Mit dem Schnee…

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Weißer Schnee, rote Äpfel, schwarze Amsel – unwillkürlich denke ich an Schneewittchen: so weiß wie Schnee, so rot wie….

… kamen die Amseln! Plötzlich waren sie da! Nicht nur eine oder drei oder fünf, nein, bis zu 20 (!) Amseln hüpfen, zanken und picken sich durch unseren Garten und von Apfel zu Apfel. Ich hab sie in den letzten Wochen schon vermisst. Kaum eine ließ sich blicken, und ich dachte schon, viele von ihnen sind vielleicht dem Usutu-Virus zum Opfer gefallen. Aber es war wohl einfach zu mild, kaum Frost, kein Schnee, und sie haben noch genügend im nahen Wald gefunden. Aber jetzt bevölkern sie wieder unseren Garten, wie im letzten Jahr. Morgens sind sie die ersten, die im noch ziemlich dunklen Dämmerlicht schon in Stellung gehen und ihre Apfelpositionen verteidigen.

Hart erkämpft und ständig verteidigt: Die Amselweibchen erobern sich die besten Plätze.
Hart erkämpft und ständig verteidigt: Die Amselweibchen erobern sich die besten Plätze.

Aber nicht nur sie sind zusammen mit dem Neujahrsschnee plötzlich aufgetaucht. In unserem Garten herrscht ein Flugverkehr – der Wahnsinn! An die 100 Vögel waren gestern und heute unterwegs. Neben den 20 Amseln ist es eine ca. 40 Kopf starke Haussperling-Gang, mit einigen Feldsperlingen unter ihnen.

Vollbesetztes Futterhäuschen mit Kohlmeise, Hausperslingen und auf dem Ast rechts: ein Feldsperling.
Vollbesetztes Futterhäuschen mit Kohlmeise, Haussperlingen und auf dem Ast rechts: ein Feldsperling.

Mehrere Buntspechte sorgen für Wirbel unter den Vogelhäuschengästen. Ein paar Wacholderdrosseln picken wie die Amseln an den Äpfeln. Entgegen ihres Kampfgeistes im Sommer, wo ich sie mehrmals dabei beobachtet habe, wie sie alleine oder zu zweit mehrere Elstern in die Flucht schlugen, stehen sie jetzt eher in niedrigeren Hierarchienstufen.

Vogelfutter Natur pur: Die Äpfel sind beliebt bei Wacholderdrosseln und Amseln.
Vogelfutter Natur pur: Die Äpfel sind beliebt bei Wacholderdrosseln und Amseln. Auch Meisen picken an ihnen.

Zahlreiche Vertreter dreier Meisenarten – Blau, Kohl und dann Sumpf oder Weide, ich konnt´s noch nicht genau erkennen – wuseln zwischen all den anderen hin und her und lassen sich von deren Gefechten um den besten Futterplatz irgendwie nicht so stören. Außerdem tauchen immer wieder Grünspecht und Buchfink auf, sowie eine kleine braune Minikugel, der Zaunkönig. Er flitzt vor allem im Mädesüß, zwischen den Kräutern und entlang des Holzlagers herum.

Das Vogelhäuschen ist also nicht der einzige Ort, an dem nach Futter gesucht wird. Neben dem Zaunkönig suchen auch andere eifrig das Holzlager ab, ebenso die Ecken an Fenstern und Rollos, die rissigen alten Rinden der Obstbäume sowie ihre älteren knorrigen und abgestorbenen Zweige – wie gut, dass wir sie nicht so beschneiden „wie man´s macht“! Gerade diese Zweige bieten Artenvielfalt. Die Weidenäste werden in einem fort hoch und runter abgesucht, ebenso die Mädesüß- und Laub-Ecken und alle anderen verblühten Stauden. Kaum ein Ort im Garten, an dem nicht die Abdrücke von Vogelfüßchen zu sehen sind…

Struktur bietet Nahrungsquellen. Hier noch Schneefrei Grashaufen neben Holzlager, dahinter Himbeergestrüpp - ca. 2-3 qm, die wir nie betreten.
Struktur bietet Nahrungsquellen. Hier noch Schneefrei Grashaufen neben Holzlager, dahinter Himbeergestrüpp – ca. 2-3 qm, die wir nie betreten.

Während ich alles vom Fenster aus beobachte, denke ich:
🙂 großartig, dieses LEBEN!

