Ausschließlichkeit

Nicht alle sind extrem. Der Nachwuchs der Nachtfalter zum Beispiel kann auch an anderen Pflanzen groß werden. Ebenso C-Falters Raupen; sie fressen neben Brennesselblättern auch die Blätter von Haselnuss, Salweide, Hopfen und Stachelbeere. Und ganz nach dem Motto Nomen est omen sagt uns der Name „Distelfalter“, wofür dessen Flügel noch schlagen: Neben den Brennesseln sind es die Disteln, die auch nur selten ein Bleiberecht genießen…

Andere Falter hingegen sind gar nicht flexibel. Ihr Leben ist eng und ausschließlich mit der Brennessel verbunden. Und somit gilt:
entweder Brennessel => Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner Fuchs, Landkärtchen.
oder Brennessel => Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner Fuchs, Landkärtchen.

Das Tagpfauenauge trinkt an zarten Fliederblüten, als Raupe fraß es haarige Brennesselblätter.
Das Tagpfauenauge trinkt an zarten Fliederblüten, als Raupe fraß es haarige Brennesselblätter.

Und deswegen – am Tag des Artenschutzes – mein Plädoyer für die Brennessel! Der Kinderstube dieser wunderschönen Schmetterlinge.
Halten wir dieses brennende „Brennesselbiest“ aus, flattern die Schönheiten bunt und leicht an uns vorbei. Gibst du dieser einen Pflanze ein Plätzchen, schützt du zahlreiche Arten auf einmal. Selten ist Artenschutz so einfach!
Oder?

 

——————————————–

P.S.: Meine Quelle – mein Buchtipp
Heiko Bellmann, Rainer Ullrich (2016): Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Verlag Franckh-Kosmos, 3. Aufl.
Hier sind nicht nur die Falter abgebildet, sondern auch ihre Gelege und Raupen, was einzigartig ist! Und es gibt ein Kapitel über die Futterpflanzen, mit Querverweisen zwischen Pflanzen und Faltern.
Bevor du also überlegst, ob du Raupen an deinen Pflanzen bekämpfst, schau doch mal nach, mit wem du es zu tun hast! Vielleicht ist ja alles nur halb so wild…

P.P.S.: Ein Bild machen
Leider habe ich von den meisten Faltern kein eigenes Fotos. Mit der richtigen Portion Brennessel im Garten kann das zwar noch was werden, aber bis dahin verlinke ich dir einige Falternamen mit wikipedia. So kannst du dir schnell und unkompliziert ein Bild machen.
Oder hast du einen der genannten Falter gut auf´s Foto gebannt, und würdest es mir zur Verfügung stellen? Melde dich! Ich würd´mich sehr freuen!


Hinweis an die Hüter der Rechtschreibung

Eigentlich müsste die Brennessel mit drei „n“ geschrieben werden. Aber aufgewachsen in guten alten Rechtschreibungszeiten tut mir diese Buchstabenverdreifachung optisch weh. So nehme ich mir hier die Freiheit und schreibe ohne optische Schmerzen ;-).

 


Noch mehr Unkrautideen? voila 🙂

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16 Kommentare

  1. Hallo,

    endlich mal jemand mit Fachwissen, der sich für Artenschutz einsetzt. Ich bin eine Kämpferin und habe sehr große Schwierigkeiten diese, ich finde schönen Pflanzen, wie Distel und Brennessel, dem „alten Volk“, in der Kleingartenanlage, nahe zu bringen. Ich bin mal so frei und verlinke 2 Beiträge aus meinem Unkrautgarten.

    Über die Brennessel (dir werden deinen Augen nicht schmerzen) https://unkrautgarten.wordpress.com/2016/02/13/und-wer-bin-ich/

    Und über die Distel:
    https://unkrautgarten.wordpress.com/2015/05/25/die-kratzburste/

    Vielleicht schaust du mal rein und findest gefallen.
    Ich werde dir auf jeden Fall folgen und mich fleißig durch deine vergangen Beiträge wühlen.

