Kühlschrank aus! Erdkellersaison 2020/21

Natürlich hatten wir auch diesen Winter wieder unseren Kühlschrank ausgeschaltet. Wie die Winter davor gingen um den Faschingsbeginn herum, genauer gesagt am 12. November 2020, seine Lichter aus.

In den frostigen Januartagen hielt wieder eine Kerze die Temperatur über dem Gefrierpunkt. Jedes Mal bin ich erneut erstaunt, was so eine kleine Flamme bewirkt! Es ist dann immer richtig gemütlich, in dem Raum unter der Erde, vor allem wenn man aus der Minusgrad eisigkalten Nachtluft hereinschneit, man vielleicht sogar erst noch die Treppenstufen von Schnee befreien mußte, um hierher zu kommen. Um einen herum lagern Äpfel, schlummern Marmeladengläser, Gläser voll mit eingemachten Birnen und Zwetschgen, der eigene Apfelessig und eben alle Kühlschranksachen samt ein paar Bierkästen… gibt es etwas heimeligeres als so eine Vorratskammer unter der Erde?

Dieses Frühjahr war im Vergleich zu den Vorjahren deutlich länger kalt. Das machte sich natürlich auch im Erdkeller bemerkbar. Erst in der ersten Maiwoche kletterte die Temperatur, und am 8. Mai bei 8° C Raumtemperatur war´s dann Zeit, den Kühlschrank wieder einzuschalten. 178 Tage – so lange dauerte unsere Erdkellersaison noch nie!

Zum Vergleich:

  • Wintersaison 2016/17: 144 Tage, bis zum 30. März 2017.
    Im ersten Erdkellerjahr haben wir die Erdkellersaison schon bei 7 Grad-Raumtemperatur beendet.
  • Wintersaison 2017/18: 151 Tage, bis zum 12. April 2018 – Saisonende bei 8° C Erdkellertemperatur.
  • Wintersaison 2018/19: 153 Tage, 18. Nov 2018 bis zum 20. April 2019 – Saisonende bei 9° C Erdkellertemperatur.
  • Wintersaison 2019/20: 12. Nov 2019 bis …
    Tsss! Letztes Jahr haben wir doch glatt vergessen, den Tag, an dem wir die Erdkellersaison beendet haben, mit einem Foto zu markieren! Dem sonstigen Geschehen nach muß es aber Anfang April gewesen, denn am 6. April haben wir im T-Shirt Kartoffeln gesetzt. Da war der Kühöschrank mit Sicherheit schon wieder an!
    Also wohl insgesamt max. 145 Tage.

Was ich sehr bedauere: dass ich meinen Gemüseeinkauf nun wieder umstellen muß. In der feuchten Luft des Erdkellers hält es nämlich deutlich länger frisch als im Kühlschrank und wird bei weitem nicht so schnell lappig und schrumpelig. Sehr praktisch, weil man deutlich weniger oft wegen frischem Gemüse los muß zum Enkaufen. Und man hat deutlich weniger Gemüseteile, die man Richtung Kompost aussortiert.

Obwohl der Kühlschrank nun wieder läuft, ist der Erdkeller dieses Jahr noch nicht im Dornröschenschlaf versunken. Abgesehen von den Flaschen Apfelessig, der Marmelade und dem eingemachtem Obst lagern dort auch immer noch Äpfel! Unglaublich, was man mit so einem Raum unter der Erde für eine Haltbarkeit erzielen kann.

So gut funktionierendes von früher wieder vermehrt nutzen, das ein oder andere vielleicht mit einem Update ins 21. Jahrhundert, also die Kombi „Gutes von früher“ und „Gutes von heute“ – das wäre doch ein echter Gewinn für die Zukunft…

9 Kommentare

  1. Echt toll, euer Erdkeller! Mit dem Licht dazu siehts richtig heimelig aus, aber es dürfte kalt gewesen sein. Mich erstaunt auch jedes Mal wieder, daß die Kerze den Raum frostfrei hält. Wahnsinn! Wie „warm“ wird es im Sommer darin? Ich glaube, daß hatten wir schon mal oder? Jedenfalls könnt ihr bestimmt das ganze Jahr so manches darin lagern. Als es früher noch keine Kühlschränke gab, mußte es ja auch so gehen. Die Äpfel könnten vielleicht noch etwas mehr Feuchtigkeit bei der Lagerung brauchen, ansonsten sehen sie noch gut aus für die lange Zeit! 🙂 Ein beeindruckendes Projekt!!! LG aus dem sonnigen Norden

