Löwenzahn: Und das Leben brummt!

Viele Freunde unter den Gartenbesitzern hat er nicht, der Löwenzahn. Mancherorts wird er geradezu gehasst. Nachbarschaftskriege löst er aus, die bis vor´s Gericht gehen, nur weil der eine Gartenbesitzer findet, der andere bekämpfe ihn nicht ausreichend. Man könnte fast meinen, Löwenzahn sei eine ansteckende Krankheit, die nicht nur Gärten befällt, sondern auch aus Nachbarn Feinde macht…

Löwenzahnwiese – das reinste Pollen- und Nektareldorado für hungrige Insekten.

Das große Pech des Löwenzahns sind seine sehr erfolgreichen Überlebensstrategie. Er ist ein großer Überlebens- und Anpassungskünstler. Werden seine oberirdischen Körperteile abgerupft, wächst er aus tiefen Pfahlwurzeln nach. Ist der Bewuchs um ihn herum niedrig, bilden seine Blätter dicht über dem Boden eine Rosette. So deckt er sein nahes Umfeld lichtdicht ab und verhindert, dass die Konkurrenz ihn überwuchert. Gleichzeitig bleibt unter den Blättern die Erde feucht. Das ist ein großer Überlebensvorteil in regenarmen Zeiten und auf leicht austrocknendem Terrain.

Blümchen, Bienchen, Bestäubung, Befruchtung. Total bepuderte Honigbiene streicht sich im Flug den Pollen vom Kopf. Was nicht im Pollenhöschen landet, bleibt vielleicht auf der nächsten Narbe kleben.

Auf viel belaufenen Wegen und häufig gemähten Flächen bleibt er niedrigwüchsig, auch seine Blütenstile bleiben hier kurz. So werden die Blüten vor Tritt und Schnitt geschont.
Wächst hingegen alles um ihn herum in die Höhe, richtet auch der Löwenzahn seine Blätter auf und seine Blütenstängel wachsen hoch hinaus. So erhält er weiterhin lebensnotwendiges Sonnenlicht und seine Blüten leuchten den Insekten entgegen.
Weite Wege zurücklegen, neues Land besiedeln  – kein Problem dank perfekter Flugschirmchen, mit denen er seine Samen kilometerweit durch die Luft tragen kann. Selbst, wenn ein Blütenstängel abgerissen wird, so schafft dieser es noch, die Pusteblume fertig auszubilden und seine Nachkommen in die Welt zu schicken.

Farbklecks auf Farbklecks: Zottiger Bienenkäfer (Trichodes alvearius) frisst Löwenzahnpollen.

Der Löwenzahn ist auch ein Pionier. Er gehört zu den Erstbesiedlern von Störstellen, wie verlassene Kiesgruben, extrem artenarme oder gar pflanzenlose (sogenannte offene) Flächen. Also auch Stellen im Garten, die frisch angesät oder angepflanzt sind. Oder Rasen: eine sehr artenarme Fläche ohne jegliche Konkurrenz für ihn. Selbst auf steinigem Boden, wo sich kein Wasser hält, überlebt er dank Pfahlwurzel und feuchtigkeitshaltender Blattrosette. Deswegen kommt er auch in Pflasterritzen oder auf Kiesstreifen am Haus zurecht. Er hat sogar die Kraft, Teer zu sprengen!

Wenn die dicke Erdhummel mit ihrem hubschrauberähnlichem Flugsturm ankommt, schwankt sogar der kräftige Löwenzahn.

Doch für all das erntet er nur sehr selten Bewunderung. Im Gegenteil. Er ist Teil der unberechenbaren Natur, die auftaucht, wo man sie nicht haben will, die sich nicht so leicht bändigen lässt, die Unordnung in die menschliche Gartenordnung bringt, die nicht zu 100 % kontrollierbar ist. Und das löst Unsicherheit aus. Welcher Gartenbeseitzer kann vor ihm sicher sein? Wer weiß schon, wann wieder heimlich ein Angriff erfolgt? Wann das nächste Flugschirmchen über den Zaun fliegt, sich ungesehen im Garten niederlässt? Und ob dann der daranhängende Same hinterrücks und ungefragt eine neue Löwenzahnkolonie gründet…

Hühüpf-Junior. Mit Fühlern doppelt so lang wie sein Körper gehört dieser Grashüpfer eindeutig zu den Langfühlerschrecken. Es dauert noch mehrere Häutungen, bis der Kleine hier ausgewachsen ist und musiziert.

