Schattenserie: Akelei – die „Omapflanze“?

Akelei mit mehrfarbiger Blüte, hier in verschiedenen rosarot-Tönen (Sorte: Grandmother´s).

Weil sie in unserem Garten gerade in sämtlichen Farben blüht, ist die Akelei die nächste in der Schattenserie.

Irgendwo habe ich gelesen, dass die Akelei eine „altmodische Omapflanze“ sei. Pfft. Was sind denn dann bitte Geranien?
Ne ne, Akeleien sind richtig hübsch und die laß ich mir – Gartenmode hin oder her – nicht vermiesen. Mit ihren hübschen Blättern und langen Blütenstengeln zieren sie einfach jedes Halbschatten- und Schattenbeet. Und sie sind, wenn sie irgendwo neu im Garten auftauchen, immer für eine Überraschung gut. Denn man weiß nie: Wird sie weiß oder rosa, lila, blau oder fast schwarz oder sogar mehrfarbig blühen? Was ich auch sehr schön finde, ist, dass Akeleien recht lange blühen. Das liegt daran, dass erst die pollenbildenden Staubblätter und danach die samenbildenden Fruchtblätter reifen. So wird garantiert, dass die Blüten nicht mit dem eigenem, sondern nur mit Pollen von einer anderen Pflanze bestäubt werden (= Fremdbestäubung).

Die Bestäuber sind Hummeln mit Rüsseln, die lang genug sind, um an den Nektar am Ende des langen Sporns zu gelangen. Doch es gibt auch Nektardiebe. Sie beißen einfach in der Nähe des Nektarangebots ein Loch in den Sporn und bedienen sich, ohne zur Bestäubung beizutragen.

Welch hübsche Vertreterin der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Verwandt also mit Butterblume (=Hahnenfuß), Buschwindröschen, Sumpfdotterblume, Rittersporn und vielen anderen.

Während manch einer sich redlich bemüht, die Akelei in seinem Garten anzusiedeln, rupfen andere sie schon wieder aus, weil sie sich wie irre vermehrt. Gerade in letzterem Fall fällt es sicherlich schwer zu glauben, dass die heimischen Akelei-Wildarten* nach dem Bundesnaturschutzgesetz „besonders geschützt“ sind. Die Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris) ist in einigen Bundesländern „in ihrem Bestand gefährdet“, in Brandenburg gilt sie sogar als ausgestorben. Wildwachsende Akeleien zu pflücken, auszugraben oder zu besitzen ist verboten. Wer also eine heimische Wildart in einer Staudengärtnerei kauft**, holt sich einen echten Schatz in seinen Garten.

Die Blütenfarbe der Gemeinen Akelie ist blau, selten auch weiß, rotviolett oder blau mit weißem Rand. Diese hier ist eine Gartenvariante.

Die Gemeine Akelei wächst in lichten Wäldern, in Wiesen an Waldrändern und in Gebüschen. Das macht sie zur perfekten Besiedlerin schattiger Standorte im Garten. An Hecken, unter Büschen, zwischen anderen hohen Stauden, auf der Nordseite des Hauses, im Schatten des Gartenschuppens – überall, wo sie nicht den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt ist, wächst sie am besten. Da sie sich selbst aussät, muss man sich um ihren Erhalt im Garten in der Regel*** kaum kümmern.

Schaukelt der Wind die Samenkapsel der Akelei hin und her, werden dabei die winzigen, kugeligen schwarzen Samen verstreut. Eine andere Möglichkeit: Sie bleibt mit den langen Häkchen im Fell eines vorbeigehenden Tieres hängen, wird zurückgeschleudert und HUI! Samen verteilt.

Wer sich wundert, dass seine Akelei nicht wieder kommt: Die Gemeine Akelei ist einjährig. Bei anderen Akeleien heißt es 3- bis 5-jährig. Wie auch immer: Es kann einfach sein, dass ihre Zeit abgelaufen ist. Da Akeleien, wie oben beschrieben, auf Fremdbestäubung angewiesen sind, braucht sie andere Individuen, um sich vermehren zu können. Je mehr Individuen im Garten oder in der nahen Umgebung stehen, umso höher ist die Vermehrungsrate. Natürlich vermehren sie sich nur, wenn sie ihre Samen auch ausbilden und ausstreuen können.