    Für und mit der Natur.

    Grüne Grüße

    Mion

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    • Hallo Mion 🙂
      Danke 🙂 und danke für deine Links! Sehr schön geschrieben, hab mich gerade ein bisschen auf deinem Blog umgesehen.
      hihi! Die Distel steht auch auf meiner Nächste-Beiträge-Liste.
      Ja, beim sogenannten „Unkraut“ findet man tolle Schätze, wenn man nur möchte ;-). Sie bereichern in vielerlei Hinsicht ungemein, kosten nichts und haben so hübsche Blüten! Man muss nur den von den Gartencentern standardisierten Pflanzenblick verlassen, aber das ist wohl nicht immer so einfach.

      Gefällt 1 Person

      • Ja, dies für viele nicht so einfach. Aber wir haben Glück, die Welt ist im Wandel und besinnt sich auf das Ursprüngliche zurück. Freut mich, wenn dir meine Beiträge gefallen. Danke für dein Kompliment.
        Ich liebe mein „Unkraut“ und hege und pflege es, wie manch einer Zierpflanzen.

        Grüne Grüße

        Mion

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    • Hallo!
      Eine Frage zu der Brennessel!Wir haben Sandboden im Garten und ich finde so gut wie nie eine Brennessel dort.Will aber auch nicht wer weiß wie den Boden aufbereiten damit dort welche wachsen.Gibt es alternativen?

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      • Hallo Elke! Herzlich willkommen hier 🙂
        Die Brennessel ist ein Stickstoffzeiger. Ursprünglich wuchs sie nur in Auwäldern, die es heute ja nicht mehr so ausgedehnt gibt. Jetzt ist sie eine Art Kulturfolger, wächst auf Ruderalstandorten und zeigt nicht nur Störstellen an, sondern auch, wo der Boden überdüngt ist. Wenn bei euch keine Brennesseln wachsen, ist das – so toll die Brennessel aus Sicht der im Beitrag genannten Schmetterlingsartenvielfalt ist – ein super Zeichen! Denn dann habt ihr einen mageren Boden, eine Seltenheit! So paradox das klingen mag, aber auf mageren Böden wächst eine viel höhere Artenvielfalt als an stickstoffreichen (also gedüngten) Standorten. Man muß sich nur mal die überdüngten Wiesen anschauen: nur grün / fettes Gras, nichts buntes/Blühendes mehr. Grasmonokultur.
        Ich würde also aus der „Brennessel“-Not eine Tugend machen, und die heimischen Pflanzen magerer Standorte fördern bzw. wachsen lassen. Da habt ihr dann Insektenarten, die aufgrund der Überdüngung überall verloren gehen.
        Also vielleicht einfach mal wachsen lassen und schauen, was sich ansiedelt. Das braucht ein bißchen Geduld, denn die Samen müssen ja erst den Weg in euren Garten finden. Wenn du möchtest, dann kann ich euch auch ein paar Pflänzchen heraussuchen, die man gut auf Sandboden pflanzen kann.
        Kein Kraut, aber ein toller Busch wäre der Sanddorn. Der wächst auf unserem sauren, nährstoffreichen Lehmboden leider, leider nicht…
        Sandige Grüße! 🙂

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      • Brennesel lieben es nährstoffreich, feuchter und (halb)schattiger. Schau, dass du Brennesel, unter Bäumen oder an geschützten Plätzen säst, an denen das Wasser schlecht abfließt. Vielleicht klappt es ja in der Nähe des Komposters. Diese sollten ja Schattig stehen. Dort sollte es eigentlich feucht und nährstoffreich genug sein. Reichere den Boden vor der Saat mit frischem Kompost an.
        Hoffe konnte Helfen.
        Grüne Grüße
        Mion

