Viel Glück, kleiner Piepmatz!

Das Drosseljunge macht seine Sache wirklich gut: Es rührt sich kein bißchen. Hoffen wir mal, dass es, im hohen Grase gut versteckt, vor Nachbarskatzen unentdeckt bleibt...
Das Drosseljunge macht seine Sache wirklich gut: Es rührt sich kein bißchen. Hoffen wir mal, dass es, im hohen Grase gut versteckt, vor Nachbarskatzen unentdeckt bleibt…

Sitzt im Gras, stocksteif und hofft wohl, dass wir es nicht sehen: ein Drosseljunges. Ich kann es mir nicht verkneifen, ganz vorsichtig ein paar Fotos zu schießen. Aber dann entfernen wir uns wieder. Auch, wenn das Vogeljunge gerade ganz einsam und verlassen wirkt, seine Eltern sind in der Nähe. Sie wissen, wo ihr Junges hockt, und beobachten uns vielleicht gerade ganz genau. Sobald wir weg sind, werden sie es woanders hinlocken.

Vogeleltern kümmern sich um ihre flüggen Jungen noch eine Weile. Bis ihre Kleinen endlich selbst nach Futter suchen können, stopfen sie sie voll mit Insekten, Raupen und Würmern. Genau in der richtigen Mischung, wie es für die Entwicklung der Jungen am besten ist. Bei Meisen kannst du gut beobachten, wie die Jungen ihren Eltern ständig laut piepsend hinterher hüpfen, und vermutlich dabei lernen, wo und wie sie Insekten finden.

Am Gefieder erkennt man noch ein paar Jungvogeldaunen.
Am Gefieder erkennt man noch ein paar Jungvogeldaunen.

Wir Menschen können das nicht übernehmen, einfach, weil wir nicht mit den jungen Vögeln durch´s Geäst hüpfen und die richtigen Insekten fangen können.
Findest du also einen solchen, scheinbar hilflosen Jungvogel, dann ist die beste Hilfe, nichts zu tun. Denn es ist in guten Händen – oder besser gesagt: in guten „Flügeln“.

 

Das Leben ist gefährlich – mach es leichter!

Aber natürlich kannst du trotzdem etwas dafür tun, damit der kleine Piepmatz eine bessere Überlebenschance hat.

Zum Beispiel: Die Fallrohre von Regenrinnen absichern. Sie sind eine Todesfalle für Vögel. Wir haben sehr gute Erfahrung mit sogenannten Rinnenraupen gemacht [gibt´s im Baumarkt, siehe hier]. Ihr Vorteil: Sie kosten nicht viel, sind sehr wirksam, verrutschen nicht und wir haben keine Verstopfungen durch Laub oder ähnliches.

Vogelfalle Regentonne: "Nie ohne meinen Deckel!"
Vogelfalle Regentonne: „Nie ohne meinen Deckel!“

Offene Regentonnen sind ebenfalls Mist, wie wir leider vor kurzem selbst erfahren mussten. Einmal nicht aufgepasst, und schon war´s passiert. Wir haben das Spatzenjunge zwar noch aus der Regentonne fischen können. Aber es war schon zu erschöpft, und hat es leider nicht mehr geschafft 😦  Es war ein sehr trauriger Abend…
Also immer Deckel auf die Tonne! Nicht nur wegen der Vögel. Bei Freunden ertrank mal ein Eichhörnchen – es konnte an der glatten Wand nicht aus dem Wasser klettern. Seitdem steckt dort ein dicker Ast zum Rausklettern in der Tonne UND der Deckel ist drauf. Doppelte Absicherung.

 

eine grosse Gefahr: die süssen Hauskatzen

So süß können nur Katzen kucken, doch leider ist auch Captain Hook ein viel zu guter Vogelfänger. Jetzt bekommt er ein Glöckchen um den Hals.
So süß können nur Katzen kucken, doch leider ist auch Captain Hook ein viel zu guter Vogelfänger. Jetzt bekommt er ein Glöckchen um den Hals.

Eine große Gefahr für unser Drosseljunges sind die Katzen aus der Nachbarschaft. Keine bräuchte die Vögel zum Überleben, aber sie jagen sie trotzdem. In Deutschland sollen jährlich bis zu 200 Millionen Vögel in den Fängen von Katzen landen, so eine Schätzung (das ganze Interview mit dem NABU-Vogelexperten Lars Lachmann steht hier ). Das klingt sehr hoch. Dass es ohne Frage viele sind, und vor allem Jungvögel erwischt, habe ich schon oft beobachtet: Fünf Meisenjunge verlassen den Nistkasten, am Abend füttern die Eltern nur noch eins.
Katzen : Meisen = 4 : 1.

Captain Hook hat dieses Frühjahr leider auch schon drei angeschleppt, alles Jungvögel. Das beste wäre, die Katzen für ein paar Tage nicht raus zu lassen, bis die jungen Vögel sicherer fliegen und landen können. So lange sie noch wie betrunken Äste anpeilen und auf dem danebenliegenden landen, sind sie leichte Beute für Katzen. Aber das Einsperren von Katzen ist nicht immer so einfach. Hookie ist sehr geschickt darin, jede kleinste Unaufmerksamkeit von uns zu nutzen, und rauszuschlüpfen.

