Schattenserie: Beinwell grows well!

Diese Beinwellpflanze ist mittlerweile an die zwei Meter hoch. Hier auf dem Foto von Mitte Juni kann sie sich noch selbst aufrecht halten. Mittlerweile ist sie so lang – und schwer – dass sie sich an den benachbarten Haselstrauch angelehnt hat.

Letzten Herbst rupfte eine Freundin drei Pflänzchen Beinwell aus dem trockenen Boden ihres Gartens aus und gab sie mir mit den Worten: „Der wächst scho.“ Mit Blick auf die mickrigen, abgerissenen Wurzelstümpfchen hatte ich da zwar so meine Zweifel. Aber die Wuchsfreude des Beinwells in ihrem Garten schien ihr recht zu geben.

Also rein in die lehmige, unwirtlich wirkende Erde aus dem Aushub des Erdkellers, die wir links der Erdkellertreppe aufgehäuft hatten. Ein Versuch ist es wert.

Anfangs setzten die Schnecken den kleinen Beinwellpflänzchen, die nur aus ein paar wenigen Blättern bestanden, arg zu. Dann kam der Winter und es hatte sich erstmal ausgeschneckt. Im Frühling fing der Beinwell tatsächlich an zu wachsen. Und seitdem wächst und wächst und wächst er. Meine Freundin hatte recht, „der wächst scho“, und zwar ordentlich! An die zwei Meter ist eine der Pflanzen mittlerweile hoch. Mit ihren riesigen Blättern wirkt sie fast tropisch.

Streicht man über seine rauen Blätter, merkt man schnell, dass er dem Namen seiner Pflanzenfamilie alle Ehre macht: Er gehört zu den Rauhblattgewächsen, Boraginaceae, zusammen mit so bekannten wie hübsch blühenden Gewächsen wie Natternkopf, Lungenkraut, Vergissmeinnicht und Borretsch, der vor kurzem auf dem Blog naturaufdembalkon sehr hübsch beschrieben wird.

Beinwell-Arten gibt es mehrere. Unter anderem den Echten oder Gemeinen Beinwell, Symphytum officinale. Dieser ist eine Auenwaldpflanze, und wächst dementsprechend in nährstoffhaltigen Böden, vor allem Lehmboden, und wo es viel Feuchtigkeit gibt. Mmh, bei uns am Nordhang kann es ganz schön trocken sein, was ihm aber bisher nicht viel auszumachen scheint.

Was ihm auch nicht fiel ausmachte, war der Starkregen, der ihn wegen seinen großen Blättern auf den Boden niederdrückte. Als ich einen halben Tag später mit Hilfe von Haselstöcken und Schnur die Pflanzen vorsichtig aufrichten und anbinden wollte, waren sie schon längst weitergewachsen. Die neuen Stengelabschnitte ragten senkrecht in die Höhe. Wahnsinn, wie schnell der wächst! Der Beinwell, ein Stehaufmännchen. Wie passend, dass er zur Behandlung von Knochenbrüchen und offenen Wunden sowie für Verletzungen an Sehnen und Bändern eingesetzt wird. Wenn ich so recht darüber nachdenke, darf er eigentlich in keinem Kräutergarten fehlen!

Die größte Beinwellpflanze band ich dann doch hoch, weil sie mit ihren riesigen Blättern alle anderen Pflanzen zudeckte. Sie wächst nach wie vor munter weiter.
Seit zwei Wochen blüht der Beinwell jetzt – eine wahre Bienen- und Insektenweide!
Aber auch eine Augenweide, oder?

Beinwellblüten im Schatten mit Gegenlicht – irgendwie magisch.
Der Echte Beinwell blüht nicht immer nur lila, seine Blüten können auch weiß oder rosa sein.
Die röhrenförmigen Blüten lassen nicht jeden Blütenbesucher hinein. Nur für schmale Insekten oder für Insekten mit langem Rüssel geeignet.

Sollte er sich zu sehr im Garten ausbreiten, gibt es eine gute Verwendung für ihn: Beinwelljauche soll nicht nur guten Dünger abgeben, sondern auch gegen Spinnmilben, Blattläuse und Mehltau helfen.

Na, das klingt doch so, als könnte man nicht genug Beinwell im Garten wachsen haben!

 


Lust auf noch mehr Schattenliebende Pflanzen? Eine Auflistung aller erschienenen Folgen der Schattenserie findest du im Beitrag „Pflanzenwelt im Schattenreich„.

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9 Kommentare

  1. Wow 2m ist echt hoch! Wir haben auf unserer nassen Wiese Beinwell in Massen (so 20 Stk. würde ich schätzen) aber die werden vielleicht 1m hoch.
    Super Posts übrigens, ich lese seit einigen Wochen wahnsinnig gerne mit!

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Minn!
      Herzlich willkommen auf meinem Blog :-)! Vielen Dank für dein Kommentar, freut mich sehr, dass du hier gerne mitliest und wie schön, von dir nun zu wissen :-)!
      Die 2m sind schon eine Ausnahme und haben sicher mit den Lichtverhältnissen an unserem Nordhang zutun. Da will er halt hoch hinaus, der Beinwell, Richtung Sonne. Alle anderen Beinwellpflanzen, die hier im Ort in anderen Gärten wachsen, sind auch eher – wie bei dir – diese 1 bis 1,2m hoch.
      Viel Spaß weiterhin beim Lesen! Hab hier grad ein paar weitere Beiträge in der Pipeline, es fehlt jeweils „nur noch… wie immer reicht die Zeit nie, alles so schnell umzusetzen, wie´s im Kopf entsteht 😉
      Bis bald! Und einen guten Wochenstart!
      🙂

      Gefällt 1 Person

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