        PS. Bei mir wächst Brennessel immer zwischen dem Borretsch in einer halbschattigen Lage, aber auch nur dort! Brennessel ist sehr wählerisch, aber ist sie mal da, bleibt sie ihrem Standort treu. 😉

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      • Gute Idee, Mion! 🙂
        Und ich würde nicht nur auf Samen setzen, sondern auch Rhizome eingraben, Elke. Brennessel vermehrt sich auch vegetativ sehr gut.
        Als wählerisch kenne ich die Brennessel jedoch nicht 😉 sie braucht´s halt nährstoffreich und feucht, genau wie du schreibst, Mion. Dann wächst sie auch sonnig; bei uns in der Gegend wächst sie zum Beispiel überall an den sonnigen Feldrändern. In unserem Garten taucht sie auch wirklich überall auf.
        Wir versuchen, unsere ehemals überdüngte Wiese magerer zu bekommen, damit diese wunderschönen Wiesenblumen wachsen können. Die brauchen es nämlich eher nährstoffärmer. Daher habe ich mich so über euren mageren Sandboden gefreut, Elke. Das ist wirklich was tolles.
        Viel Erfolg beim Brennessel anziehen! 🙂

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  2. Danke für deinen Tip!Ich bin seit einiger Zeit schon dabei den Garten umzugestalten.Gerade arbeite ich an der „Hotspot Zone“,ein Bereich in dem ich Einjährige aussäen möchte ,die den Insekten zugute kommen.Aber du könntest mir vielleicht noch nen Tip geben ,welchen kleineren Strauch ich vor unseren Eingangsbereich setzen könnte(höchstens bis zu 2m hoch).Ich mag ja gerne Weidekätzchen.Aber ein Hänge Weidenbäumchen braucht sicherlich mehr Feuchtigkeit,oder?

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    • Hallo Elke,
      ich kenne mich v.a. bei heimischen Sträuchern aus, und da fällt mir keiner ein, der bei max. 2m bleibt. Höchstens die Felsenbirne (siehe https://dagehtwas.org/2016/07/06/baumgeschichten/), die könnte man so schneiden, dass sie klein beibt. Sie müßte auch auf eurem Sandboden gut wachsen können.

      Weide mag es generell feucht, da hast du recht. Aber vielleicht kannst du das ja ähnlich machen wie bei den Brennesseln, und entsprechend großzügig ausheben und mit Erde auffüllen, die die Feuchtigkeit besser hält.
      Da ich da aber kein Spezialist bin, würde ich dir empfehlen, nochmal bei einer guten Gärtnerei nachzufragen.
      Kennst du die Baumschule Horstmann?
      https://www.baumschule-horstmann.de/
      kann ich nur empfehlen!! Super Seite mit ausführlichen Infs zu allen Pflanzen. Beraten auch telefonisch und schicken sehr gute Ware.
      Hoffe, dir wenigstens ein bißchen weitergeholfen zu haben!
      Herzliche Grüße!
      🙂

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      • Ich hab mir jetzt einfach mal ne Hängeweide gekauft und versuche mein Glück damit.Felsenbirne hab ich nämlich schon.Angeblich soll man garnicht so oft gießen müssen.Nur wenn,dann durchdringend.So werd ich’s handhaben.Danke dir!

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      • 🙂 Das klingt doch sehr gut! Nur Mut und einfach ausprobieren 🙂 Wenn du merkst, dass es deiner Hängeweide da gar nicht gefällt, dann kannst du sie ja immer noch umpflanzen. Haben wir auch schon öfters gemacht – also Pflänzchen wieder umsetzen – weil es ihnen dort, wo wir sie angedacht haben, nicht so gefallen hat ;-).
        Wir haben auch die Erfahrung gemacht: Wenn´s mal gut angewachsen ist, dann braucht man nicht mehr so viel zusätzlich gießen. Vielleicht ist´s ja bei deiner Hängeweide auch so.
        🙂 Viel Glück und Freude mit deiner Hängeweide!

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