Gegen Schnecken ist ein Kraut gewachsen.

Wohl nur noch gebraucht erhältlich: Das legendäre Bio-Gartenbuch von Marie-Luise Kreuter, erschienen im BLV Verlagsgesellschaft mbH, Münchem, 1982.

Genauer gesagt: gleich mehrere! So zumindest steht es geschrieben im Bio-Gartenbuch von Marie-Luise Kreuter, das ich die Tage durch schmökerte. Wow, das wäre ja wirklich großartig, wenn das stimmt! Ich bin total begeistert.

Und eins dieser Antischneckenwunderkräuter soll doch tatsächlich die Kapuzinerkresse sein! Ich war mir ja absolut sicher, dass die Nacktschnecken der Kapuzinerkresse den sofortigen Garaus machen werden, sobald sie ihre Keimlingsköpfchen aus ihren Samen steckt. Also landete die Kapuzinerkresse bei mir auf der „Nicht-pflanzen-oder-säen-weil-nur-Schneckenfutter“-Liste und ich beachtete sie nicht weiter. Erst, als ich diese hübschen blauen Tontöpfe (ich liebe blaue Tontöpfe!) geschenkt bekam, die ich unbedingt mit reichblühenden Pflanzen bestückt vor unsere Haustüre stellen wollte, griff ich im Laden zu den Tütchen mit Kapuzinerkressesamen. Hier sind sie ja gut geschützt vor jedem Schneckenhunger!

Als ob´s im Garten nicht schon genug Pflanzen gäb! Aber neben der Haustüre wollt ich unbedingt noch zwei Blumentöpfe haben, in denen es üppig blüht. Da die Töpfe unten kein Abflußloch haben, sollte es besser nicht reinregnen. Je nach Wetter trage ich sie jetzt also hin und her. Was tut man nicht alles, wenn man sich etwas unbedingt einbildet ;-)!

 

Und jetzt les ich: Schnecken mögen sie gar nicht. Sie weichen ihr sogar aus.
Auch Lavendel, Salbei und Thymian werden von Schnecken gemieden –  ok, das läßt sich leicht im Garten beobachten. Aber auch Senf, Ysop, Zwiebeln und Knoblauch gehören zu den Kräutern, die angeblich sogar helfen, Schnecken (zumindest ein bisschen) zu vertreiben.

Hier der Beweis. Auf Seite 118 des Bio-Gartenbuchs von Marie-Luise Kreuter (Verlag BLV Verlagsgesellschaft mbH, München) steht es schwarz auf beige: Gegen Schnecken sind Kräuter gewachsen.
Lavendel: Auch ein Kraut gegen Schnecken. Und gleichzeitig ein Kraut für Hummeln. Man kann sich gut vorstellen, wie sein Duft die einen vertreibt und die anderen anlockt.
Auch Salbei soll Schnecken vertreiben.

 

Zitiert
Hier macht sie ja fast einen gemütlichen Eindruck, die liebe Nacktschnecke. Will gar nicht wissen, was mir dieses Exemplar schon alles zusammengefressen hat…

Im Kapitel „Pflanzen als Helfer im Garten“ auf Seite 116 heißt es:
„Gärtner, die begonnen haben, im Sinne der Natur zu handeln, (…) werden sich nicht wundern, dass auch Pflanzen tatkräftige Helfer im Garten sein können. Obwohl sie keinen Laut von sich geben und sich niemals von ihrem Standort fortbewegen, können diese stillen Geschöpfe doch eine deutliche Sprache sprechen und sogar Schädlinge in die Flucht schlagen.“

Ich stelle mir gerade vor, wie nachts, wenn Dunkelheit und dörfliche Stille den Garten einhüllen, die Kapuzinerkresse schweigend ihre rundlichen, fliegenklatschartigen Blätter schwingt und mit ihren bezahnten Blüten jede Schnecke in die Flucht schlägt
ok, zurück zum Text:

„Phytonzide [so werden diese speziellen Pflanzenwirkstoffe genannt] wirken auf Lebensprozesse benachbarter Gewächse und kleiner Lebewesen anregend oder hemmend. Sie können Bakterien töten, Insekten und Würmer vergiften, sie können aber auch Nachbarspflanzen zu besonders üppigem Wachstum anregen.“

