Ein Amselnest im Haselstrauch

Gut versteckt in der Astgabel des roten Hasels, entdeckte ich vor wenigen Wochen ein Amselnest. Gleich daneben verläuft der Weg zu unserem Gartenschuppen, den wir und Wölfin x-mal am Tag hin und herlaufen. Wieder bin ich erstaunt, welch Vertrauen die Tiere des Gartens zu uns haben. Ab und zu spickel ich im Vorbeigehen kurz und ganz vorsichtig ins Nest. In den letzten Wochen saß meistens die Amseldame drauf und schaute mich an. An Foto machen war nicht zu denken. Ich wollte ihr Vertrauen nicht zu sehr auf die Probe stellen.

Hinter der lila blühenden Akelei zwischen den dicken Ästen des roten Hasels, etwa einen halben Meter über dem Boden, ist das Amselnest zwar gut versteckt. Aber ob es auch gut geschützt ist? Katzen und Elstern hätten leichten Zugriff. Gegen erstere hilft unsere Wölfin, die ihre Anwesenheit in keinster Weise duldet. Gegen die Elstern hilft unsere Anwesenheit. Aber wir sind nicht immer zu Hause. Und nachts ruht Wölfin auf ihrem Kissen im Wohnzimmer… hoffentlich geht das gut!

Vor ein paar Tagen dann:

Geschlüpft! Am 19. Mai konnte ich wieder einen Blick ins Nest erhaschen, und sah ich zum ersten Mal die Kleinen. Leider hab ich mir nicht genau gemerkt, wann ich davor zuletzt ins Nest gespitzt hab – ist es 1 oder 2 Tage her? Da lagen jedenfalls noch die blauen Eier drin. Herzlich willkommen auf diesem Planeten! Und viel Glück!!

Seitdem hüpfen Frau und Herr Amsel durch unseren Garten und sammeln Würmer. Keine Ahnung, wo sie die bei dem trockenen Boden finden! Dabei sind sie ziemlich zutraulich. Oft sitzen sie mit vollem Schnabel keine zwei Meter vor uns oder sogar direkt hinter mir. Oder sie fliegen so dicht über unserem Kopf hinweg, dass wir uns instinktiv ducken.

Ich hoffe echt, dass das gut geht… in der Blautanne der Nachbarn haben Elstern ihr Nest. Die Tage gab es schon ein kleines Drama. Als ich heimkam, war eine riesige Aufregung im Garten. Spatzen, Meisen und Stare zeterten im Zwetschgenhang wild durcheinander. Als ich mich umsah, flogen eine Elster und ein Eichelhäher auf. Später entdeckte ich lauter kleine Federchen im Gras und im Gebüsch… Tja, that´s live. Auch Elstern und Eichelhäher haben hungrige Junge. Sie gehören dazu wie der Spatz und der Star. Sie haben spannende Verhaltensweisen, und sie sind extrem clever. Und ich mag sowohl Elstern als auch Eichelhäher. Aber irgendwie will ich trotzdem keine Jungvogeldramen bei „meinen“ Vögeln im Garten haben … Ja ja, die liebe Natur. Sie ist nicht immer so romantisch, wie wir sie gerne hätten.

In nächster Zeit werde ich einfach ein bißchen Präsenz im Garten zeigen, wenn sich Elstern und Eichelhäher blicken lassen. Groß verjagen braucht man sie gar nicht, sie sind vorsichtig genug. Vermutlich haben sie schon oft genug schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. So zwischen Gesprächszeilen kann man das manchmal raushören… Luftdruckgewehr und so… und dann hoffe ich einfach mal, dass es für die Amselfamilie im roten Haselstrauch gut geht.

Jetzt aber schnell! Die Amselmama flog gerade zur nächsten Futtersuche los. Gleich nutzen, um einen Blick ins Nest zu erhaschen, in der Hoffnung, dass nicht Herr Amselpapa um die Ecke kommt und mich erwischt. Foto vom 23. Mai, die Jungen sind jetzt nicht ganz eine Woche alt. Und man hört sie jetzt piepsen!
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36 Kommentare

  1. Bei uns im Garten sind die Amseln bis zu drei Meter an der Katze vorbei, und beide Seiten haben genau gewusst, dass sich das nicht ausgeht. Umgekehrt hat der Kater gewusst, dass er sich nicht anstrengen muss. Der hat gewartet, bis die Jungen flügge waren, dann hat er sich eines als Obolus geholt. Die anderen Amseljungen haben daraus gelernt und sind anschließend etwas höher geflogen. Die natürliche Auslese und das gegenseitige Wettrüsten über die Generationen hinweg machen die Tiere schon sehr clever.

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    • Danke :-)!
      Ja, ein Schritt ins Blumenbeet, und schon kann man ins Nest kucken. Aber ich muß aufpassen, dass ich nicht die Neugier der Elstern auf mich ziehe und v.a. die Amseleltern nicht stresse. Also nicht zu oft reinschauen 😉 auch wenn meine Neugier natürlich riesig ist!