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    • Im Sommer hat es dort so 15 Grad, wenn es sehr trocken und heiss ist, auch mal 18 oder so, glaub ich. Den Sommer über achte ich da nicht so drauf.
      An sich hat es im Keller so gut wie immer 100 % Luftfeuchte, auch jetzt – ich hab gerade schnell nachgeschaut – steht der Zeiger auf Anschlag bei 100 %. Das Foto ist etwas verwackelt, und man bedenke: Die Äpfel liegen dort seit 9 (!) Monaten!! Und immer noch top für´s Müsli! Oder Apfelstrudel oder Marmelade. Aus den letzten sauren Einkochäpfeln (eine Boskopsorte) hab ich am Wochenende eine Rhabarber-Apfelmarmelade gemacht. Mmmhh!!! Ein Gedicht! Dieses Jahr müssen wir mehr von ihnen einlagern, falls das möglich ist.
      Ja, ist super, oder? Wir sind auch immer wieder auf´s Neue begeistert!
      Sonnige Grüße auch aus dem Süden! 🙂

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      • Echt, 100% Luftfeuchte? Das hätte ich ja nicht gedacht. Klar, die Äpfel sehen noch spitze aus für die Zeit! Dieser Keller ist echt erstaunlich. Daß es dann wiederum so warm wird, hätte ich auch nicht gedacht. Dann könnt ihr euch ja reinsetzen, an den ganz heißen Tagen 🙂 LG

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      • Ja, der Zeiger ist auf Anschlag (also sozusagen „über 100 %“, was ja nicht geht. Wir denken, dass er im oberen Bereich nicht so genau misst. Vielleicht sind es auch „nur“ 98 oder 96 %. Aber jedenfalls über 90 %.
        Es hat bei uns den ganzen Mai über jeden Tag geregnet, eigentlich nicht verwunderlich. Der Erdkeller ist zwar nicht luftdicht abgeschlossen, aber auch kein offener Raum, nach Norden hin ausgerichtet. Und genau das ist ja das Prinzip des Erdkellers.
        Voll das coole System, was sich unsere Vorfahren da ausgedacht haben ;-). Wir können uns eine Welt ohne Kühlschrank nicht vorstellen, die Menschen früher lebten in einer Welt ohne Kühlschrank – und wussten sich sehr wohl sehr wirkungsvoll zu helfen!
        Und das ohne ständigen Ressourcenverbauch…

        Momentan sind es so 10 Grad im Erdkeller. Bis die Temperaturen auf die genannten 15-18 Grad klettern, muss es schon eine ganze Weile sehr heiss und v. a. sehr trocken sein, so dass die Erde nicht mehr kühlt.
        Ja, wäre mal interessant, ein ganzes Jahr lang aufzuzeichnen – Außen- und Innentemperatur mit Außen und Innenluftfeuchte usw. haha! Wenn mir mal langweilig werden sollte 😉

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      • Also nicht mehr in diesem Leben 😉 Oder nicht vor der Rente oder so, hihi. Ja, früher ging es auch, mußte und klappte. Manches kann man sich heute kaum noch vorstellen. Meine Eltern kennen es noch aus ihrer Kindheit, daß Eisblöcke geliefert wurden, mit denen man die Lebensmittel im Keller kühlte. Man sollte meinen, der wäre sofort weggeschmolzen, hat ja aber wohl gedauert. Seltsam alles 😉 Jedenfalls schön, daß du zeigst, daß es anders geht!

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      • haha! Ja, das kann gut sein ;-). Aber es ist auch ziemlich anstrengend, über so einen langen Zeitraum jeden Tag die Werte ablesen und aufschreiben, auch wenn es eigentlich nur eine Kleinigkeit ist. Aber ich weiß das noch von dem ersten Winter, wo wir da ganz beharrlich dran geblieben sind.
        Oh, meine Mama kannte das auch noch! Der Eislieferant. Auch ein Job, der verloren gegangen ist… Ja, das muß ne ganz schöne Weile gehalten haben! Spannend, ja. 🙂 sonnige Grüße in den Norden!

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