Gedankengestrüpp

winterwald
Leider kein Foto vom Hangwald, da hatten wir die Kamera ausnahmsweise nicht dabei. Es zeigt den Wald, den ich täglich durchwandere.

Vor kurzem waren wir an einem Hangwald wandern. Der schmale Pfad wand sich durch wirres, stachliges, undurchdringliches Gestrüpp. Bestimmung von Gehölzen anhand von Knospen und Rinde war noch nie meine Stärke, aber zwischen all dem Astgewirr erkannte ich Liguster, Pfaffenhütchen, Heckenrosen und Holunder zweifelsfrei. Während wir den steilen Hang langsam hinauf stapften, wurde mir schlagartig klar:

Genauso sieht richtiger Wald aus!
Das ist das, was man Strauchschicht nennt!

Und genauso klar wurde mir: Den Wäldern, die ich jeden Tag mit unserem Wolf durchstreife, fehlt die Strauchschicht, ebenso der Waldsaum. Sie sind „leer“. Das einzige „Gestrüpp“ sind dichte Verjüngungsinseln aus Buchen oder Fichten. Ansonsten kann ich zwischen den einzelnen Baumstämmen hindurchsehen, niedrige Gehölze versperren mir nur selten die Sicht. Ich überlege, wann ich zuletzt Liguster im Wald gesehen habe…
Wald = Natur? Forst trifft es wohl eher.

Mir fallen Beobachtungen und Gespräche mit den hiesigen Waldbesitzern ein. Gehölze, die nicht zum Jungwuchs gehören, werden entfernt. Begründung: „Damit’s net verschatet oder drübawuchern tud, ne“. Entlang von Waldrändern und Waldwegen „muss ma scho allweil a weng sauber machn. Sonst kriegd der Wald ka Licht ned. Und nei kommt ma a ned, horch“. Ich frage mich dann jedes Mal: Wie hat der Wald nur überleben können, bevor der Mensch anfing, ihn zu gestalten?

Hinzu kommt, dass schwere Maschinen und Geräte in den letzten Jahrzehnten den Boden immer wieder umgruben, zerwühlten und verdichteten. Der Staatsforst mit seinen riesigen Harvestern (zu deutsch: Holzvollernter… der Name ist Programm) ist da keinen Deut besser. So verschwindet sukzessive Strauch und Kraut. Ein Teufelskreis, denn: Je weniger wächst, umso weniger kann sich aussähen und umso weniger kann wieder neu hochwachsen… Wo sollen denn die Samen für eine Neubesiedelung herkommen, wenn es keine Pflanze gibt, die diese Samen ausbildet?

Und wiedermal denke ich über die Argumente nach, warum Vögel füttern von vielen Naturschützern in Deutschland abgelehnt wird (Meinen Beitrag dazu kannst du hier nachlesen). Ein Argument: „Die Vögel finden genug.“ Ich frage dagegen: Wo denn? In den Wäldern um uns herum sieht´s jedenfalls ziemlich mager aus. Wald- und Wegränder sind ebenfalls „sauber“ abgemäht und zerhäckselt. Seit drei Wochen haben wir hier eine geschlossene Schneedecke. Futter finden Vögel da nur in dem, was aus dem Schnee ragt. Und was, wenn da nichts herausragt?

Das Foto ist im letztem Winter entstanden. Dieses Jahr liegt der Schnee sehr viel höher. Was gleich ist: sauber abgehäckselte Wegränder.
Das Foto ist im letztem Winter entstanden. Dieses Jahr liegt der Schnee sehr viel höher. Was gleich ist: sauber abgehäckselte Wegränder.

Da die wenigsten von uns Waldbesitzer sind, haben wir auf das, was in Wäldern passiert, kaum Einfluss. Aber 🙂 jeder von uns kann bestimmen, was in seinem Garten wächst. In jedem Garten ist Platz für Sträucher und Kleinbäume, die unsere Landschaft wieder „voller“ (wert-voller) und unsere Gärten lebendig machen!

In Gärten, Leute, DA GEHT WAS!

Kennst du unsere heimische Gehölzwelt? Einige hab ich dir hier schon vorgestellt, wie die Gemeine Felsenbirne und den Faulbaum, und etwas nebenbei die Heckenrose (hier) oder den Schwarzen Holunder (hier). Andere werden noch folgen, versprochen!

Leider wirken die Namen heimischer Gehölze auf viele exotischer als Rhododendron, Hortensie, Thuja oder Kirschlorbeer. Aber 🙂 das lässt sich ja ändern!
Höchste Zeit, unsere heimischen Schätze zu entdecken, und sie zu einem Gartenjuwel werden zu lassen 🙂

 

 

P.S.:
Wenn du nun seufzt, und denkst, dein Garten sei zu klein, oder du hast ja „nur“ eine Terasse oder einen Balkon zur Verfügung, dann schau mal bei naturaufdembalkon vorbei! Die Autorin dieses Blogs hat zwar keine Gehölze auf ihrem Balkon stehen, diesen aber liebevoll, mit zwei leuchtendgrünen Daumen und Artenkenntnis in ein Naturparadies verwandelt.
Sie zeigt: Auch bei wenig Platz geht so einiges!

