Der Schönste mit dem besten Haus!

Sitzt nicht in den Eichen, sondern in einem unserer Obstbäume – im besten Licht! Was für Farben!

Unser Nachbar nimmt seine Weihnachtsbeleuchtung sehr genau. Pünktlich zur Nachmittagsdämmerung geht sie an, pünktlich zum Ende der Morgendämmerung aus, und immer genau bis zum 6.01.

Deswegen weiß ich auch noch, dass es dieses Jahr in der 1. Januarwoche war, als ich oben in den Kronen der Eichen und Birken unserer Straße ein vertrautes Knarxen und Knorxen hörte. Denn die Weihnachtsbeleuchtung war gerade angegangen. Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen – jetzt schon? Aber es bestand kein Zweifel, die Stare waren zurück! Wenn sie diesen (nicht vorhandenen) Winter überhaupt weg waren…

Entsprechend früh – ca. drei Wochen früher als sonst, bisher war es immer um Ende Februar herum – wurde dann auch der Starenkasten in Beschlag genommen. Wie jedes Jahr gab es mehrere Interessenten. Doch ein Star zeigte so deutlich seine Besitzansprüche an, dass schon nach kurzer Zeit niemand mehr den Versuch unternahm, sich das Häuschen anzueignen. Vielleicht war es derselbe Star, der schon im Herbst mit viel Tirrilli und Flügelschlagen klar machte, dass er hier im nächsten Frühjahr einziehen wird.

Oh, Herr Star macht sich so schön! Schillernd und flügelschlagend trällert und knarxt er sein ganzes Melodienrepertoir durch.

Nun gibt er sein bestes. Nicht unbedingt an Regentagen, aber bei Sonnenschein fährt er zu Hochtouren auf! Man hat den Eindruck, er weiß ganz genau, dass sein Gefieder dann besonders toll zur Geltung kommt. Was für ein Geschiller in schwarz, grün, lila und blau!

Jetzt stell dir mal vor, wir könnten wie die Vögel noch Ultraviolett wahrnehmen – was muss das für eine Farbenpracht sein! Kein Wunder, dass man diese Vogelart Star genannt hat, wie ein schillernder Star auf der Bühne sitzt er vor seinem Häuschen und trällert in die Welt hinaus: „Natürlich bin ich der Schönste mit dem besten Haus! Ich bin hier, hier, hier! Seht ihr mich?“

Oh, Damenbesuch! Herr Star und ich sind gespannt… sie hüpft um das Haus herum, hier hin und dahin, schaut ins Haus hinein, schlüpft hinein, nochmal auf´s Dach….

Nicht weniger Starallüren haben die Damen. Was sind die wählerisch! Es dauert immer ewig, bis dann wirklich eine einzieht. Manchmal tut er mir echt leid, wenn ich beobachte, wie sich schon wieder eine nach der Hausbesichtigung nur kurz schüttelt und den Abflug macht. So viel Mühe gibt er sich! Noch bevor die jeweilige Dame weggeflogen ist, sehe ich ihm an, dass er wiedermal verloren hat. Seine Körperhaltung ändert sich, und die aufgestellten Federn unter seinem Schnabel sinken in sich zusammen.

Anscheinend sieht es vielversprechend aus, denn Herr Star hüpft weg und holt ein paar Halme… doch da fliegt sie weg… Herr Star läßt die Halme los und schüttelt sich. Wieder nichts.
Dann schlüpft er ins Haus – anscheinend muß er Ordnung machen. Ein Gekruschtel, Inspizieren, zwei, drei Halme fliegen raus.

Aber er wird eine finden, da bin ich mir sicher! Seit der Kasten hängt, verging kein Jahr, in dem nicht mindestens ein Starenpaar hier seine Jungen großzog.

Neuer Versuch! Diese perfekte Nachmittagsbeleuchtung gilt es auszunutzen!

Na, dann, gut Glück, lieber Star!
Ich freu mich schon auf deine Familie!

 


Die Vögel leiden massiv unter dem Insektenschwund und den ausgräumten, einförmigen Landschaften und Gärten – zu wenig Altbäume mit Höhlen für Nester, zu wenig Verstecke für Nester in dichten Wildhecken, so dass die Beutegreifer leichteres Spiel als normal haben. Zu wenig Insektennahrung für sich und die Jungen. Zu wenig ungestörte Wiesenstreifen, zu wenig, zu wenig, von allem zu wenig.
Im Gegenzug gibt es zu viele Glasbauten und Scheiben, an denen die Vögel zerschmettern.
Und zu viele Schlingen und Fangnetze von Vogelfängern, allen voran in Ägypten und Italien, wo Singvögel als Delikatesse gelten. Aber auch in Spanien, auf Zypern und anderen Ländern rund ums Mittelmeer sterben jedes Jahr Millionen über Millionen Zugvögel durch Vogelfänger.

