Ein Unterschlupf für Fledermäuse

…oder dürfen es auch ein paar mehr sein?

„Schatz, wir brauchen einen Fledermauskasten!“ Überrascht sah ich auf. Ach, an die „heilige“ selbstgeschraubte Holzfassade des Hauses soll ein Fledermauskasten gehängt werden? Ist ja ´n Ding. „Ja, Fledermäuse sind cool!“ Stimmt, das finde ich auch.

Wir nahmen die Bauanleitung vom NABU. Die Maße stimmen mit denen des Schwegler-Fledermausflachkastens ziemlich überein. Um die ca. 3-4 mm tiefen Rillen zu bekommen, haben wir das Sägeblatt entsprechend tief gestellt und die Bretter einfach darüber gezogen. Vorsicht Finger! An den Rillen können die Fledermäuse in den Kasten klettern und sich festhalten.

Also recherchierten wir. Wie so ein Kasten aussehen muss. Und wo man ihn am besten hinhängt. Und wie ist das eigentlich mit dem Kot? Klebt der dann hübsch hässlich an der Hauswand? Greift der Kot das Holz an? Schließlich ist eine Holzfassade keine verputze Wand, die man jährlich neu streichen kann, und dann ist optisch wieder alles gut.

Fragen über Fragen! Die Antworten zu den ersten fanden wir schnell im Internet. Aber über den Kot fanden wir nichts. Wie gut, dass eine Freundin Fledermausbeauftragte ist und jahrelange Erfahrung mit Fledermauskästen hat. Sie kann uns da sicher weiterhelfen!

Und das tat sie auch. Ein paar Tage später drehte ich mit ihr mehrere Runden um unser Haus und dabei erfahre ich so einiges aus der Fledermauskastenpraxis.

Der Kasten ist unten offen, der Kot fällt raus. Aber ist ja kein Problem, wenn das nur winzige bröslige und trockene Krümel sind.

Unsere Hauptsorge mit dem Kot nahm sie uns gleich mal. „Fledermauskot besteht nur aus den Chtitinpanzern der Insekten und ist ganz trocken. Diese winzigen Krümel bleiben nicht an der Fassade kleben und auch am Boden wird euch nichts auffallen. Ihr werdet die Kotkrümel richtig suchen müssen, um zu wissen, ob Fledermäuse die Quartiere nutzen.“

Mit dieser Sorge weniger, waren wir gleich deutlich freier, was die Platzwahl anbelangt. Unsere Freundin ging gleich in die Vollen: „Ich würde an jeder Hausseite, in jede Himmelsrichtung, einen aufhängen. Und vielleicht noch einen am Erker.“ Wird es an der Südseite im Sommer nicht zu heiß? „Dann ziehen die Tiere um! An kühlen Tagen nutzen sie den Kasten an der Südseite, und an heißen den an der Nord- oder Westseite. Nur ein Kasten ist zu wenig!“

Ein bißchen staubig, aber doch ganz ansehnlich, oder?

Was dazu wohl mein Mann sagen wird? Nicht nur ein Kasten, nein, gleich vier oder fünf? „Fledermäuse wechseln ständig ihr Quartier“, erklärte unsere Freundin weiter, „manche Quartiere nutzen sie auch nur für einen Tag, und am nächsten Tag schlafen sie schon wieder woanders. Und weil sie so oft ihr Quartier wechseln, ist es auch so schwierig zu erkennen, ob ein Kasten genutzt wird. Aber mit mehreren Kästen erhöht ihr definitiv die Chance, dass sie einziehen.“  Ok, wir brauchen also mehrere Kästen damit das ganze Projekt Sinn macht und der Aufwand sich lohnt. Das ist doch wohl ein gutes Argument, oder? Unsere Freundin merkte wohl, welche Gedanken in mir vorgingen: „Es müssen ja nicht gleich vier sein. Fangt doch einfach mal mit zwei an.“ Nach einem kurzen Schweigen schob sie hinterher: „Oder drei …. Also drei wäre wirklich eine gute Zahl!“ In Gedanken sah ich meinen Mann in Diskussion mit unserer Freundin und musste schmunzeln.

Wir haben jetzt einfach erstmal zwei gebaut.

Und welche Kästen? Als alter Schwegler-Fan empfahl unsere Freundin uns natürlich den an sich recht gut aussehenden, aber teuren Fledermausflachkasten von Schwegler, v. a. den 1FF. „Der ist einfach genial! Damit hab ich nur gute Erfahrungen gemacht!“ Auch sehr gut, aber kostengünstiger sind die Fledermaushöhlen von Hasselfeldt. Sie haben außerdem den Vorteil, dass der Kot nicht rausfällt, wenn man diesbezüglich doch Bedenken haben sollte. Allerdings muss man sie dann auch irgendwann mal reinigen. „Bei denen von Hasselfeldt würd ich aber einen mit schmalem Einflugloch nehmen, nicht dass dann Siebenschläfer einziehen.“ Sie hat einen zur Ansicht mitgebracht. Als sie ihn aus dem Kofferraum holte, hörte ich meinen Mann, als würde er neben mir stehen: „Der ist hässlich! Der kommt mir nicht ans Haus!“

Vorsichtig fragte ich nach den Selbstgebauten aus Holz, wie sie der NABU vorschlägt und für die er Bauanleitungen zum Herunterladen anbietet. Nun schmunzelte unsere Freundin: „Ich weiß schon, ihr seid so aus der Selbermachenfraktion. Das könnt ihr natürlich auch probieren, aber da hab ich keine Erfahrung mit.“ Wir waren uns jedoch einig, dass der NABU diese Kästen wohl nicht schon seit Jahrzehnten vorschlagen würde, wenn es damit keine guten Erfahrungswerte gäbe. „Die von Schwegler halten halt Jahrzehnte. Und die aus Holz haben einen Nachteil: Wenn sie sich verziehen und Lücken entstehen, zieht´s im Kasten. Das mögen Fledermäuse gar nicht.“

Ein Kasten hängt jetzt an der Nordseite…

Und noch etwas sollten wir wissen, meinte unsere Freundin: „Es kann immer passieren, dass Hornissen oder Wespen einziehen.“ Ok, wenn oben unter dem Dach ein Hornissenstaat entsteht, finde ich das nicht so schlimm. Aber den Platz neben dem Schlafzimmerfenster strich ich in Gedanken trotzdem. In dem Fall müssen wir außerdem im Spätherbst die verlassenen Hautflüglernester entfernen. Da ansonsten keine Reinigung bei den Fledermauskästen anfällt, die unten offen sind, wäre das kein großer Aufwand.

… und einer an der Südseite.

Am Abend hielt ich meinem Mann einen kleinen Fledermauskastenvortrag. Wie erwartet, war er für´s bauen. „Aus Holz, dass sich nicht verzieht“, erklärte er mit Handwerkerstolz. Noch am Wochenende danach ging´s ans Werk. Gesägt, geschraubt und aufgehängt.

Sehen lassen können sie sich. Ob Fledermäuse einziehen, wird sich zeigen.

Liebe Fledermäuse, ihr seid herzlich eingeladen, bei uns zu übernachten… äh… zu übertagen!

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