Also bekommt er jetzt ein Glöckchen um den Hals. Mit unserem früheren rothaarigen Vogelfänger haben wir damit gute Erfahrungen gemacht.
Er hat uns gehasst.
Aber wir haben ihn dafür geliebt, dass er keine kläglich fiepsenden Vögel mehr anschleppte.
Ist ja nur für kurze Zeit, das wird unser verwöhnter Kater schon überleben
– im Gegensatz zu den Vögeln, wenn wir es nicht tun 🙂

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12 Kommentare

  1. So niedlich, die lieben Kleinen 🙂 Schöne Aufnahmen von der Jungdrossel ! Ja, an solche Fallen denkt man vorher nicht. Da wird man leider oft erst aus Erfahrung klug. Man kann auch nicht an alles denken, deshalb sind das gute Tips von dir ! Das mit dem Glöckchen finde ich eine gute Idee 🙂 so lange, wie nötig.

    Gefällt 3 Personen

      • Ich hab mal in einer WG mit Katzen gewohnt, aber das ist schon lange her. Nee, aktuell wüßte ich niemanden. Obwohl mir da gerade ein anderer Blog einfällt…ich melde mich dazu noch mal ! LG

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      • Hallo „planzwas“! Ja, wir haben einen Kater. Er ist nicht nur anschmiegsam und schnurrend, als könne er kein Wässerchen trüben. Ja er ist, wie seine Natur eben ist, auch ein schneller Jäger. Wir haben einige Vogelnester im Garten und leider hat er schon drei kleine Jungvögel erwischt, die aus dem Nest ihre ersten Flugversuche traurigerweise nicht überlebten. Als Katzenbesitzer muss einem schon bewußt sein, dass auch die eigene Katze naturgemäß ein Jäger ist. So haben wir ihm für eine kurze Zeit ein Glöckchen verpaßt, dass, wie wir beobachten konnten, seine Wirkung nicht verfehlt. Er ist zwar etwas stinkig, da ein lautloses Anschleichen trotz Übung nicht möglich ist. Er beschwert sich lautstark, wenn er nach Hause kommt. Dafür belohnen wir ihn mit einem Teller Futter, dass ihn ein wenig mit uns versöhnt, denn das Mäuse fangen klappt natürlich auch vorrübergehend nicht so wie gewohnt. Aber es sind ja nur wenige Tage im Jahr, dann kann er wieder lautlos wie ein Tiger im hohem Gras seine Runden drehen. Die Vögel, so hoffen wir, werden auch im nächstem Jahr ihre Nester bei uns bauen.

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  2. Von den Glöckchen kann ich nur abraten. Mal abgesehen von der Dauerberieselung für die empfindlichen Katzenohren haben wir im Tierschutz immer wieder mit strangulierten Katzen zu tun. Auch die angeblich sich selbstöffnenden Halsbänder sind nicht wirklich zuverlässig. LG von gartenkuss

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    • Hallo gartenkuss! Vielen Dank für den Hinweis! Davon hatte ich noch nie gehört. Aber wenn man kurz darüber nachdenkt, klar. Die Streuner zwängen sich ja überall durch, und niemand weiß wo. Wenn sie sich dann irgendwo verhaken…
      Das mit der Dauerberieslung sehe ich persönlich jetzt als keineres Problem, denn es ist ja nur für ein paar wenige Tage. Da gibt es ganz andere Dinge, um die ich mir im Zusammenhang mit Haustierhaltung ernsthafte Sorgen mache… aber das ist ein anderes Thema.

      🙂 Dann bleibt wohl nur: Katzen ein paar Tage im Haus lassen und das klägliche Miauen aushalten, so lange bis die Flugkünste der jungen Nestflüchter sicher genug sind, um gegen die Fänge der Katzen wenigstens eine kleine Chance zu haben.
      Denn das mit den Jungvögeln ist wirklich ein großes Problem – letzten Endes geht es hier auch um Tier- und Artenschutz, eben für die andere Seite.

      Oder hat der Tierschutz noch eine andere Lösung auf Lager, die beiden Seiten hilft??

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      • Nee, nicht wirklich, leider 😞. Ich lasse meine Katzen in der Jungvogelzeit in den frühen Morgen-und Abendstunden nicht raus, weil die Vögel dann am aktivsten sind. Ansonsten sind meine immer so satt, dass sie mir höchstens mal einen Falter bringen. Und der Jagdtrieb ist eher schwach, da meine 🐈🐈 durch ihre negativen Erfahrungen relativ ängstlich sind und draußen immer in der Nähe bleiben. Das Thema ist insgesamt schwierig, leider 😞. LG zum Abend von gartenkuss 🙋🐤🐝

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      • Na, da hst du ja wirklich Glück, dass deine nicht so große Jäger sind. Vielleicht ist das ja auch eine mögliche Strategie 😉 Katzen während der Jungvogelzeit so satt füttern, dass sie viiiiel zu träge sind, um den Vögelchen hinterherzujagen 😉
        Ja, ein schwieriges Thema.
        Liebe Sonntagssommergrüße! 🙂

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