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  2. Oh wie schön 🙂 Herzlichen Glückwunsch zur Amselfamilie. Auch ich drücke die Daumen!!! Kein Wunder daß sie bei euch so zutraulich brüten. Sie wissen sicherlich, daß sie im Vogelparadies wohnen 😉 – Ja, es wird gerade wieder eifrig geräubert. Neben der Katze, die das Zaunkönigsnest erwischt hat, konnten wir die Tage sehen, wie eine Krähe beim Eichelhäher versuchte Beute zu machen. Ob es ihm geglückt ist, weiß ich nicht. Interessant finde ich, wie wehrhaft manche Vögel sind und andere wieder gar nicht. Zaunkönig contra Katze ist natürlich ein Witz. So ist die Natur, aber für die „eigenen“ Vögelchen hofft man immer das Beste. Solange nicht die ganze Brut erbeutet wird. Das ist schon sehr schade. Schön deine Fotos. Es ist immer wieder so schön ein bißchen dabei sein zu können 🙂

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    • Och ja, die arme Zaunkönigfamilie… sowas ist immer total doof. Und ausgerechnet der Zaunkönig! Der hier bei uns wohnte, den hat auch eine Katze plattgemacht. Eine total dick gefütterte. Mann, war ich stinkig! Die hat den noch nicht mal gebraucht, um ihren Hunger zu stillen. Und dann muß sie ausgerechnet den einzigen Zaunkönig fangen, der hier herumhüpfte.

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      • Ach Männo, das ist ja doof! Ja, so ähnlich ist es hier auch gewesen. Die Katze hat die Jungen sicherlich aus ihrem Spieltrieb heraus geholt, aber so unnötig. Und ich konnte nichts machen. Mag ja Katzen, aber da war ich auch sauer. Das Nest war aber auch zu gut erreichbar, auch für andere Räuber. Gut versteckt, aber genauso gut erreichbar, seufz.

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      • So, auch den Kommentar hab ich grad erst im Spam-Ordner entdeckt. Entschuldige nochmal!
        Ja, das klingt ein bißchen wie Zaunkönigslotto. Aber wieetr oben ein Nest zu bauen, ist nicht weniger gefährlich. Da sind auch die Eichhörnchen Elstern, Eichelhäher udn andere Krähenvögel unterwegs. Gut verstckt im dornigen Gestrüpp muss das nicht unbedingt der schlechteste Platz sein. Und er hat dort keine große Konkurenz mit anderen Nestbauern. Auch ein wichtiger Vorteil.
        Immerhin hat der Zaunkönig bis jetzt mit dieser Strategie ganz gut überlebt.

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      • …nur bei der Nistplatzwahl muß er noch dazulernen. Stimmt schon, überall droht Gefahr. Katzen und Waschbären in der Menge hatte die Natur hier ursprünglich nicht vorgesehen. Aber jetzt ist es, wie es ist….

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      • Vielleicht hat dein Zaunkönig ja dieses Jahr zum ersten Mal gebrütet. Im Laufe der Zeit lernen die Vögel durch die Erfahrungen, die sie gemacht haben. Beim nächsten Mal sucht er sich vielleicht einen besseren Ort für sein Nest.

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      • Ich hoffe es. Manche haben einfach auch Pech. In der Ecke beobachte ich schon seit Jahren(?) einen Zaunkönig. Da hat er anscheinend sein Revier. Bei meinen Eltern im Garten hat ewig ein Buchfink erfolglos gebrütet (das Nest ist ja so niedlich, ganz winzig, und einmal saß es auf einem abgesägten Ast). Das letzte Mal hat er in der Buchenhecke gebrütet und als die Elstern von oben dran wollten hats meiner Mutter gereicht und sie hat ein Drahtnetz drübergebastelt (was sie sonst nie machen würde). Dann hats endlich geklappt 🙂

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      • Oh, wie toll! Das ist ja großartig, dass das geklappt hat! Dann hat der Buchfink sein Nest nicht verlassen, trotz dieser Veränderung direkt über seinem Kopf. Gut zu wissen! Ich hatte nämlich auch schon überlegt, ob ich das bei unserem Amsenest machen soll, hab mich aber nicht getraut. Ich hatte Sorge, dass ich die Amsel zu sehr stören würde und sie vielleicht ihr Nest verlässt. Und außerdem, so dachte ich, müßte sie im Wald ja auch ohne meien Unterstützung klar kommen…

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      • Ja, normalerweise hätte sie es nicht gemacht, aber nachdem der arme Buchfink die Jahre vorher schon immer Verluste hatte, hat es ihr gereicht 😉 Sie hat es damals irgendwie in die Hecke gebastelt, daß die Elster nicht von oben dran kommen kann. lch weiß nicht, wie andere Vögel drauf reagieren würden. Hängt viell. auch vom Nest ab. Und ja, in der Natur müssen sie alleine klar kommen. Sind sie denn noch alle da bei dir oder gabs Besuch von Elster, Krähe und Co??

