Regenwasserversorgung: Wir rüsten weiter auf!

Aufrüsten ist ein schwieriges Wort in aktuellen Zeiten, das ist mir bewusst. Trotzdem fühlte es sich genauso an, als wir nach dem erneuten Extremsommer 2022 mit wochenlangen Trocken- und extremen Hitzeperioden beschlossen, ein weiteres Regenwasserfallrohr anzuzapfen. Eigentlich war dort gar kein Platz für den 1000-Liter-Wassertank, eigentlich befand sich dort ein gut eingewachsenes Wildstaudenbeet. Aber was nutzt das Beet, wenn die Pflanzen dort wegen Wassermangel den Sommer über kaum wachsen und blühen?

Und so gruben wir alle Pflanzen aus (wow, waren das viele!). Die meisten von ihnen bekamen einen neuen Platz im Garten, andere sollten ins neu angelegte Wassertankbeet. Einen halben Kubikmeter Erde und Lehm tiefer dann war der Untergrund so bockelhart, dass weiteres Graben unmöglich wurde. Also rein mit dem Tank…und nochmal raus, und nochmal nachgraben, wieder rein… paßt! Jihuu! Damit der Druck der Erde den Tank nicht einbeult, Noppenfolie rundherum, Tank einbauen mit Steinen, Holz und Erde, und alte und neue Pflanzen auf das neue Beet. Hoffentlich macht ihnen die geringe Erdtiefe auf dem Tank nicht allzuviel aus.

Der eingegrabene Wassertank macht noch eine weitere Anschaffung notwendig: eine Wasserpumpe. Gießen mit Strom, hab ich bisher vermieden. Gießen statt Fitnessstudio oder HIT-Training war bisher die Devise. Die Wasserpumpe hat aber auch einen Vorteil: Ich kann größere Wassermengen an die Orte schaffen, wo es dringend Wasser braucht. Gleichzeitig birgt das natürlich auch die Gefahr, dass man den Tank deutlich schneller leer gießt als es sein müsste. Nun ja, die Praxis wird es zeigen, der nächste Sommer kommt bestimmt.

Ein bißchen trauerte ich noch dem alten Beet nach. Klimawandelanpassung nennt sich sowas. Nichts, worauf man Lust hat, aber leider notwendig. Jeder Liter Wasser zählt. Nun hoffen wir auf ausreichend Regen im Frühjahr. Dadurch, dass der Neue nun halb unter der Erde ist, können wir ungeachtet möglicher später Frühjahrsfröste zumindest in diesem Tank schon etwas früher mit dem Regenwasser sammeln beginnen. Gute für die Gemüesebeete, und v. a. für`s Gewächshaus.

Wenn man mal darauf achtet, ist es erstaunlich, wie wenig die Ressource Regenwasser genutzt wird – und das bei der Bebauung und den vielen Dachflächen, vor allem in Städten! Einfach Wasser aus der Leitung ist ja auch viel einfacher. Oder den Dorfbrunnen anzapfen, dessen Wasser dann nicht mehr im Bach landet, der ohnehin schon zu wenig Wasser führt. Ganz neu in Mode: sich einen eigenen Brunnen bauen. Yeah! Gießen für umme, den steigenden Wasserkosten ein Schnippchen schlagen!
Bei all dem verrechnet man sich jedoch ordentlich. All dieses Nass ist Grundwasser, das seit mehreren Jahren schon in weiten Teilen Deutschlands nicht mehr in den Mengen nachgebildet wird, wie wir es rausziehen. Das liegt nicht nur daran, dass es zu wenig regnet, sondern auch an den stetig steigenden Versiegelungen, auch auf privaten Grundstücken und in Gärten. Und es liegt daran, dass verdichtete Böden das Wasser nicht aufnehmen können, und dass Drainagen (auch in Wäldern!) es so schnell wie möglich ableiten.

Aber zum Versickern braucht Wasser Zeit. Zeit, die Garten-, Wald- und Landbesitzer*innen ihm nicht geben wollen, weil sie unbedingt 365 Tage im Jahr jederzeit ihre Flächen trokenene Fußes – ohne Matsch – betreten und mit Traktoren befahren können wollen. Mal ein paar Tage warten, bis der Boden wieder trockener ist? „Nee, das geht nicht!“

In den letzten Jahrzehnten hieß es immer: „Deutschland hat mehr als genug Wasser! Wasserprobleme wird es bei uns nicht geben.“ Pustekuchen. Wir arbeiten daran, und zwar fleissig!