Wie bei vielen unserer Gartenpflanzen (vgl. Felsenbirne), so stehen auch bei der Akelei meistens nicht die heimischen Arten in unseren Gärten, sondern Verwandte  aus Nordamerika (warum auch immer das im Handel so angeboten wird…). Die in Gärtnereien angebotenen Zuchtformen stammen wohl meist von nordamerikanischen Akeleienarten ab. Wenn du gerne heimische Arten oder Varianten davon pflanzen möchtest, achte am besten auf den lateinischen Namen (siehe unten*). Er verrät, von welcher Art die Pflanzen der Gärtnerei abstammen.

Von Sorten mit gefüllten Blüten möchte ich an dieser Stelle so und so abraten. Sie sind vielleicht für manches Auge schön anzuschauen, aber ansonsten sind sie ziemlich unnütz. Hummeln haben definitiv nichrs von den Blüten. Vor lauter Blütenblättern kommen sie nicht an den hungerstillenden Nektar heran, wenn diese Sorten der gärtnerischen Zuchtkunst überhaupt noch Nektar bilden.


* in Deutschland heimische Arten:
Gemeine Akelei  – Aquilegia vulgaris
Schwarze / Schwarzviolette oder Dunkle Akelei  – Aquilegia atrata
Alpenakelei  – Aquilegia alpina

** Staudengärtnereien, die Wildarten anbieten, haben spezielle Lizenzen dafür, dass sie diese Pflanzen züchten und mit ihnen handeln dürfen. Es ist etwas völlig anderes, wenn eine Privatperson eine Wildpflanze im Wald ausgräbt und mit in den Garten nimmt.

*** Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel 😉

 


Lust auf noch mehr Schattenliebende Pflanzen? Eine Auflistung aller erschienenen Folgen der Schattenserie findest du im Beitrag „Pflanzenwelt im Schattenreich„.

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16 Kommentare

    • Oh, ich wollte die Geranien nicht mobben. An Balkonen alter Bauernhäuser sind sie ja fast ein Muss und sehen wunderbar aus. Aber wenn Omapflanze, dann sind es wohl Geranien 😉 vor allem wenn sie in Waschbetonkübeln gepflanzt und auf asphaltierte Großflächen gestellt verzweifelt (und vergeblich) versuchen, ihre Umgebung hübscher aussehen zu lassen. Ich finde, das sieht dann furchtbar aus.

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  1. Ein schöner Beitrag mit soo schönen Akeleifotos 🙂 Ich hätte sie nie für eine Omapflanze gehalten. Warum auch ? Ich hatte schon überlegt, ob das was für die Baumscheibe wäre, habe sie dann neulich doch nicht mitgenommen. Wieviel Feuchtigkeit braucht sie denn ? Auch gut zu wissen mit den Wildsorten. Das war mir nicht klar. – Bei den Geranien gibts doch welche, die ungefüllt und nektartauglich sind, oder nicht ? Dann könnten die Leute wenigstens die (ursprünglicheren) Sorten bevorzugen 🙂 Die anderen Geranien „mobbe“ ich nämlich ganz gerne (obwohl sie an den alten Bauernhäusern natürlich wunderbar aussehen. Okay: Ausnahme !) 😉 PS danke für die mail !

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  2. Danke 🙂
    Mmh. Pflanzen, die an schattigen Standorten stehen, mögen es in der Regel nicht zu trocken. Allerdings ist es bei uns im Sommer oft knarxtrocken, und das bei Lehmboden, weil es zwar überall, nur nicht in unserem Tal regnet. Und wir sind nicht so die Gartengießer, die Pflanzen müssen meistens so klar kommen. Bisher schaffen das die Akeleien sehr gut. Ist ein Versuch wert, würd ich sagen!
    Hui, du fragst mich wieder Sachen. Prinzipiell geben ursprünglichere Sorten sicher mehr Nektar als sehr stark gezüchtete, würd ich mal behaupten, weil die Gartenpflanzenzüchter wohl eher nicht auf die Nektarmenge, sondern vor allem auf das Äußere achten.
    hihi, ja, sag ich doch: Ausnahmen bestätigen die Regel 😉
    P.S.: Gerne!

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  3. Akeleien habe ich tatsächlich im Garten zuerst meiner Oma kennen und lieben gelernt, aber auch auf dem Land in Frankreichs Laubwäldern, schönere Nostalgie aus dem Pflanzenreich gibt es kaum. Die Vielfalt der Farben und Formen, ihre Akzeptanz von jeder Licht- und Bodenbedingung und ihre freigebige Art, sich zu vermehren und gleich noch dazu als Sämling tadellos an einen anderen Ort verpflanzen zu lassen – was will man mehr? Höchstens doch mehr Akeleien! 🙂

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