Vogelrestaurant

Der diesjährige Oktober war so sonnig und spätsommerlich warm, dass wir bei der Apfel- und Birnenernte T-Shirts und kurze Hosen trugen. Überall blühte es noch. Schmetterlinge, Fliegen und Wanzen waren unterwegs, als hätte der Kalender sich dieses Jahr bezüglich des Herbstanfangs gründlich geirrt.

Aber Ende Oktober kündigte sich der erste Frost an. Das war das Startsignal, mein Vogelrestaurant zu eröffnen. Gut zwei bis drei Wochen später als die Jahre zuvor kramte ich mein großes Futterhäuschen aus der hintersten Ecke des Gartenschuppens hervor. Dieses Mal sollte es einen neuen Platz bekommen: nämlich beim Kartoffelacker.

Vogelrestaurant Saison 2018/2019 am 30. Oktober eröffnet! Dieses Jahr hab ich es mal ganz woanders hingestellt. Ich bin gespannt, wie es dort angenommen wird. Rot leuchtet der Kanadische Ahorn, gelb blüht der Gründünger Senf.

Ich war sehr gespannt, wie die Vögel es dort annehmen würden… Theoretisch gibt es eine super Anflugschneise vom Zwetschgenhang über unsere Hecke in die Trauerweide, die bei den Vögeln generell sehr beliebt ist; mit weiteren möglichen Zwischenstationen im Blumenbeet (in dem ich natürlich noch nichts „aufgeräumt“ habe), der Felsenbirne und dem Kanadischen Ahorn (der mittlerweile endlich zu einem kleinen Bäumchen herangewachsen ist). Andersherum könnten sich die Vögel wie gehabt über die Obstbäume heranpirschen oder von der Eiche über das Mädesüßgestrüpp in den Ahorn bzw. in den Gelben Senf, der Gründüngeransaat auf dem Kartoffelacker, der natürlich auch noch steht, und als Deckung benutzt werden kann…

So viel zu MEINEN Gedanken. Ob die Vögel das auch so sehen, würde sich zeigen, dachte ich, und stellte das Futterhäuschen einfach dahin.

Und 🙂 stellt euch vor, der Plan ging tatsächlich auf!

Von der Trauerweide aus haben die kleinen Meisen alles im Blick. Von hier aus starten sie Richtung Vogelhäuschen, und hier werden auch die Sonnenblumenkerne aufgepickt.
Aha, die erste Amsel. Sie denkt wohl, ich sehe sie nicht. Während die Meisen hin und herfliegen und einen Sonnenblumenkern nach dem anderen holen, sitzt Herr Amsel im wirren Geäst und beobachtet die Lage. LANGE beobachtet er die Lage…
Mmh. Sicher oder nicht sicher? Rosinen aus dem Futterhäuschen oder lieber wegfliegen? Noch ist die Entscheidung nicht gefallen…
Diese Kohlmeise hat´s wohl eilig und hackt den Sonnenblumenkern an Ort und Stelle auf. Normalerweise fliegen sie dafür immer in die Trauerweide.
Der erste Schnee Mitte November. Ist mal wieder typisch! Gerade eben noch wuselten an die 20 Feldsperlinge, Blau- und Kohlmeisen und ein Kleiber im und auf dem Futterhäuschen herum, und kaum hab ich die Kamera in der Hand, erwisch ich grad noch die letzte Blaumeise beim Abflug!
Dafür hab ich das Rotkehlchen erwischt. Auch stets vorsichtig, fast unsichtbar und seine Umgebung sehr genau prüfend hüpft es zum Futterhäuschen. Wenn kein anderer Vogel da ist, sitzt es schon auch mal drin.
Vom „unaufgeräumten“ Blumenbeet aus kann man sich nicht nur gut an das Futterhäuschen heranpirschen (wie diese Kohlmeise hier), sondern auch Samen und versteckte Insekten finden. Die Meisen haben hier schon jeden Stengel akribisch abgesucht!

 

Neben der Trauerweide steht eine Felsenbirne. Auch ein guter Ort, die Lage abzuchecken!