Es ist eigentlich ein Wunder, dass es überhaupt noch diese wunderbaren Tiere gibt…
Was auf dieser Welt passiert, liegt in unser aller Verantwortung.
Also, packen wir´s an!

Es gibt viel zu tun!

18 Kommentare

    • Du hast sie noch nie singen gehört? Ein tolles Geknarxe!

      Naja, „Einfallen und Plündern“ in diesem Zusammenhang ist eine sehr menschenzentrierte Sichtweise, weil manche*r es so empfinden mag. Neutral betrachtet ziehen Stare als Schwärme umher und ernten genauso wie wir, weil sie Hunger haben. Haben wir mehr Anspruch auf Nahrung als andere Lebewesen auf dieser Erde? Und auch Menschen treten oft in Massen auf – an Badeseen, in Fußgängerzonen oder an Stränden – , da wird das dann als in Ordnung empfunden.

      Klar, wollen wir natürlich auch was von unseren Obstbäumen ernten! Das will ich auch. Es gibt ja auch Möglichkeiten, dait alle was abbekommen.
      Andererseits gibt es auch viele Obstbäume, die nicht geernet werden, weil es „zu viel Arbeit“ ist. Selbst geerntetes Obst bekomme ich nur sehr selten los, weil vielen nicht nur die Ernte, sondern auch die Verarbeitung zu viel ist. So gesehen ist dann auch wieder genug für alle da 🙂

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      • Wenn ich mir aber viel Mühe im Weinberg gemacht habe, beschneiden, ausreizen, gießen, jäten usw., dann bin ich allerdings stinksauer, wenn innerhalb eines Tages die gesamte Ernte von den lieben Tierchen verzehrt wurde, bevor sie richtig war.

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      • Ah, du bist Weinbergbesitzerin? Das ist ja toll! Ja, das verstehe ich sehr gut! Das Gefühl kenne ich im Zusammenhang mit Schnecken. Vor allem, wenn es dann zum finanziellen Schaden wird, weil man damit sein Geld verdient, wird´s schwieirig.
        Trotzdem ist „einfallen und plündern“ eine menschenzentrierte Beschreibung 🙂 Die Stare sehen das ganz anders: Oh, lecker! Und eine gute Energiequelle! Wie gesagt 🙂 es gibt ja Möglichkeiten, wie man sein Obst oder wie in deinem Fall Trauben schützen kann. 🙂

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      • Ah! Wenn du die Stare aus deinem Wienberg kennst, dann müßtest du sie eigentlich doch schon gehört haben. Ein Starentrupp ist nie still 🙂 Stare singen nicht wie eine Amsel, sie haebn eine Menge Melodien, ahmen auch alle mögilchen Klänge und Geräusche nach, bis hin zu Feuerwehrautos oder Klaviermusik. Oder eben Knarxen 🙂 weiß nicht, wie man das besser beschreiben kann.

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      • Ah, verstehe! Ja, das stimmt, wie gesgat, sie mischen total viele Gesänge, Geräusche und Melodien ineinander. Kein Star singt wie der andere. Vermutlich, wenn sie so im Traubenrausch sind 😉 knarxen sie hauptsächlich ;-).

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  1. Ein Plus der Klimaerwärmung könnte sein, daß mehr Vögel hier überwintern. Dann entgehen sie den Vogelfängern. Dafür kommen andere zu spät und kriegen nix mehr. Wie auch immer, der Star ist niedlich und so hübsch. Ich drücke die Daumen, daß er bald eine Angetraute findet, die das Nest abnimmt 🙂 Hier bauen die Elstern an einem neuen Nest, in einem Baum fast am Haus. Das kann noch lustig werden 😉

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    • Stimmt, dann entgehen sie den Vogelfängern, gleichzeitig bringt es aber anderes aus dem Gleichgewicht. Mehr Vögel hier heißt auch, die Nahrung muß den Winter über für mehr reichen, und das in der ausgeräumten Landschaft…
      Jeden Tag schaut ein Trupp Stare bei meinem Futterhäuschen vorbei – und jedes Mal, wenn ich sie dabei beobachte, bin ich auch gerade am arbeitstelefonieren und kann keien Fotos machen oder bin dann zu spät dran :-/ egal! Man muß ja auch nicht immer alles auf Bildern festhalten.
      Hui! Ein Elsternnest so nah! Na, da bin ich mal gespannt! Hast du guten Sichtkontakt? Dann wird wohl dieses Jahr keine Amsel auf deinem Balkon brüten (?).

      Gefällt 2 Personen

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