Aber fairerweise muss man sagen: Während ich dem Treiben mit großer Freude zusehe, geht es für die Federbälle da draußen ums pure Überleben. Jetzt, wo der Schnee alles bedeckt, ist es für sie schwierig, unter der Schneedecke Kleintiere oder Samen zu finden. Sie können ihn ja schlecht umgraben. Da braucht es eben Strukturen, Gebüsch, Staudenwirrwarr – die sogenannten „unordentlichen“ Ecken, die nicht nur in Gärten, sondern auch an Weg- und Waldrändern gerne entfernt werden. Damit´s ordentlich aussieht…

Ja, des einen Ordnungssinn ist des anderen Hungerleid…

 


P.S.: jetzt schon vormerken: Die Stunde der Wintervögel, vom 6. bis 8. Januar. Mehr Infos dazu am besten auf den Seiten des NABU oder des LBV nachlesen oder hier 🙂

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9 Kommentare

  1. Das ist ja der absolute Wahnsinn !!!! 100 Vögel ??!!! Toll, was du da geschaffen hast und den Vögeln anbietest. Wie schön, daß sie bei dir ein so tolles Restaurant gefunden haben 🙂 Das mit den Farben „rot-weiß-schwarz“, das paßt ! Habt ihr denn viel Schnee ? Bei uns liegt zur Zeit keiner, aber das kann ja noch kommen. Kalt wirds auf jeden Fall. – Für das Umgraben sind manchmal noch die Krähen zuständig. Die wühlen ja hin und wieder noch im Schnee, so lange der nicht zu hoch ist. Viel Spaß noch beim Vögelgucken. Bei der Zählstunde sprengt dein Garten bestimmt die Statistik 🙂 LG

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    • Stell dir vor, heute wurden wir richtig „überfallen“! Von Wacholderdrosseln! Das hättest du sehen müssen. Irre. Alles war voll! 100 reicht da gar nicht mehr, und das nur Wacholderdrosseln. Kein Quadratmeter ohne eine aufgeplusterte Wacholderdrossel oder Amsel. Und damit meine ich nicht nur den Boden, sondern auch die Bäume, alles voll. Der absolute Hammer. Sowas hab ich noch nicht erlebt. Sie haben sich ordentlich gezankt und alle Äpfel aufgepickt, die noch da waren. Jetzt sind die Obstbäume leer.
      Ja, es hat heute den ganzen Tag geschneit, und nun liegt etwa 20 cm Schnee. Voll schön 🙂
      Stimmt, die Krähen graben um.
      hihi! Ja, die Wacholderdrossel- und Amselstatistik hätten wir heute definitiv gesprent. Aber jetzt sind ja alle Äpfel aufgefressen. Ich nehme an, der Trupp zieht nun weiter.
      Liebe Grüße!

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      • Wau !!! Da hatten aber welche Hunger. Irre !!! Schade, daß keine Äpfel mehr da sind. Vielleicht kannst du noch welche in die Bäume hängen 😉 Was für ein tolles Erlebnis !!! – Ich hatte hier auf dem Grundstück vor vielen vielen Jahren mal eine größere Schar Seidenschwänze zu Gast. Die verirren sich wohl auch nur in besonders kalten Wintern hierher. Unten stand ein Strauch mit roten Beeren. Die Vögel wechselten sich in Gruppen ab, flogen den Busch an und wieder weg. Nach nicht mal einer Stunde war das Schauspiel vorbei – und der Busch leer 🙂 Aber das waren vielleicht 30 bis 50 Vögel. Bei dir hört sichs ja fast nach Hitchcocks Vögeln an, nur im positiven Sinne 🙂 Obwohl die Wacholderdrosseln deinen Schilderungen nach ja nicht ganz ohne sind. Wie gesagt, das muß beeindruckend gewesen sein – Toll !!!! LG

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      • SEIDENSCHWÄNZE! Wow, die hab ich noch nie gesehen, aber wer sie sieht, schwärmt von ihnen. Da beneid ich dich jetzt 😉
        Ja, hatte tatsächlich n bißchen was von Hitchcocks Vögeln, nur positiver 🙂 das trifft es genau! ALs ich unseren WOlf in den Garten gelassen hab, hab ich mir auch echt n bißchen Sorgen gemacht – nicht dass die ihn alle attackieren. Aber die waren zu sehr mit sich und miteinander und mit den Äpfeln beschäftigt.
        Liebe Schneegrüße zurück!
        🙂

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      • Das sieht dann vielleicht schon ein bißchen unheimlich aus, kann ich mir vorstellen, bei sooo vielen Vögeln… Und waren die auch laut ? Mutig, deinen Hund in den Garten zu lassen. Gut, daß es kein Jagdhund ist 😉 !! – Das mit den Seidenschwänzen war wirklich ein Riesenglück ! Wer weiß, jetzt wo die Polarkälte kommt, vielleicht lassen sie sich mal wieder blicken 😉 Aber dein Erlebnis ist auch beneidenswert. Schön, daß wir das erleben durften !!! Liebe Grüße, Almuth

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      • Ne, richtig laut waren sie nicht. Also kein gemeinschaftliches Gezwitscher, wie Stare oder Spatzen das machen. Die Zanklaute und das Geflatter waren v. a. zu hören.
        Ehrlich gesagt hatte ich schno ein bißchen gehofft, dass die Vögel sich durch unseren Wolf ein bißchen stören lassen und wegziehen würden, weil ich wenigstens ein paar der Äpfel noch ind ie nächsten Tage retten wollte. Aber 🙂 der Plan ging nicht auf. Jetzt müssen sich halt die Amseln, die sich hier eingenistet haben und immer da sind, woanders was suchen.
        Ja, tolle Erlebnisse! 🙂
        Liebe Grüße
        Sabine

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