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      • Es gab ein kleines Drama – eins hat die Elster geholt. Aber die anderen sind dann anscheinend gleich aus dem Nest gehüpft, obwohl sie noch gar nicht so weit waren, und haben sich in den dicht bewachsenen Beeten und unter unserem Carport im Holzlager versteckt. Wir haben sie zwei Mal aus Versehen aufgeschreckt. Die Amseleltern haben noch 2-3 Wochen lang in unserem Garten nach Futter gesucht. Daher hoffe ich, dass es 2 von den 3 geschafft haben, flügge zu werden. Ab heute Nachmittag bis Freitag hab ich wieder mehr Zeit für Beiträge, da wollte ich berichten. Dann gibt´s die etwas ausführlichere Story. Ich hoffe, das klappt so wie geplant…

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      • Ach je. Na immerhin nur eins und nicht alle!! Hast du sie denn noch gesehen die Kleinen? Aber davon berichtest du ja sicherlich….So kanns gehen und sie schaffen es viel schneller und besser sich durchzuschlagen, als unsereiner denkt.

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      • Ja, das eine hab ich aus Versehen zweimal aufgescheucht. Einmal war die Amselmama grad am Füttern. Sie schreckte ebenfalls hoch, saß dann 2 Meter vor mir auf dem Liegestuhl, während ihr Kleines in den Walnussbaum des Nachbarn hoch flog (da konnte es also dann schon fliegen! Beim 1. Mal nämlich noch nicht, da waren die Schwanzfedern noch nicht ausgebildet), und sah mich SEHR vorwurfsvoll an, um dann meckernd und schimpfend ihrem Kleinen hinterherzufliegen.
        Mann, die verstehen es auch, dir ein schlechets Gewissen zu machen, ich sag´s dir! 😉

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      • ^^ Du armes Ding! Dabei meinst du es doch nur gut 🙂 Nicht nur Vögel können uns nerven, wir auch die Vögel, lach!! Super, daß es schon flugfähig war. Ich glaube, die können das früher, als es manchmal beschrieben wird. Jedenfalls etwas. Wat mutt, dat mutt, wie man hier sagt.

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  3. Ein schöner Beitrag! Die Elster sind leider sehr clever, auch was ihre Beute betrifft. Oft holen sie sich schon die Eier, wenn die Vogeleltern nicht aufpassen. Du machst das genau richtig mit dem Nest. Nicht zu viel stören. Viel Glück für deine weiteren Beobachtungen.

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  4. Das finde ich auch so schwierig, zu akzeptieren, dass Natur auch Gefressenwerden bedeutet. Die Dohlen aus der Nachbarschaft haben im April im Garten die Nestlinge unserer Schwanzmeisen geschlachtet, über deren Ansiedlung und Zutraulichkeit ich so glücklich war. Danach war die ganze Schar geflohen und kam nicht wieder. Einmal nicht zuhause – und schon passiert sowas.

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    • Oh nööö! Da kann man gar nicht gefällt mir klicken! Oh mann…. ja, sehr schwer zu akzeptieren! Das kann ich in deinem Fall ganz besonders nachvollziehen! Nistende Schwanzmeisen im Garten, und dann das… ich fühle voll mit dir!

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      • Sowas passiert schon mal, kein Grund zur Verzweiflung.
        Dein Mitgefühl tut wohl, weiß ich doch, dass du sowas wirklich verstehst.
        Übrigens hat deine Anregung des Blühprotokolls dazu geführt, dass ich inzwischen etwas über 110 blühende Pflanzen notiert habe und einen Großteil des Tages mit Lupe und Bestimmungsbuch durch den Garten laufe – schließlich kann man nix protokollieren, dessen Namen man nicht kennt. Eine schöne Bereicherung meines Lebens, und dieses Jahr mit dem warmen Wetter ist ideal dafür. Danke!

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      • Oh wie cool! 🙂 ich seh´s vor mir 😉 hihi! sehr schön! Ja, der perfekte Anlaß, seine Artenkenntnis zu erweitern! Geht mir ganz genauso. Ich hab aktuell noch nicht zusammengezählt, aber ich bin auch so bei 100 bis 115 irgendwo und hab grad auch schon wieder ein Pflänzchen vor mir liegen, das der genauen Bestimmung harrt. Eins der weiß blühenden Labkräuter, Galium irgendwas. Es wächst dieses Jahr zum 1. Mal in unserem Garten.
        Freut mich sehr, was ich da ausgelöst hab 😉 Hab übrigens deine Grüße an Gerhard ausgerichtet; er hat sich sehr über uns Nachahmer gefreut!

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