Aber es gibt zum Glück Good News: So startet zum Beispiel in Nürnberg gerade eine Regenwasserinitiative, #1000TanksfürNürnberg, mit dem Ziel, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, und gerade in der Stadt die Versorgung des städtischen Grüns und der städtischen Gärten auf Regenwasser umzustellen. Und das ist mit Sicherheit nur ein Beispiel, wo Menschen in Sachen Regenwasser aktiv werden…

10 Kommentare

  1. Das Endergebnis ist gut geworden, sehr schön auch mit den Steinen, auch wenn dafür dein Beet weichen mußte. Ich frage mich zwar, ob man nicht noch mehr auf Pflanzen setzen sollte, die mit weniger Wasser auskommen, denn bei dem letzten Extremsommer war gießen ja irgendwann fast nicht mehr machbar. Hier jedenfalls. Wenn man Gemüse anbaut, ist das sicher noch mal was anderes. Die Idee finde ich gut und auch ich würde versuchen, im Winter so viel Wasser zu sammeln, wie möglich, aber ich fürchte, es würde hier nicht lange reichen. Naja, man versucht, was man kann. Bin gespannt, wie es sich für dich und deinen Garten entwickelt! LG

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    • Danke! 🙂
      Ja, stimmt, darüber hab ich mir auch schon Gedanken gemacht. Das Ding ist nur, dass an den heimischen Pflanzen ganze Ökosysteme mit all den Tierarten dranhängen. Nur, weil man andere Pflanzen in den Garten setzt, tauscht sich das ja nicht einfach mit aus. Bestes Beispiel sind die Baumarten aus Übersee, auf die in der Forstwirtschaft gesetzt wird. Soo wird z.B. deren Laubschlechter zersetzt, damit fehlt der Bodenfauna wichtige Nahrung, sie verändert sich bzw. stirbt halt einfach, weil eben ohne Nahrung, und somit werden ganze Kreisläufe unterbrochen.
      Oder die Eichhörnchen können die Eicheln nicht knacken, weil sie viel zu hart sind oder derartiges.
      Ein anderes Beispiel ist die Einführung von Regenwürmern in Kanada, die dort eigentlich nicht vorkommen. Es klingt für uns hier komisch, aber sie gehören dort nicht ins Ökosystem, ihre Aufgaben erfüllen dort andere Tiere, die nun alle verdrängt werden, mit gravierenden Folgen, weil an denen wiederum andere Arten dranhängen… Die Regenwürmer bringen dort ganze Ökosysteme auf sehr negative Weise durcheinander.

      Die heimische Flora und Fauna wird sich sicher durch diese Hitze und Trockenheit verändern, vieles wird verschwinden. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was das für Folgen hat…

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      • Das ist verständlich. Es gab ja auch mal ein Beispiel aus Australien, wo der Mist der eingeführten Rinder nicht von den heimischen Mistkäfern angerührt wurde, woraufhin es eine Fliegenplage gab 😉

        In einem Garten läßt sich das vielleicht ein Stück weit steuern, wenn genug Wasser da ist. Da stellt sich allerdings schon mal die Frage, wie lange das dann ausreicht. Oder man muß wie im Obstanbau mit Tröpfchenbewässerung arbeiten. Das scheint ja gut zu klappen. Meinen Patenbaum habe ich letztes Jahr fast gar nicht gewässert, weil man gegen die wochenlange Trockenheit einfach nicht ankam. An den extremen Tagen habe ich mal ein bißchen gegossen. Naja, vielerorts paßt sich die Natur ja an. Letztenendes muß es vielleicht gar nichts exotisches sein. Es zeigt sich ja, das Wilde Möhre, oder beispielsweise das böse Greiskraut (okay, das dann wohl nicht 😉 und ein paar andere Wildkräuter hart im Nehmen sind und wochenlang ohne Wasser auskommen. Die Wiesenmargeriten hier genauso. Ich habe echt gestaunt. Im August war allerdings im Oberboden so gut wie kein Pflanzenverfügbares Wasser mehr, da ließen sogar die Unkräuter die Köpfe hängen. Aber genau wie beim Gras, nach ein bißchen Regen kamen sie wieder. Man muß halt gucken, was gut ohne oder mit sehr wenig Wasser auskommt und ich glaube, da gibts einiges. Und sonst noch mit Mulchen und Hacken arbeiten. Wir werden es herausfinden (müssen)…..