Hast du dir die Blüten des Löwenzahns mal genauer angeschaut?
Sie haben ein unglaublich sattes, tiefes Gelb.
Besonders im abendlichen Gegenlicht leuchten sie phänomenal.
Mit ihren äußeren Zungenblüten sehen sie selbst wie kleine Sonnen aus, mitten im Grün.
Aus den Zungenblüten in der Mitte kringeln sich die Narben.
Insekten, die auf ihnen landen, fliegen gelbbepudert wieder davon.

Löwenzahn ist Leben. Wo er wächst, brummt es!

Honigbiene im Anflug. Gut zu erkennen: die orangefarbenen, dicken Höschen aus Pollen. Noch ist der Rüssel nicht zu sehen…
…aber jetzt. Zack, plötzlich fährt die Honigbiene den Rüssel aus, um ihn schon im nächsten Moment in die Tiefen der Löwenzahnblüte zu versenken.

 

 


Noch mehr Unkrautideen? Voila 🙂

 

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6 Kommentare

  1. Das sind wunderschöne Aufnahmen sowohl vom „Zahn des Löwen“ 😉 wie von den bepuderten Bienen. Ganz fantastisch ! Wie hast du die nur auf das Bild bekommen, wo sie ihren Rüssel rausholt ?! Oder ist sie in Zeitlupe geflogen 😉 Echt toll ! Ja, der Löwenzahn ist eine geniale Pflanze. Nach dem, was du schreibst, ist sie DER Überlebenskünstler schlechthin. Wahnsinn ! Und dazu noch so eine gute Nektarpflanze. Das einzige was mir mißfälllt, ist die Tatsäche, daß alle Wiesen, alle Straßen in der Stadt, voll sind mit Löwenzahn. Das mißfällt mir nicht, weil ich etwas gegen den Löwenzahn hätte, sondern weil ich dann denke, daß diese Stellen gut gedüngt sind und Magerpflanzen dort keine Chance mehr haben…Die Weiden in der Umgebung sind voll mit Löwenzahn. Und das hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Schade für die anderen Pflanzen und ihre Besucher. Ansonsten könnte die Welt von mir aus Löwenzahn sein 🙂

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  2. hihi! Ich hab mich bäuchlings auf die Terasse gelegt und hatte so den Löwenzahn direkt vor der Linse. Die Bienen flogen so eifrig hin und her, ich hab einfach den Finger auf dem Auslöser gelassen *klickklickklick* in einer Tour. Dank Digicam kann man ja alle unscharfen Bilder ganz unkompliziert löschen 😉
    Ich war selbst erstaunt, wie gut sich sie erwischt habe!

    Stimmt, zu viel Löwenzahn ist kein gutes Zeichen! Wie so oft ist auch hier die Dosierung entscheidend. Auf solchen Weiden, wie du sie beschreibst, blüht nichts anderes als Löwenzahn. Auch wieder Artenarmut, auf andere Art.

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  3. Tolle Fotos! Ja es stimmt, Löwenzahn ist Stickstoffzeiger und früher gab es diese Löwenzahnwiesen nicht. Und trotzdem finde ich auch, daß er eine absolute Schönheit ist. Wäre er selten würden wir über die Besonderheit dieser Blüte schwärmen. Außerdem lieben meine Honigbienen und andere Insekten den Nektar und Pollen!
    Liebe Grüße Arlene

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    • Seit 4 Jahren magern wir unsere Wiese aus. Erstaunlich, wie lange sich die Düngung des Vorbesitzers hält. Sicherlich liegt es auch an dem Lehmboden und an dem, was von der nahen Umgebung (sehr stark gedüngte Wiesen… seufz) eingetragen wird.
      Immerhin haben wir schon erreicht, dass das Gras nicht mehr ganz so fett und dicht steht. Die jährlich anfallende Menge Mähgut ist spürbar geschrumpft.
      Mein Ziel: Dass sich der Wiesenstorchschnabel ansiedelt.
      Da er leider kaum von alleine einwandern kann (er wächst hier in der Gegend nirgends – alles zu stark gedüngt), hab ich dieses Jahr ein bißchen nachgeholfen und ein Pflänzchen an den Rand gesetzt. Mal sehen 😉

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      • Das dauert anscheinend ewig bis eine Wiese abgemagert wird. Wir düngen eine früher genutzte landwirtschaftliche Wiese seit 35 Jahren nicht mehr. Auch hier wächst das Gras nur noch recht spärlich aber die Blüher kommen nur ganz langsam zurück.
        Liebe Grüße Arlene

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      • Solche Zahlen hab ich auch schon gehört. Schon irgendwie erschreckend, wie lange sich sowas auswirkt, oder? Wenn man sich mal ansieht, welche Unmengen auf viele Felder und Wiesen ausgetragen wird. Dann würden wir selbst bei sofortigem Stop nicht mehr erleben, dass diese Wiesen wieder so bunt wie früher werden…

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