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9 Kommentare

  1. Oh, das ist aber nett, dankeschön für die Verlinkung 🙂 Gerade dachte ich noch, nein, ich hab keinen Platz für Gehölze (die gibts bei gehoelzbalkon.wordpress.com/), obwohl eine kleine Saalweide und Birken habe ich immerhin. Schöne Fotos von dir und gute Tips !! DAGEHTWAS – da geht so einiges 🙂

    Die Felsenbirne liebe ich sehr, besonders im Herbst mit diesen schönen Blattfarben ! Und man kann ihre Beeren essen und lecker sind sie auch 🙂 Hier wachsen sie am Mittellandkanal, aber ich hab immer Schiß, sie zu verwechseln und trau mich dann nicht an die Beeren ran….zu schade eigentlich ! – Das die Natur bei uns immer steriler wird, ist schon krass ! Wann den Menschen das wohl mal auffällt. Immer diese Kosten-Nutzen-Analyse. Hauptsache, der Ertrag stimmt…das muß sich doch mal ändern. Zum Glück siehts in unserem Stadtwald anders aus. Da wird die Stadt schon wieder zum Biotop – auch verrückt !! Liebe Grüße, Almuth

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    • Ach, schau an! Sogar Bäume hast du auf deinem Balkon! 🙂 du bist echt unglaublich.
      Soweit ich weiß kann man Felsenbirne eigentlich mit nichts verwechseln.

      Du wirst lachen: Ein Imker, der in der Wilhelma (also mitten in Stuttgart) zwei Bienenvölker stehen hatte, erzählte, dass er von diesen beiden Völkern deutlich mehr Honig ernten kann als von Völkern, die draußen auf´m Land stehen. In den blühenden Bäumen des großen Stadtparks und in dessen ungedüngten, blühenden Wiesen, die alle spät gemäht werden (Heu für die Zootiere) finden sie mehr Nektar als auf dem Land… Crass, oder?

      Bei uns hört man oft Sätze wie: „Bäume gehören in den Wald“ (der eigentlich eher wie ein Acker behandelt wird – also Ertrag bringen muss) und „Obstbäume stehen ja überall herum, da braucht man keinen pflanzen; machen außerdem nur Arbeit“. Und „Natur haben wir hier überall“… da liegt schon der Fehler, im Verständnis des Begriffs Natur. Eine grüne Wiese oder wenig Bebauung ist nicht unbedingt gleich Natur…
      In der Stadt ist das Grün nicht so selbstverständlich, vielleicht hat es deswegen einen höheren Stellenwert…?

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      • Das mit den Bienen ist krass !! Hannover ist zwar wunderbar grün, aber leider gibts auch hier grüne Wüsten. Der Stadtwald hat sicherlich eine Sonderstellung. Es gibt dort auch Bereiche, die sich selbst überlassen werden, aber mehr dazu ein andermal…anscheinend ist es in Niedersachsen Gesetz, daß Wälder auch immer für die Holznutzung herangezogen werden sollen. Ich weiß nicht, ob das noch aktuell ist.. – In den Städten soll das Leben für Flora und Fauna inzwischen schon besser sein, als auf dem Land, da es dort keinen Pestizideinsatz gibt. Verkehrte Welt ! Auch was du schreibst mit den Obstbäumen und dem Wald…macht Arbeit…und dann das Laub ! Dann muß man ja Laub fegen….oh nein ! Weg damit…huaaaaaa…wirklich: was verstehen manche Menschen unter Natur ? Ein Rollrasen mit Kirschlorbeerhecken ????????? Vermutlich. So laaaangsam ändert sich ja was an manchen Stellen. Hoffen wir, daß das so weitergeht ! Da geht doch was, oder 😉

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  2. Ja, da sprichst du ein Thema an das mir auch schon lange auffällt. Immer weniger Strauchstreifen entlang der Waldränder. Ein paar Fleckchen kenne ich noch und an diesen kann man auch kaum mehr entlang wandern weil die Landwirte mittlerweile bis an die Baumstämme ran ackern. Damit jeder Quadratzentimeter genutzt ist und viel exportiert werden kann… Nur, das ist keine Landschaftspflege, für die die Landwirte gerne Eigenwerbung machen.
    Und darum sind wir Hausgärtner an der Reihe mit der richtigen Pflanzauswahl etwas für die Natur zu tun.
    Übrigens meine Honigbienen bringen auch bei weitem nicht so viel Honig nach Hause, weil wir mitten auf dem Land zwischen Monokulturen allen voran dem Mais leben müssen!
    Liebe Grüße Arlene

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    • Es gibt ein neues Politikpapier, ein „Plädoyer für eine neue Agrarpolitik“, in Auftrag gegeben vom Bundesamt für Naturschutz und vom Bundesumweltministerium. Wenn du das in eine Suchmaschine eingibst, kannst du dir das pdf herunterladen (ich kann den Link hier leider nicht reinsetzen, da öffnet sich sofort das pdf). Das Projekt heißt „ZA-NExUS“ – wenn die Datei also diesen Namen hat, dann hast du das Dokument, das ich meine.
      Da geht´s genau darum: Dass sich die Landwirtschaft verändern muß.
      🙂 Wenn das umgesetzt wird, dann müßten wir das eigentlich in unseren Landschaften irgendwann (hoffentlich bald) sehen können.
      🙂 Daumen drücken…

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      • Danke für den Link, sehr interessant!
        Das Problem ist eben, daß man weiß wie es ginge aber andere Interessen dagegen stehen. Ich denke mir immer, auch Kleinvieh macht Mist und versuche in meinem kleinen Gartenreich schon mal was zu tun.
        Wünsche dir noch einen schönen Sonntag und liebe Grüße Arlene

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  3. Stimmt, Papier ist geduldig. In diesem Fall hoffe ich, dass die drohenden Sanktionen aus Brüssel für den Druck sorgen, der doch etwas bewegt 🙂
    Ja, im eigenen Garten ist man „König“ 😉 das nutze ich auch aus!
    Dir eine schöne Woche! Liebe Grüße in den Süden! 🙂

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