Letzteres hab ich natürlich schon öfters gehört oder gelesen (nur noch nie in der Praxis ausprobiert): Dass manche Gemüsesorten auf keinen Fall nebeneinander stehen sollten, weil sie sich nicht vertragen, andere aber wiederum nebeneinander wachsend bessere Erträge geben. Und das Wissen, dass sich Pflanzen gegenseitig vor Fressfeinden oder auch Feuerbrünsten warnen, was wiederum bewirkt, dass die noch nicht betroffenen Pflanzen reagieren und schützende Schutzstoffe verstärkt bilden und einlagern, ist mittlerweile auch nicht mehr so neu *.

Aber dass Pflanzen tatsächlich vertreiben, vergiften und töten…heimlich still und leise…während sie so scheinbar friedlich blühend und unbeweglich da stehen…Ich unterbreche mein Schreiben an dieser Stelle und blicke vom Rechner auf in den friedlich daliegenden, grünen und blühenden Garten. Spatzen und Blaumeisen hüpfen von der Trauerweide in die Wiese auf den Zaun in die Stauden und fangen jede Menge Insekten. Honigbienen summen von Kleeblüte zu Kleeblüte. Eine dicke Hummel brummt vorbei … und ich stelle mir vor, wie in Wahrheit unbemerkt ein gigantischer Krimi um mich herum und im Boden unter meinen Füßen tobt, der jeden Actionfilm in den Schatten stellt …wow.

Es ist ja schon schwierig genug, auch nur einen Teil von dem wahrzunehmen, zu erkennen und zu verstehen, was für uns sichtbar ist. Geschweige denn, was gerade alles passiert, was wir NICHT sehen können… Was sind wir unwissend. Und plötzlich taucht das alte Wort „Demut“ in mir auf…

 

Artenvielfalt bringt´s einfach

Zusammenfassend lässt sich jedenfalls sagen: Mischkulturen, oder anders gesagt: Artenvielfalt, das bringt´s wiedermal. Was dem einen Pflänzchen schadet, weiß ein anderes zu vertreiben. Eigentlich kein revolutionär neues Wissen. Aber in Zeiten von „Unkraut“-vernichtungsmitteln, Pflasterritzenabflämmern, Moosvernichtern, Monokulturen und Artenarmut (auch in Gärten) ist es dann doch wieder revolutionär, wenn man dieses Wissen nicht nur hat, sondern auch in seinem Garten lebt und anwendet.

Diese Pflanzsaison hab ich ja eigentlich für mich schon so gut wie abgeschlossen. Aber nächstes Jahr, so nehme ich mir fest vor, werde ich das mit der Kapuzinerkresse in den Blumenbeeten ausprobieren. Und noch ein paar Ysops pflanzen. Und Senf säen. Den wollte ich eh schon längst mal im Garten haben. Jetzt hab ich einen Grund mehr, ihn endlich zu pflanzen.

Jedes Mal, wenn ich jetzt die Kapuzinerkressetöpfe gieße, muss ich über meine völlig sinnlosen Gedanken lächeln, sie vor den Schneckenbrigarden, die durch unseren Garten kriechen, schützen zu wollen. Trotzdem hat es sich gelohnt, sie in diese blauen Tontöpfen zu setzen, oder?


* Eindrucksvoll dargestellt in dem sehr empfehlenswerten Film „Die Geheimnisse der Bäume“ von Luc Jacquet.

 

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17 Kommentare

  1. Toll, wenns da eine Lösung gibt und dann noch in Form meiner Lieblingsblumen 🙂 Bei mir ist Kapuzinerkresse allerdings immer ein Blattlausmagnet Bei dir auch ? Die starken Senföle sind wohl nix für Schnecken. Da dürften die eigentlich auch keinen Rucola mögen, oder ? Jedenfalls prima, wenn es so gehen sollte. Ich mag solche Lösungen ! Und umzingelst du jetzt dein Gemüse mit diesen Pflanzen (jetzt würde mich noch interessieren, wer neben wem gut oder schlecht wächst ?!) ? Die Kapuzinerkresse sieht übrigens wunderschön aus im komplementärblauen Topf – schwelg 🙂 !!! Also, viel Glück mit den Antischneckenpflanzen 🙂

