Auftakt Sommerserie – die Zeit nach dem 15. Juni

Draußen friert sich Deutschland durch die kältesten Tage diesen Winters, und ich beginne eine Sommerserie? Tsss. Aber gerade weil der Sommer noch so weit hin ist, ist es doch die perfekte Zeit, sich über die nächste Gartensaison Gedanken zu machen! 😉

Rainfarn, Tanacetum vulgare. Oder wie ich ihn nenne: Gelbe Knöpfchenblume. Blüht erst ab Juni, dafür aber bis Anfang Herbst.

Ursprünglich wollte ich nur einen Beitrag mit ein paar hübschen Bildern über den Rainfarn, Tanacetum vulgare, schreiben (Beitrag folgt). Doch während ich den Text formulierte, löschte, nochmal nachrecherchierte, erneut tippte, um wieder zu löschen, wurde mir eins plötzlich klar: Der Rainfarn ist Teil eines größeren Themenkomplexes. Der lässt sich nicht so einfach in ein paar Zeilen über eine einzige Pflanze packen. Und so entsteht jetzt die Sommerserie.

 

Sommerserie – GedankenAuftakt

Sommer – der Inbegriff üppigen Blühens! …oder? Teil dieses Blühens wäre der Rainfarn. Laut sämtlichen Quellen, die ich gelesen habe, kommt er „überall häufig“ vor. Demnach müsste man auch während seiner Blühzeit „überall häufig“ seine gelben Knöpfchenblüten leuchten sehen. Aber wie dir sicher aufgefallen ist, schreibe ich im Konjunktiv. Denn zumindest hier bei uns in der Gegend habe ich den Rainfarn noch nirgends entdeckt, obwohl es geeignete Standorte zur Genüge gäbe.

Wenn ich genauer darüber nachdenke, wird mir auch schnell klar, warum: Der Rainfarn blüht erst ab Mitte bis Ende Juni, und dann bis in den September (!) hinein. Aber spätestens ab 15. Juni bricht hier überall die Mähwut aus. Komme was da wolle, jetzt muss alles weg. „Endlich Ordnung!“ – diesen Erleichterungseufzer hörte ich in dem Zusammenhang schon oft.

Unkraut? Ansichtssache. In der zweiten Hälfte des
Sommers ist der Blutweiderich eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten.

Und damit ist der Rainfarn raus. Dieses Schicksal teilt er mit anderen Wegrandpflanzen und Sommerblühern, wie dem Gewöhnlichen Dost (Eupatorium cannabinum), dem Echten Baldrian (Valeriana officinale), dem Blutweiderich (Lythrum salicaria), der Wegwarte (Cichorium intybus) und den Königskerzen (Verbascum spec.). Sie alle werden mit abgemäht, noch bevor sie richtig zu blühen beginnen.

Und einmal ab ist ab. Sie wachsen kein zweites Mal in die Höhe. Sie sind nicht wie Gras, das immer wieder neu hoch schießt, egal, wie oft man es abschneidet. Wenn sie nicht mehr zur Blüte kommen und keine Samen mehr bilden können, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie aus einer Gegend ganz verschwinden. Auf Nimmerwiedersehen? Ja, vielleicht… wenn keine Samen mehr von woanders her eingetragen werden (und woher sollen diese kommen?), dann ja…

Viele Wiesenarten wie die Wiesenglockenblume profiteren davon, dass auf extensiv bewirtschafteten Wiesen nicht vor Mitte Juni gemäht wird. Andersherum würde ihnen eine deutlich spätere Mahd aber auch nicht schaden.

An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich sagen: Die Festlegung des 15. Juni als frühesten Mähtermin hat aus Naturschutzgründen absolut seine Berechtigung! Aber leider wird dieser Termin zu ernst genommen. Das Problem ist nicht, DASS gemäht wird, sondern dass ÜBERALL ALLES AUF EINMAL verschwindet, was Insekten – den wichtigen Bestäubern – Nahrung bieten könnte.