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      • Ja, wir werden es herausfinden müssen. Eigentlich hatte ich bis 2018 auch den Standpunkt, dass ich im Garten außer Gemüse gar nichts gieße, und das alles klar kommen muß. Aber seit 2018 kommt halt ein trockener Sommer nach dem anderen. Wir haben hier teilweise monatelang keinen Regen. Wenn man so zusehen muß, wie alles kaputt geht, was man liebevoll gepflanzt hat, dann hält man es irgendwann – nach mehreren Wochen – nicht mehr aus und greift dann doch zur Gießkanne, um zumindest das ein und andere vielleicht bis zum nächsten Regenschauer rüberretten zu können. Ich will halt auch einfach nicht, dass in einem trockenen Sommer alles, was ich seit Jahren mühselig versuche, an heimischen Wildpflanzen wiederanzusiedeln, kaputt geht. Aber es ist schon so, vieles wird sich nicht retten lassen können.
        Sehr frustrierend… und gleichzeitig haben viele den Ernst der Lage immer noch nicht gecheckt. Aktuell diskutiere ich mit einem Bürgermeister einer Nachbargemeinde herum, dass er doch bitte die hunderte Jahre alten Eichen nicht als Brennholz verhökert… Eiche, das wertvollste Holz, sowohl als Bauholz als auch vom ökologischen Wert her!!! Wenigstens Bauholz/Parkett, das wäre das mindeste. Ober eben als Totholz lieben lassen. Der ökologische Wert würde für viele Jahrzehnte bestehen bleiben, sehr weit über unser aller Leben hinaus.
        Tja, was soll man sagen. Ohne Worte. Und das im 21. Jhd., so dermaßen von vorvorgestern. Wobei man „vorvorgestern“ den Wert solcher dicken Eichenstämme deutlich besser zuschätzen gewusst hätte.

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      • Ja, unsere Altvorderen wußten so manches Gutes. Auch der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Komisch, wie schnell sowas verloren geht! Und daß es dann noch Leute gibt, die gar keine Vorstellung vom Wandel oder der Wichtigkeit von bestimmten Pflanzen / Biotopen etc. haben, ist fast nicht nachvollziehbar, aber ich fürchte, davon gibt es noch eine ganze Menge. Es gibt aber auch immer mehr, die was merken. Zum Glück.
        Dass du das, was du angepflanzt hast, erhalten möchtest, kann ich gut verstehen. Meinen Balkongarten gieße ich ja auch. Vielleicht finden sich noch ein paar Methoden, um mit weniger Wasser auszukommen. Hier hat es ja auch extrem wenig geregnet, wie in vielen anderen Landesteilen auch. Beim Patenbaum habe ich es einfach aufgegeben und zum Glück haben sich die Pflanzen, die sich dort durchsetzen konnten, recht gut gehalten. Hornklee und Wundklee und ein paar andere. Auf der anderen Seite machen wir uns vielleicht unnötig Streß, wenn wir an etwas festhalten wollen, was hier nicht mehr klarkommt. Geht mir nicht anders. Interessanterweise las ich die Tage einen alten Kommentar hier im Blog von einer Frau, die schrieb, daß sie jetzt drauf guckt das in ihrem Garten wachsen zu lassen, was dort ohnehin gedeiht und vorkommt und die Natur mehr machen zu lassen. Seitdem wäre es für sie viel entspannter. Früher wollte sie so viel anderes anpflanzen und hatte dauernd Streß, weil dies nicht wollte oder das gefressen wurde oder jenes nicht wachsen wollte.

        Vielleicht kann man Kompromisse finden und die Menge an empfindlichen Pflanzen reduzieren oder den Boden anders bearbeiten. Da gibt es vielleicht noch Möglichkeiten.