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    • Solche Lösungen sind toll, das finde ich auch! Ohja, ich hab´s grad schon Ulrike geantwortet. Blattläuse ohne Ende! Aber jetzt sind sie fast Blattlausfrei dank der Ohrenwürmer, die sich in die Kapuzinerkresseblüten eingenistet haben. Hol dir ein paar Ohrenwürmer auf den Balkon!
      Rucola – könnte sein, hab ich mich noch nicht so mit beschäftigt. Wäre ein Versuch wert.
      Hihi! Umzingeln ist gut! Warte ab 😉 der nächste Beitrag ist schon in Arbeit.
      Ja, gell 🙂 ich find´s auch sehr hübsch!
      Danke für´s Daumen drücken! Ich bin auch gespannt, und wie gesagt 😉 ich werde berichten…
      Liebe Grüße auf den Balkon! 🙂

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      • Wenn ich was nicht so mag, sinds Ohrenkneifer. Ich schrieb schon kürzlich bei Puzzle, daß ich als Kind eines Tages in meine Blockflöte blies – und hinaus fiel ein Ohrenkneifer. Igitt ! Ich hab jetzt kein Trauma, aber lieben tu ich sie nicht. Sie tauchen gerne unverhofft auf. Und ein Ohrenkneifernest – gibt mir den Rest, haha. Schön, wenn sie die Blattläuse fressen, aber gerne außer Sichtweite 😉 !!! Ich stehe mehr auf Schwebfliegen- und Florfliegenlarven 🙂 Liebe Grüße vom Balkon

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      • Oh, das ist aber auch fies! Ohrenkneifer in der Blockflöte. Dann sind die Florfliegen tatsächlich eine nettere Alternative 😉
        Ich mag die Ohrenkneifer irgendwie, aber ich hatte auch noch keinen in der Blockflöte sitzen ;-D

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  2. Kapuzinerkresse wird zwar von Schnecken gemieden, aber schwarze Blattläuse scheinen die Kapuzinerkresse sehr zu mögen.

    Abgeblich sollen ja Gehäuseschnecken (Schnirkel- und Hainbänderschnecken) die Gelege von Nacktschnecken auffressen – aber gesehen habe ich das noch nie. 😉

    Mein BIOGARTEN-Buch von Marie-Luise Kreuter ist von 1992 und immer im Gebrauch… 🙂

    Das Buch ist beim BLV-Verlag immernoch lieferbar, wenn auch mit einigen Modernisierungen:
    https://www.blvverlag.de/marie-luise-kreuter/der-biogarten.html

    Schneckenpostige Grüße von
    Ulrike

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    • Oh ja, die Blattläuse! Es wohnen jedoch mehrere Ohrenwürmer in den Blüten (sieht recht niedlich aus, wie sie sich tagsüber tief in den Blütenkelchen verstecken), und die haben die Blattläuse ganz schön reduziert 🙂
      Auch Weinbergschnecken fressen angeblich die Nacktschneckengelege.
      Ist ja großartig, dass es das Buch doch noch gibt! Auf die Idee, direkt beim Verlag zu schauen, kam ich gestern abend wohl nicht mehr…tsss. Die naheliegendste Lösung 😉 Vielen Dank für den Link! Perfekt!
      Schneckenpostgrüße zurück, liebe Ulrike!

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      • Gern geschehen! Die Buchhändlerin in mir hilft, wo sie kann … 😉
        Ja, Insekten, die sich in Blüten verstecken gibt es einige und beim Blütenschnuppern sollte man vorher genau hingucken, damit man sie nicht versehentlich einatmet. :mrgreen:
        Sonnige Grüße!

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  3. Sehr interessanter Artikel. Das werde ich nächstes Jahr auch mal ausprobieren. Was ich schon versucht hatte in Verbindung mit der Kapuzinerkresse: Sie wirkt hervorragend gegen den Kartoffelkäfer. Wenn man sie in mitten des Kartoffelbeets pflanzt, kommt keiner dieser Käfer auch nur in die Nähe.

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  4. Also ich hatte Kapuzinerkresse mal als Salatschutz angepflanzt – da war wirklich keine Schnecke. Aber so viele Blattläuse (grüne), die haben erst die Kresse verputzt und danach meinen Salat. Ich hab schon ganz schön blöd geguckt!

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