Doch der Sommer ist zu diesem Zeitpunkt noch lang! Insekten brauchen bis in den Herbst hinein Nektar und Pollen. Finden sie nichts, verhungern sie logischerweise und es gibt keine Nachkommen. Und das hat – wie allseits bekannt – weitere Folgen. Mit den Insekten verschwindet die wichtigste Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Tiere. Wir landen also wieder einmal in der bekannten Spirale des Artensterbens… und dieses Mal nur, weil Rainfarn & Co. den Sommer nicht überleben.

Auch beim Klatschmohn fallen Blühbeginn und Mähwut zusammen. Er blüht von Juni bis September.
Was tun?
Inseln im Garten: Gemäht für uns und ungemäht für Heuschrecken, Falter & Co.

Wer schon öfters hier gelesen hat, ahnt vermutlich, was ich jetzt gleich sagen werde ;-). Nämlich: Es ist ganz einfach. Einfach mal den Mäher still halten. Und vor allem nicht alles auf einmal Mähen. In dieser Mähstille kann man dem Leben lauschen: dem Zirpen, dem bunten Flattern, dem Käferkrabbeln. Jedes Leben ist Teil des größeren Lebens, und ohne dieses Leben gibt es auch unser Leben nicht. Es gibt keine Alternative dazu, auch wenn das in weiten Teilen der Politik noch nicht angekommen ist und gerne so getan wird, als wäre das nur ein (weltfremder) Wunsch einzelner (gspinneter) Naturschützer. Denn wer, wenn nicht diese Krabbler, bestäubt unsere Lebensmittel? Wer zersetzt und bildet Boden, ohne den wir nichts anpflanzen können? Wer sorgt für gesunde Ökosysteme, ohne die wir nicht leben können? Der Mensch ist es nicht.

Wo tun?
Ende September – da blüht noch was! zum Beispiel der Rotklee. Wir mähen weitestgehend um ihn herum.

Am Zaun entlang, auf Baumscheiben, an Wegrändern, in Gartenecken, an der Mauer entlang, auf der Rückseite der Garage, im Blumenbeet, die Einfahrt hoch, auf den kleinen Verkehrsinseln zwischen Parkplätzen, entlang der Hecke, rechts und links vom Komposthaufen, kleine Inseln im Garten… tausend Möglichkeiten! Mindestens eine findest du sicher für dich!

Schnellhilfe

Heimische Sommerblüher pflanzen, wie den Rainfarn oder die anderen, die ich oben bereits erwähnte und von denen ich noch genauer berichten möchte. Sommerblüher sind mindestens genauso wichtig wie Frühjahrsblüher. Und was wäre ein Sommer ohne Blüten?

Entspann dich! Und genieß das Leben um dich herum.

All diese Gedanken kamen mir, als ich ein paar Zeilen über den Rainfarn schreiben und dir ein paar hübsche Fotos von ihm aus meinem Blumenbeet zeigen wollte. Zu viele Gedanken für einen Text, in dem es nur um eine bestimmte Pflanzenart gehen soll. Deswegen schreibe ich jetzt, mitten in der kältesten Zeit diesen Winters, den Auftakt zur Sommerserie.

 

In der Hoffnung, dass sich diese Gedanken und die Freude an den Sommerblühern über das worldwidegartenweb wie kleine Pusteblumenschirmchen im Wind verbreiten, und der ein oder andere Mäher dieses Jahr vielleicht nicht ganz so akribisch unterwegs sein wird…

 


5 Tipps für den Frühling findest du hier.
Die Belohnung für´s „einfach mal wachsen“ lassen kann dir Frühlingsüberraschungen bringen, im Sommer Lila zart und rosa knallig werden oder einfach nur wunderschön sein.