 

Regelmäßiger Besucher am Futterhäuschen sind auch diese gelb Gefiederten hier. Girlitz oder Goldammer? Bestimmt schon 100mal hab ich nachgeschaut, um dann doch immer bei Goldammer zu landen… hier im Apfelbaum gelandet.

Wen ich noch beobachten konnte: Kernbeißer, Kleiber, Grün- und Buchfinken, Eichelhäher und eine Elster taucht ab und zu auf. Sie ist aber bei der kleinsten Bewegung im Haus wieder weg. Und unser Wölfle mag Elstern gar nicht… *wuffwuffjagweg*

Damit Vögel durch den Winter kommen, braucht es natürlich mehr als nur ein gefülltes Vogelfutterhäuschen: Es braucht eine „3D-Landschaft“, wo nicht alles ratzekahl gemäht, abgeschnitten und abgelaubsaugt wurde:
Hecken (aus heimischen Straucharten)
Kruschtelecken
Laub im Garten
alte Äpfel (siehe hier und hier)
Altgras
Blumenbeete, die nicht nur aus nackter Erde bestehen
… Natur eben! 🙂 Lebensräume!

Eigentlich ist es so einfach, dem Leben um uns herum das Überleben zu sichern. Die Zauberformel: Nicht überall die Finger drin haben wollen, sondern einfach mal lassen!
Mehr Natur, das täte auch uns Menschen gut. Nicht nur, dass sie nachweislich positiv auf unsere Gesundheit und unseren Gemütszustand wirkt, auch unser Überleben hängt davon ab. Das ist mittlerweile sogar wissenschaftlich erwiesen.

Also auf, fang an, nichts zu tun und genieß es in vollen Zügen 😀
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen:
Es lohnt sich!

Blütenstände des Spitzwegerich im Schnee
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20 Kommentare

  1. So schöne Bilder begleiten den tollen Beitrag, und 3D-Landschaft – das ist mal ein Begriff, der es bündig beschreibt, was im Garten wichtiger ist als ein blätterfreier Rasen.
    Dein Rotkehlchen oder deine sind also auch eher von der scheuen Dämmerlicht-Natur. So erlebe ich sie auch. Da sind die Verschwinde-Möglichkeiten doppelt gefragt.
    Und wer mal die Amseln begeistert im Laub hat wühlen sehen, der braucht sich auch nicht mehr über die „Dicken“ im Vogelhaus zu ärgern, die den Kleinen den platz streitig machen. Zumindest bei mir im Garten ziehen sie es vor, unter dem Laub am Boden nach Nahrung zu suchen, bevor sie oben einsteigen.

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    • Danke für die Blumen! 🙂
      Ja, Rotkehlchen ist eindeutig scheues Dämmerlichttier. Allerdings hatten wir auch mal ein ganz zutrauliches, als wir den Erdkeller gebaut haben. Das blieb teilweise nur einen Meter neben uns sitzen! Vor allem meinen Mann gegenüber kam es sehr nah. Echt erstaunlich!
      Ohja, die Amseln drehen hier auch jedes Blatt um. JEDES! Mehrmals. Mittlerweile liegt sicher kaum noch ein Blatt dort, wo es ursprünglich hingefallen ist. Sehr witzig zum Zuschauen 😉

      Gefällt 3 Personen

  2. Wir füttern auch schon fleißig. Als erste inspiziert die Katze Susi das Futterhaus, dann sitzt sie eine Zeit lang wartend unterm Haus, die Vögel sitzen kichernd in den Bäumen und Sträuchern rings herum und laben sich dann am Futter, sobald die blöde Katze verschwunden ist. Für die ganz hungrigen gibt es in der Tanne nebenan noch Meisenknödel und Futter in einer Kokusnuss. Da kommen die Katzen nicht ran.

