Sonnen, Sternchen und Kuckucksspucke

Schlüsselblumentränchen...
Tränchen um die Schlüsselblumen des Nachbargartens…

Na? Schon den Rasenmäher aktiviert ;-)? Unserer ruht noch in den dunklen Tiefen unseres Gartenschuppens, gut zugedeckt vom Staub des Winters und dicken Spinnweben. Aber rund um uns herum wummern schon regelmäßig die Motoren und sorgen für makelloses kurzes Grün im Garten. Wie letztes Wochenende, als ein Rasenmäher hunderte von zarten Schlüsselblümchen fraß… einfach so…emotionslos zog er seine Bahnen und das Zitronengelb verschwand in seinem dicken Bauch…Es tat wirklich weh, und ein Tränchen bahnte sich seinen Weg. Um diese Schlüsselblumenwiese hab ich die Nachbarn so beneidet…

Kleine leuchtende Sonnen im Gartengrün: das Scharbockskraut.
Kleine leuchtende Sonnen im Gartengrün: das Scharbockskraut.

Nein, da können wir nicht mithalten. Bei uns leuchten im saftig wachsenden Grün die kleinen Sonnen des Scharbockskrauts (Ranunculus ficaria) und die weißen Sternchen der Buschwindröschen (Anmeone nemorosa). Und Löwenzahn; ja, er darf bei uns wachsen. Er ist sogar herzlich willkommen. Seine jungen Blättchen sind lecker im Salat. Die ganz jungen Blütenknospen, in Zwiebeln und Sahne mit Salz und Pfeffer angebruzelt, geben eine leckere Nudelsoße. Und Löwenzahnhonig – von Honigbienen oder selbstgemacht – ist eine echte Frühstücksbereicherung.

Eine Löwenzahnblume ist wie ein dichtgepackter Blumenstrauß aus lauter einzelnen Blüten - oder eben ein "Korb voll Blüten", typisch für alle Mitglieder der Korbblütler.
Eine Löwenzahnblume ist wie ein dichtgepackter Blumenstrauß aus lauter einzelnen Blüten – oder eben ein „Korb voll Blüten“, typisch für alle Mitglieder der Korbblütler.
Zarte Schönheit Wiesenschaumkraut: Seine Blütenknospen sehen aus wie Röschen, die Blütenblätter sind fein und lila geädert.
Zarte Schönheit Wiesenschaumkraut: Seine Blütenknospen sehen aus wie Röschen, die Blütenblätter sind fein lila geädert.

Und überall dazwischen wächst Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis). Ein zartes Weiß mit lila Hauch.
Diese kleinen Pflänzchen bekommen ganz schön viel Besuch! Von Hungrigen und von Eierablegern.
Um den Nektar aus den trichterförmigen Blüten trinken zu können, braucht insekt einen Rüssel, also eine Art „Strohhalm“, wie ihn Falter, Bienen oder die kleinen Wollschweber haben.
Oder insekt macht es wie die Wiesenschaumzikade: einfach Pflanze anstechen und direkt vom Pflanzensaft trinken. Die Wiesenschaumzikade lässt auch ihre Eier da. Denn ihre Raupen ernähren sich ebenfalls vom Pflanzensaft. Schon mal was von „Kuckucksspucke“ gehört? Am Wiesenschaumkraut findet man häufig kleine weiße Schaumblasen (daher der Namen WiesenSCHAUMkraut), die sogenannte „Kuckucksspucke“. Es sind Schaumnester aus Pflanzensaft. In diesen hockt, gut geschützt, das Kleine der WiesenSCHAUMzikade.
Auch der Aurorafalter lässt seine Eier da, aber nur eins pro Pflanze. Denn seine Raupen dulden keine Konkurrenz durch Artgenossen. Sie fressen die Blüten und unreifen Früchtchen der Pflanze. Erst, wenn´s sein muss, machen sie sich über den „Salat“, die Blätter, her.

Ja, ich bin ein großer Fan vom Wachsen lassen 🙂 Aber wir werden natürlich auch demnächst den Rasenmäher hervorholen. Wir müssen Wege mähen, und zwar die, die wir ständig durch unseren Garten hin und herlaufen. Auch rund um die Feuerstelle und dort, wo unsere Liegestühle im Garten stehen, ist Mähgebiet. Denn hohe Wiese und häufige Flächenbenutzung verträgt sich wirklich nicht.
Aber der Rest bleibt stehen.
Und um Blümchen wird drumherum gemäht.
Vielleicht spricht sich das ja herum, und die Schlüsselblumen von nebenan ziehen im nächsten Jahr um, in unseren Garten…

 


Noch mehr Unkrautideen? voila 🙂

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5 Kommentare

  1. Schön geschrieben ! Euer Rasen scheint schön bunt zu sein 🙂 Und daß bei euch im Garten Wiesenschaumkraut wächst, finde ich toll. Ihr müßt einen feuchten Rasen haben ?! Ich kenne die Pflanze eigentlich nur noch aus meiner Kindheit. Da wuchs sie überall auf den Wiesen (heute sehe ich sie kaum noch) und an die Kuckucksspucke kann ich mich auch erinnern 🙂 Die hatte ich letztes Jahr sogar bei mir auf dem Balkon. Ich drück die Daumen für die Schlüsselblumen !! (wie kann man nur so gefühllos sein und sie abmähen ?!!)

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    • Danke für die Blumen 🙂
      Ich hoffe ja, unsere Wiese und Rasen werden noch bunter. Aber wenn drumherum nicht viel wächst, kann auch nicht viel einwandern. Mit dem Sammeln von Samen und im Garten verteilen hatte ich bisher noch kein großes Glück. Und manchmal verschwindet eine Art auch aus unerklärlichen Gründen wieder. Vor zwei Jahren hatten wir ganz viel Rotklee – wunderschön. Aber dieses Jahr such ich ihn bisher vergeblich…
      Ja, das mit den Schlüsselblumen hab ich auch nicht verstanden. Da muß einbestimmter Ordnungssinn dahinter stecken, der mir völlig fehlt 😉

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      • Das ist manchmal schon ein Mysterium für sich, was bleibt und was wieder geht. Hier landet doch einiges durch den Wind und die Vögel tun ihr übriges (bzw. das Vogelfutter) 🙂

        Und wie siehts mit weißem Klee aus ? Der kriecht doch so wunderbar wie der Günsel 😉 Vielleicht funktioniert das ? Rotklee versuche ich gerade groß zu kriegen, aber irgendwas knabbert an ihm…grmpf. Ja, manches klappt und anderes will gar nicht. Das passende wird schon von alleine kommen 🙂

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      • Der weiße Klee ist dieses Jahr komischerweise auch nicht da… Ja, das passende kommt von alleine. Wie die rätselhafte Rosettenpflanze. Oder die Braunwurz, die sich zwischen unseren Büschen angesiedelt hat. Oder wie die Glockenblume, die in meinem Blumenbeet aufgetaucht ist 🙂 hat sich schon wieder gelohnt, nicht alles einfach rauszuzupfen!
        Viel Glück beim Roten Klee! Normalerweise hält es ein Pflänzchen schon aus, wenn mal was an ihm knabbert. Ganz nach dem Motto: „Was dich nicht umbringt, macht dich hart!“ sind sie dann im nächsten Jahr gleich viel robuster. 🙂

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      • Das ist ja seltsam mit dem Klee…dafür eine Menge anderer schöner Gewächse ! Ja, ich hoffe, daß das Motto für den Rotklee zutrifft. Den hätt ich schon gerne für die Hummeln 🙂 Der weiße wächst jedenfalls ! Liebe Grüße, Almuth

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