Probier´s aus! Und hab Geduld. Wenn sich im ersten Jahr noch nicht viel tut, im nächsten und übernächsten Jahr wird ganz bestimmt so einiges auftauchen. Dagehtwas! 😉

 

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5 Kommentare

  1. Wieder ein sehr schöner Beitrag! Du hast Recht, beim Wort Sommer bin ich ins Stolpern gekommen 😉 Mir ist das gerade alles so fern bei diesen Temperaturen, aber deine Bilder sind eine Wohltat!! Und das sind sie natürlich auch, weil bei dir so viel wächst und blüht! Ja, ich hoffe und wünsche es auch, daß sich deine Gedanken und Vorschläge wie kleine Pusteblumensämlinge im WWW und im „wirklichen Garten“ ausbreiten. Weniger Ordnung ist definitiv mehr und wers geordneter mag, kann ja auch anders pflanzen. Hauptsache Blumen mit Nektar und Pollen, wenns sein muß in Reih und Glied 😉 Damit es nicht nur summt und brummt, sondern auch piept und zwitschert ♥

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    • Danke :-)! hihi, ja, die Sommerblumenbilder tun gut! 😉 sie steigern die Vorfreude. Obwohl ich die zugefrorenen Bäche und Eisgebilde auch hübsch finde – für eine Weile. Alles eben zu seiner Zeit. Ich befürchte, dass die Schneeglöckchen in unserem Garten erfroren sind :-(. Sie hatten sich schon zu weit hervorgewagt, weil es im Januar so mild war. Aber besser die Schneeglöckchen als die ganze Obstblüte wie letztes Jahr :-O ich hoffe ja sehr, dass das dieses Jahr nicht wieder passiert!

      Danke für die Wünsche! Dann drücken wir mal zusammen die Daumen und schicken ein paar Pusteschirmchen in die zu große Ordnung 😉
      Brummende, summende, zwitschernde und piepende Grüße aus dem Süden in den Norden!

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      • Echt, die Schneeglöckchen hats dahingerafft? Ja, ich glaube jetzt hat es so einiges erwischt. Selbst die Brombeerblätter draußen lassen alle die Spitzen hängen…wie du schon sagst, hoffentlich kommt nicht noch ein später Frost. Das ist dann doch immer etwas deprimierend.

        Normalerweise jappe ich viel mehr nach dem Frühling, aber im Moment stört es mich gar nicht so. Jetzt ist Winter. Punkt. Nur wärmer darfs werden…und dann, dann freue ich mich auch bald auf den Frühling 🙂 Fröhlichfrostige Grüße aus dem Norden 😉

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  2. *heftigBeifallspendet*
    Aber bei mir rennst Du ja auch offene Türen ein, lautet doch mein Vorsatz für diesen Sommer „etappenmähen“: Auch wenn in meinem schattigen Garten nicht viel dadurch blühen wird – ich habe ja im letzten jahr gelernt, daß auch Gräser (zB) wichtige Nahrung bilden – und nicht nur für karnickel, sondern zB auch für spezialisierte Raupen.

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    • Oh, vielen Dank für den Beifall! 🙂 darüber freue ich mich sehr!
      Ohja, Gräser werden sehr unterschätzt. Find ich super, dass du das machst!
      Für eine (halb-)schattige Wiese fallen mir übrigens ganz spontan ein paar Frühlingsblüher ein:
      Schlüsselblumen (die heimischen Arten Primula veris oder P. elatior), Buschwindröschen, Vergissmeinnicht, Taubnesseln, Winterlinge (die eher an der Hecke oder unter Büschen), Waldmeister…
      Ah, und jetzt fallen mir auch noch ein paar Sommerblüher ein, die es auch im Schatten gut aushalten!
      Waldziest (Stachys sylvatica), Waldglockenblumen, Waldstorchschnabel, Stinkender Storchschnabel, Frauenmantel (wächst bei uns auch in der Wiese), die heimische Akelei Aquilegia vulgaris… hui, da geht ja doch so einiges! Vielleicht kannst du ja das ein oder andere ansäen oder anpflanzen?
      schau mal hier: http://www.hof-berggarten.de/
      Da hab ich zwar erst zum ersten Mal Samen bestellt, kann also noch nicht aus Erfahrung berichten. Aber es wirkt ziemlich gut. Und dort kann man gezielt nach „schattig“ und „Wald“ suchen – eine schattige Wiese entspräche ja in etwa einer Waldwiese.

      Bunte Sonnengrüße! 🙂

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