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    • Danke :-)!
      Bestimmt! Jede (heimische) Pflanzen, die mehr in deinem Garten wächst, zieht weitere Arten mit sich. Ich hab gerade kurz auf deinen Blog gespickelt – find ich großartig, dass du eine Naturgartenfreundin bist ;-)! Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du keine 20 Jahre darauf warten mußt! Wir gärtnern hier erst seit 5 Jahren. Es war zwar kein Acker, wie bei dir, sondern eine Streuobstwiese, aber die Artenvielfalt hier gibt es erst durch uns. Es hängt natürlich immer auch von der Umgebung um deinen Garten herum ab, wer alles zu dir finden kann.
      Außerdem gibt es keinen „fertigen“ Garten. Ein Garten ist ein stetiger Prozess! Da passiert ständig was neues und unerwartetes 🙂

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      • Vielen Dank für dein Kommentar. Leider gibt es im näheren Umkreis wenige Garten- und Naturfreunde so dass der Austausch im Internet echt bereichernd ist. Also für 5 Jahre sieht es echt toll aus bei euch, das macht um so neugieriger auf jedes kommende Jahr 🤗

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      • Oh, mit „es hängt von der Umgebung ab“ meinte ich nicht andere Naturgartenfreunde. Sondern zum Beispiel: Wenn es in der Nähe des Gartens einen Wald gibt, tauchen andere Vogelarten im Garten auf, als wenn man keinen Wald in der Nähe hat. Auch das Einwandern von Arten hängt sehr davon ab, wie die Umwelt drumherum aussieht.
        Danke :-)! Wir haben gar nicht viel gemacht, außer gepflanzt. Meistens ist weniger mehr 😉

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  3. Ja das hatte ich auch so verstanden 😉
    Wir haben sogar in ca 500m Luftlinie ein Naturschutzgebiet (großer Wald mit Moorgebiet). Ich hoffe das die Natur dann ihren Weg zu uns findet und es ihr hier gefällt.
    Unser Garten liegt in einem großen Neubaugebiet mit vielen EFHs. Die meisten haben einen Garten von der Stange – Rollrasen, Kirschlorbeerhecke und tonnenweise Rindenmulch mit ein paar Hortensien in der Mitte.
    Daher meine Anmerkung dass es wenige Gartenfreunde in der Nähe gibt.

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  4. Ein Futterhäuschen ist wirklich eine Bereicherung für jeden Garten! Und die gefiederten Freunde werden es Dir danken. Der „gelbe Besucher“ ist übrigens wirklich eine Goldammer. Beim Girlitz geht es an der Unterseite eher ein bisschen ins weißliche und er ist ein bisschen kleiner und rundlicher, mehr so wie ein Erlenzeisig. Und eigentlich ziehen die Girlitze im Winter auch gen Süden… aber es soll Ausnahmen geben und bei so einem schönen, vielfältigen Garten kann man natürlich nicht ausschließen, dass es sich ein Zugvogel anders überlebt und doch da bleibt. Es gibt immer wieder solche Überraschungen. 🙂

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    • Oh, vielen Dank für die Bestätigung der Goldammer! 🙂 Das erste Gefühl ist meistens doch das richtige. Manchmal wäre es echt praktisch, wenn sich die verschiedenen Vogelarten, v.a. die, die sich so ähnlich sind, mal nebeneinander auf einen Ast setzen würden, und dann könnte man sie mal vergleichen 😉
      Apropos Überraschung: Gestern gab´s noch eine kleine Sensation am Futterhäuschen: Erlenzeisige! Die hab ich noch nie bei uns im Garten gesehen. 🙂

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      • Ja, das stimmt! Aber generell finde ich, sobald ich eine Art einmal in natura gesehen habe, erkenne ich sie eigentlich überall wieder. Das ist eben was ganz anders als stöbern in Bestimmungsbüchern oder das Anschauen toller Fotografien im Internet.
        Ach wie schön! Dieses Jahr habe ich erst einen Erlenzeisig bei uns am Futterhäuschen gehabt. In früheren Jahren kamen sie scharenweise. Im vergangenen Sommer und Herbst wurden bei uns in der Nachbarschaft viele Bäume umgelegt, seit dem sind hier leider viele Arten verschwunden. Umso schöner, dass es bei dir welche gibt! 🙂

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