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      • Bei uns im Garten wachsen eigentlich so gut wie nur heimische Pflanzen, wir haben keine so typischen Gartenstauden oder sowas. Von dem her bin ich auch genau der Meinung, dass das eigentlich ohne uns klarkommen muß. Trotzdem sind die meisten dieser heimischen Pflanzen von mir angepflanzt worden, weil sie natürlicherweise hier bei uns kaum noch irgendwo vorkommen. Und obwohl sie heimisch sind, ist es gut Arbeit, sie zu halten. Dank der starken Düngung überall um uns herum ist der Stickstoffeintrag sehr hoch, entsprechend wuchert das Gras und überwuchert alles, was nicht kräftig genug wächst. Zu wenig Bestäuber erschweren die Selbstaussaat der Pflanzen. Und natürlich gibt es auch Verluste durch grabende Mäuse und Ratten oder unseren Hund 😉 – und die Schnecken, die so gut wie keine Fraßfeinde mehr haben. Denen gefällt Gießen natürlich auch. Noch ein Grund, weswegen ich damit eigentlich sehr sparsam bin.
        Und nun kommen aber diese crassen Sommer auch noch dazu…

        In unserem Naturgarten mit all den eigentlich heimischen Pflanzen steckt also auch Geld und Mühe, und ich möchte dieses Jahr nicht mehr so lange zusehen, wie den Sommer über alles vertrocknet und kaputt geht, was ich hier seit Jahren mühselig versuche anzusiedeln, was eigentlich überall frei wachsen sollte. Letztes Jahr hab ich viel zu spät, erst nach wochenlanger Trockenheit und Hitzeperioden, angefangen, einzelne Pflanzen zu wässern und versucht, sie bis zum nächsten Regen rüberzuretten. Wie viele der Mehrjährigen es geschafft haben und wie viele der Einjährigen sich mit Erfolg aussäen konnten, wird sich diesen Sommer zeigen.
        Ja, und die Gemüsebeete brauchen auch deutlich mehr Wasser, als ich ihnen letztes Jahr gegeben habe. Sonst fällt die Ernte allzu gering aus.

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  2. Du wirst herausfinden, wie es am besten klappt. Ich wußte beispielsweise nicht, daß man durch Hacken die Verdunstung verringern kann. Ich hätte gedacht, das bewirkt genau das Gegenteil. Eine Freundin von mir mulcht viel, gießt relativ wenig, aber wenn, dann richtig viel, bis der Boden so „halbwegs“ gesättigt ist. Oder ist regelmäßige Tröpfchenbewässerung dann doch besser? Hängt sicher auch vom Boden ab. Würde mich alles mal interessieren. So, ich wiederhole mich hier dauernd, weil ich immer wieder den Faden verliere, deshalb mache ich mal Schluß. Bin gespannt, was du berichten wirst. Bin aber auch schon sehr gespannt, wie dieses Jahr überhaupt wird?! Ich wünsche dir, daß die meisten deiner Pflanzen wiederkommen und ein gutes Gartenjahr sowieso 🙂 LG

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    • Danke liebe Almuth! Ja, das Thema wird uns die nächsten Jahre begleiten und es wird leider nicht besser werden. Unsere heimische Flora und Fauna und unsere Ökosysteme sind an diese wochen- oder auch monatelangen Trockenperioden und an diese Hitze nicht angepaßt und sie werden sich auch nicht daran anpassen können, die Temperaturen und die Trockenheit sind zu hoch und weit außerhalb ihrer ökologischen Toleranzgrenzen. Es wird dadurch weitere Verluste unter den Arten geben. Egal, welche Gieß und Pflanzkonzepte wir uns ausdenken, es lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad auffangen. Wenn man sich intensiv mit den Auswirkungen der Klimakrise beschäftigt, weiß man, warum eine Gruppe aus der Klimabewegung „Extinction“ in ihrem Namen stehen hat.
      Aber wir, unsere Gesellschaft und weltweit auch, machen trotzdem weiter wie bisher, Hauptsache das Wirtschaftswachstum stimmt und wir können weiterhin konsumieren, konsumieren… wir konsumieren unseren Planeten zu Tode….
      Traurige Grüße! Sabine

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